Winter’s Symphony

Nachdem ich 2 Wochen vorher bei eisigen Temperaturen mein eigentliches Ziel, die bizarren Bäume auf dem Bielberg, verfehlt hatte, machte ich einen erneuten Versuch diese Bäume zu fotografieren. Diesmal war es um einiges wärmer. Nach gut einer einstündigen Schneeschuhwanderung erreichte ich den Bielberg. Leider hatte sich das Raureif auf den Bäumen auch „verabschiedet“. Trotzdem, die bizarren Bäume, geformt durch das raue Wetter hier oben, sind ein perfektes Winter-Sujet. Die Langlaufloipe welche gerade hier durchläuft beschränkte mich ein wenig in meinen Kompositionen und ich musste in ein paar Fotos auch Kompromisse eingehen. Schade, aber auf der anderen Seite ist es auch eine Herausforderung und man wird gezwungen nach der besten Kompositionsmöglichkeit zu suchen. Es war ein sehr ergiebiger Nachmittag und Abend auf dem Bielberg.
Wir haben hier in der Schweiz nicht die unendlichen Weiten und Landschaften ohne Zivilisationseinflüsse wie sie in Australien, Amerika oder auch in Afrika vorkommen. Man muss bei seinen Kompositionen auch immer auf Häuser, Strommasten, Bergbahnen, Strassen und in der Nacht auch auf Lichtverschmutzung und den Verkehr am Himmel achten. Nun, dies alles gehört zu unserer Kultur hier. Es ist ein Teil unserer Landschaft. Beide Arten der Landschaftsfotografie haben ihre Berechtigung. Ich für mich, bevorzuge die pure Landschaft. Doch gibt es durchaus Landschaftskompositionen in welchem ein Bild gewinnt indem man einen Weg oder ein altes Bauernhaus ins Bild integriert. Auch eine Berglandschaft mit einer Alphütte kann besser wirken und unsere Landschaft „ehrlicher“ wiedergeben als ein Bild ohne dies Hütte. Es kommt immer darauf an was man mit dem Bild zeigen will, welche Emotionen man erzeugen möchte. Es ist einfach eine besondere Herausforderung wenn man diese „Zivilisationselemente“ nicht im Bild haben möchte.
Die Langlaufloipe und die Streckenmarkierungen, wovon eine davon direkt vor diesem Baum platziert war, zerstörten für mich die Wirkung des Bildes. Ich versuchte auch, ob ich diese Streckenmarkierung herausziehen konnte, doch die steckte zu fest im Boden. Wann immer ich kann, vermeide ich es bei der „Bildentwicklung“ am PC zu stempeln, doch wenn es nicht anders geht, finde ich dies ein legitimes Werkzeug. Hier versuchte ich nun zuerst einmal eine andere Aufnahmeposition zu finden. Ich wurde auch fündig, doch befand sich der Markierungspfosten immer noch am Rand der Bildkomposition. Also musste ich dieser doch noch wegstempeln. Ich machte aber zugleich noch eine weitere Aufnahme wo ich den Pfosten nicht mehr im Bild hatte, aber den Kompromiss einging, dass ich den Baum, also mein Hauptmotiv, nicht so platzieren konnte wie ich es mir vorstellte. Zu Hause am PC war ich froh, dass ich noch diese zusätzliche Komposition machte, denn diese Aufnahme brauchte ich schlussendlich für mein Bild.
Bei einem anderen Bild genügte es, als ich die Perspektive und die Aufnahme Position änderte und das Bild war so wie ich es mir vorstellte.
Nach Einbruch der Dunkelheit machte ich mich dann auf den Rückweg zum Auto.Berner Jura
Technische Details: Nikon D700, 16-35mm Objektiv (@32mm), ISO 200, f 13, 20 Sekunde, Big Stopper (10stop ND Filter Lee)

Day’s End

Eine Bildidee die ich jetzt doch schon etwas länger in meinem Kopf hatte. Inspiriert von einem Bild von Ian Plant. Der Himmel mit den warmen Farben der untergehenden Sonne und das Nebelmeer im kalten Farbton, dazu die Jurahügel welche aus dem Nebelmeer ragen. Die Nebelobergrenze sollte an diesem Tag ca. bei 1000 bis 1100 Meter über Meer sein. So war es auch. Als ich an diesem Nachmittag auf der Passhöhe des „Chilchzimmersattel’s“ ankam waren die Bedingungen dazu gerade perfekt. Oberhalb des Nebels blauer Himmel und man konnte auf das unendliche Nebelmeer blicken welches sich unterhalb wie ein Fluss durch die hügelige Landschaft schlängelt. Als ich dann ca. eine viertel Stunde später auf der Geissflue ankam, musste ich mich schon fast beeilen. Die Sonne stand schon sehr Tief und bevor ich meine Bildidee umsetzte, wollte ich die Gelegenheit noch nutzen den Sonnenuntergang zu fotografieren. Was mir hier die Natur bot, war ein unglaubliches Schauspiel aus Farben und Licht. Um diese Stimmung fest zu halten benötigte ich eine Belichtungsreihe von 2 Aufnahmen kombiniert mit einem ND Hard Filter von 0.6.  2 Aufnahmen waren hier genug um den ganzen Dynamik-Umfang einzufangen.
Zur Entwicklung zu Hause am PC: Da ich hier eine Belichtungsreihe von 2 Belichtungen machen musste, muss ich diese 2 Belichtungen nun überblenden. Viele verwenden dazu die HDR Technik (HDR Software) welche zwar relativ schnell zu einem Ergebnis führt aber für mich nicht befriedigend und zu ungenau ist. Dazu wirkt es noch unrealistisch und künstlich. Aus diesem Grunde überblende ich immer manuell. Dies nimmt zwar mehr Zeit in Anspruch, doch liefert dies natürlichere und genauere Resultate. Dabei mache ich die RAW Konvertierung wie immer in Lightroom und öffne anschliessend die einzelnen Belichtungen als Ebenen in Photoshop. Dabei ist das dunklere Bild über dem helleren platziert. Danach erzeugte ich eine Maske. Dazu verwende ich oft die Luminosity Masks von Tony Kuyper. Ich wählte die passende Maske aus und verfeinerte sie anschliessend noch mit einem Pinsel (schwarz oder weiss) und dann noch mit dem Abwedler- und Nachbelichterwerkzeug. Eine genaue Regel dazu gibt es hier bei mir nicht. Das ist jedes Mal wieder etwas anders. Bei diesem Bild war das überblenden etwas schwieriger da der Kontrast zwischen den Bäumen und dem viel hellerem Nebelmeer sehr hoch war und ich einen Saum um die Äste der Bäume hatte. Dieser musste ich jetzt noch entfernen. Dazu verwendete ich die Option „Maskenkante“ – aber auch hier musste ich einfach ausprobieren welche Einstellungen das Beste Ergebnis lieferten. Anschliessend wurde dann wieder mit dem Pinsel entweder mit weiss oder mit schwarz und der passenden Deckkraft und Pinselgrösse Feinarbeit gemacht. Auch habe ich dann noch eine Verlaufsmaske erstellt um die beiden Bilder noch besser mit einander zu überblenden. Auch hier wieder: es gibt kein Patentrezept. Es braucht einfach Erfahrung und mit der Erfahrung geht es auch immer wie einfacher. Danach habe ich noch einzelne Stellen im Bild abgewedelt und nachbelichtet. Dazu verwende ich aber nicht die in Photoshop zur Verfügung gestellten Werkzeuge, sondern arbeite da auch mit einer eigens dafür erzeugten Maske und male dann mit dem Pinsel entweder mit Schwarz oder Weiss auf die gewünschten Bereiche. Damit nur die von mir gewünschten Tonwerte betroffen werden, wähle ich die zu bearbeitende Helligkeitsbereiche mit Hilfe von Tony Kuyper’s Masken aus. Danach noch die Sättigung einstellen – dies ebenfalls mit speziellen Masken damit man nur dort die Farben sättigt wo man es auch will.Ankenballen
Technische Details: Nikon D700, 70-200mm Objektiv (@200mm), ISO 200, f 11, 2 Belichtungen für Kontrastumfang von 1/80 Sekunde & 1/25 Sekunde, ND Grad Filter 0.6 Hard, manuell überblendet in Photoshop

Belchenkontraste

Die Belchen Region in der Nordwestschweiz ist vielleicht eine der typischen Schweizer Regionen. Wieso mögen sich jetzt vielleicht einige Fragen. Es ist zwar nicht eine typische weltbekannte Ferienregion wie das Berner Oberland,  das Matterhorn oder das Engadin doch es vereint alles was für die Schweiz eigentlich typisch ist. Vielleicht nicht gerade das, was die Touristik-Branche im Ausland als „Schweiz“ verkauft, doch vielmehr die wirkliche Schweiz, welche durchaus sehr schön ist aber auch darauf hinweist, dass die Schweiz klein ist und Platz nicht im Überfluss vorhanden ist. Hier lebt die Natur im Einklang mit der Landwirtschaft, so wie auch in den Schweizer Alpen. Es ist zwar als Landschaftsfotograf sehr schwer in dieser Region Fotos zu machen wo man den Einfluss des Menschen auf die Natur nicht sieht, doch ist die Kombination Mensch/Natur natürlich gerade ein Bestandteil unserer Kultur hier in der Schweiz. Die Schweizer Landschaft besteht aus dem Einklang von Mensch und Natur und somit gehört diese Kombination auch in das schweizerische Landschaftsbild. Mein persönlicher Stil sind Landschaftsfotos von „purer“ Natur, was eben hier in der Schweiz kaum möglich ist und ich habe durch all die Jahre gelernt, dass der Einfluss des Menschen in der Natur ein Bestandteil der Schweiz ist und dieser zur Natur gehört. Die Belchenregion ist sehr gut erschlossen – über Vor- oder Nachteile möchte ich hier nicht schreiben, doch gerade dieses „erschlossen sein“ ist wiederum was typisches für die Schweiz. In dieser Region kommt sehr vieles zusammen. Man ist inmitten einer wunderschönen Landschaft im Jura, man hat Ruhe und ist fernab der Hektik des Mittellandes und der Städte, die Gegend ist nicht überfüllt mit Touristen, doch kann es an schönen Herbsttagen wenn das Mittelland unter einer grauen Nebeldecke steckt, schon von Sonnenhungrigen überfallen werden und doch findet man immer wieder einsame Orte. Oben auf den Jurahöhen ist man weg von den Hauptverkehrsadern der Schweiz und doch ist man ihnen sehr nahe. Steht man oben auf der Belchenfluh sieht man gen Süden zu der Alpenkette, im Norden zum Schwarzwald, gegen Westen über die Jurahügeln. Doch man sieht auch wie sich die Autobahn unten durch das Baselbiet schlängelt, gegen Osten sieht man auch das Kernkraftwerk von Gösgen und natürlich das dicht besiedelte Mittelland. Man hat Hochspannungsleitungen, weidende Kühe, wilde Tiere, frische Luft, vereinzelnde Bauernhöfe welche sich perfekt in das Landschaftsbild einfügen. Ja man hat sogar noch Überreste und Bunker aus dem ersten Weltkrieg.

Dieses Bild ist sicher etwas aussergewöhnlich für diejenigen welche meine Arbeiten kennen, dennoch ist es, wie ich finde, auch ein typisches Bild von mir.  Hier sieht man für mich die typischen Kontraste der Belchen-Region: die Autobahn mit dem Nord/Süd-Verkehr, das Nordportal des Belchentunnels, das Dorf Eptingen, die Jura-Hügeln und Wälder. Natur trifft auf Tradition und moderne Technik, Kultur und Geschichte sowie Ingenieurskunst. Die Kontraste der Belchen-Region!Belchen-Autobahn
Technische Details: Nikon D700, 24-70/f2.8 Objektiv (@66mm), ISO 200, f 11, 30 Sekunde