Unspektakuläre Landschaften

Gibt es langweilige Landschaften? „Was ist eine langweilige Landschaft?“ ist dann die daraus folgende Frage! Meiner Meinung nach gibt es sicher langweilige Landschaften, aber auch diese können es in sich haben. Es kommt immer auf die Bedingungen drauf an. Ich denke man kann mit jeder Landschaft interessante Bilder gestalten. So wenig wie es „kein schlechtes Wetter“ für Fotografen gibt, gibt es demnach auch keine „langweilige Landschaften“. Es liegt am Fotografen daraus etwas interessantes und spektakuläres zu machen. Eine langweilige Landschaft könnte zum Beispiel auch eine unendliche Wüste sein oder eine Ebene mit nichts als nur Büschen oder Grass. Aber gerade ich, finde die Wüste fantastisch zum fotografieren. Gerade die unendliche Weite des Outbacks finde ich eine spektakuläre Landschaft. Für mich eine Inspiration und für einen anderen eventuell nichts als eine langweilige Landschaft.
Die Gegend zwischen Biel und Solothurn im schweizerischen Mittelland ist nicht gerade eine Landschaft wo sich viele Landschaftsfotografen tummeln. Es ist auch nicht gerade eine spektakuläre Landschaft. Die Gegend ist auch stark besiedelt und zersiedelt. Doch hat sie dennoch einige kleine Perlen die sich lohnen besser kennen zu lernen. Gibt es doch das Naturschutzgebiet „Häftli“ und die „Witi“. Doch wenn man auf der Autobahn von Biel nach Solothurn fährt, wirkt sie nicht gerade spektakulär, führt doch die Autobahn gerade durch die „Witi“. Eine flache Ebene mit Ackerland, zwischen dem Jura und dem Bucheggberg und mittendurch führt die Aare mit ihren zahlreichen Schlaufen. Doch nimmt man sich Zeit und wandert über die Witi, dann sieht man es mit anderen Augen. Na gut, es ist jetzt nicht diese spektakuläre Landschaft, doch man kann die Ruhe geniessen, die Augen können sich in der Weite verlieren und die Witi ermöglicht auch das Beobachten von Wildtieren. Doch was für das blosse Auge als schön empfunden wird, eignet sich nicht unbedingt auch immer zum fotografieren. Das will heissen, man muss als Landschaftsfotograf anders sehen. Gerade dort ist die Herausforderung solcher Landschaften. Auch sind solche Landschaften nicht immer „fotogen“! Obwohl die „Witi“ sich von Grenchen bis nach Solothurn ausdehnt, hat man auch immer wieder Siedlungen, Wege, die Autobahn und in der Distanz sieht man die Städte Grenchen und Solothurn. Also als Fotograf ist man gefordert. Trotzdem finde ich kann diese Landschaft auch für Landschaftsfotografen viel zu bieten haben, gibt es doch in der „Witi“ der Aare entlang im Sommer und im Frühherbst immer wieder Nebelbänke. Gerade wegen diesen Nebelbänken, kann man dort oft stimmungsvolle und fantastische Aufnahmen machen. Solche Landschaften brauchen vielleicht etwas mehr Versuche, bis man ein entsprechendes und ansprechendes Bild auf dem Sensor hat, doch gerade darin ist auch der Reiz der Landschaftsfotografie! Zu einem meiner Bilder welches ich in der „Witi“ gemacht hatte, kommentierte ein Betrachter mal sehr erstaunt „Ich habe gar nicht gewusst, dass man zwischen Biel und Solothurn solche Bilder machen kann“! Er konnte kaum glauben, dass dieses Bild dort gemacht wurde. Verschiedene Stimmungen, Perspektive, Kamerastandpunkte, Bildausschnitt und Licht können ein Motiv komplett anders aussehen lassen. Gerade solche Punkte sind wichtig, wenn man sogenannte „langweilige“ und „unspektakuläre Landschaften fotografieren möchte. Mit Kreativität, dem richtigen Licht, den passenden Bedingungen und der „richtigen“ Komposition gibt es keine langweiligen und unspektakulären Landschaften.20140712-_DSC5817-Sommernebel                                                  Technische Details: Nikon D800e, 70-200mm Objektiv (@116mm), ISO 100, f 13, 1/6 Sekunde

 

 

 

 

 

Landschaftsfotografie-Workshop „Herbst am Belchen“

Zusammen mit Adrian Wirz, Landschafts-& Wildtierfotograf aus Sissach/Schweiz führe ich dieses Jahr im Oktober 2014 in der Belchen Region einen Workshop für Landschaftfotografen durch. Der Workshop ist für all diejenigen die sich für Landschafts-& Naturfotografie interessieren, ob Anfänger oder Fortgeschrittener. Adrian Wirz und ich kennen die Region sehr gut, so ist es uns möglich, Sie zur richtigen Zeit an den richtigen Ort zu bringen, damit Sie schöne stimmungsvolle Aufnahmen machen können. Der Sonnenaufgang auf der Belchenfluh gehört im Herbst zu den Highlights in der Nordwestschweiz – doch ist dies nicht der einzige Höhepunkt an diesem Tag. Wir werden Sie den ganzen Tag von einem schönen Ort zum anderen bringen und mit etwas Wetterglück werden Sie einen unvergesslichen Sonnenuntergang am Ankenballen erleben.

Weitere Infos finden Sie auf unserem PDF Flyer!  Workshop Belchen-Oktober 2014

Spinifex Glow

Es war noch stockdunkel als ich mich von unserem Camp beim Three Ways Roadhouse auf den Weg machte Richtung Devils Pebbles. Es ist ungefähr eine 30 Minütige Autofahrt und nur ein paar Roadtrains kamen mir auf dem Stuart Highway entgegen bis ich auf die Schotterpiste zu den Devils Pebbles abbog. Als ich unser 4×4 am Ende der Piste parkte, konnte man weit am Horizont schon einen gelb-rötlichen Lichtstreifen erkennen. Ausgerüstet mit einer Stirnlampe, dem Fotoequipment auf dem Rücken und dem Stativ auf der Schulter machte ich mich auf den Weg zu den Devils Pebbles. Es war eine Sternenklare Nacht und somit war der Himmel Wolkenlos bis auf ein paar vereinzelte Wolkenfelder am Horizont. Da ich wusste was ich fotografieren wollte, ging ich direkt zu diesem Ort und stellte meine Kamera auf und wartete anschliessend auf das „perfekte“ Licht. Langsam wurde es heller, die Granitfelsen leuchten im kühlen Pastellfarbenen Morgenlicht rot-orange im Kontrast zum dunkelblauen Himmel mit dem Mond. Die Aufnahme war auf dem Sensor und ich dachte ich warte noch ab, bis die Sonnenstrahlen die Granitfelsen anleuchten, als ich mich umdrehte und diese Lichtstimmung vorfand. Die Sonne ging gerade auf und die ersten Sonnenstrahlen warfen lange Schatten über das endlose Outback und das Spinifex-Grass leuchtete Gold-Gelb im Gegenlicht während sich die rote Erde und die zerstreuten Granitsteinen noch in dessen Schatten befanden. Jetzt musste es schnell gehen bevor das Licht weg ist. Schnell suchte ich mir einen geeigneten Standpunkt und eine passende Komposition und wartete noch einen kleinen Moment bis das Licht meiner Meinung nach den Zenit für diese Bild erreicht hat und drückte dann auf den Auslöser.
Auch wenn man genau weiss, was man fotografieren möchte, es lohnt sich auch immer wieder weiter zu schauen und nicht mit Scheuklappen zu seinem Standort zu gehen und stur nur dieses bild zu machen. Man soll auch nach links und rechts und nach Hinten Ausschau halten. Man weiss nie, was die Natur einem noch zu bieten hat. Ich machte an diesem Morgen drei unterschiedliche Bilder und jedes davon überzeugt und gefällt mir auf seine Weise.Spinifex-Glow - Devils Pepples                                                                                                             Technische Details: Nikon D800e, 14-24/f2.8 (@24mm), ISO 500, f 13, 1/80 Sekunde, ND-Grad 0.6

Lilies of Yellow Water

So schön und faszinierend der Yellow Water Billabong auch ist, so schwer finde ich es auch dort zu fotografieren. Man findet Motive in Hülle und Fülle. Nein, an dem liegt es nicht. Es ist vielmehr, dass der Billabong eine grosse Fläche abdeckt und schwer zugänglich ist. Das bekannteste Motiv, welches auch ohne Zweifel sicher auch eines der schönsten ist, ist auch dasjenige welches man am besten erreichen kann. Ich denke mal deshalb ist es auch das meistfotografierte Motiv am Yellow Water Billabong. Doch gerade auch dieses Motiv mit dem Blick über das Wasser zu den abgestorbenen Bäumen in den Morgen- oder Abendstunden ist recht anspruchsvoll zu fotografieren, wenn man das so sagen darf, vorallem wenn man eine neue originelle Ansicht zeigen möchte. Ohne Zweifel macht man dort aber sehr stimmungsvolle Bilder. Soll man es jetzt trotzdem noch fotografieren oder soll man es sein lassen? Glaubt Ihr, dass dies schon alles fotografiert wurde. Vielleicht ja, doch glaube ich nicht daran! Ich persönlich finde, man soll fotografieren, man sollte auch immer wieder an den gleichen Ort zurückkehren. Der Yellow Water Billabong ist für mich ein Ort an den ich immer wieder zurückkehren „muss“ wenn wir im Top End sind. Jedes Mal wenn wir ihn wieder besuchten war es anders. Auch die Jahreszeit macht gerade dort ein sehr grosser Unterschied aus: Regenzeit – Trockenzeit. Während es in der Regenzeit zum Teil schwer zugänglich ist, kann man während der Trockenzeit, je nachdem wie die Wege freigegeben sind, den Billabong auch einwenig zu Fuss erkunden. Nur schon Morgen oder Abend macht ein Unterschied! Immer wieder gibt es neue unbekannte Sachen zu entdecken. Obwohl der Yellow Water Billabong sicher zu den meist fotografierten Landschaften im Kakadu National Park zählt, glaube ich, man kann immer wieder neue Ansichten, Perspektiven und Stimmungen einfangen. Manchmal scheint es schon fast als ob der Ort durch andere Wetterbedingungen oder anderes Licht eine total andere Persönlichkeit annehmen würde. Es gibt so viele Möglichkeiten Einfluss auf das Bild zu nehmen: andere Jahreszeit, anderes Licht, Sonne, Regen oder Nebel, bei Nacht mit dem Himmelszelt oder bei Vollmond. Auch kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen mit den entsprechenden Kameraeinstellungen, den Gebrauch von Filtern und schlussendlich noch die „Entwicklung“ in der digitalen Dunkelkammer.
Viele Fotografen denken, es ist schon alles fotografiert. Sie glauben, dass ein Ort/Landschaft schon so oft fotografiert wurde, dass es nicht möglich ist, etwas Neues und Einzigartiges zu fotografieren. Aber ich denke es ist möglich! Es ist vielleicht nicht möglich beim ersten oder zweiten Besuch – doch es ist möglich. Ich bin davon überzeugt, dass man sich die Mühe machen muss, die Seele der Landschaft welche man gerne fotografieren möchte, kennen zu lernen. Das ist für mich der Schlüssel um einzigartige Bilder von oft-fotografierten Motiven zu machen. Wenn man sich dafür Zeit nimmt, dann kann man diese einzigartigen Bilder machen.
Natürlich kann man jetzt entgegen halten und sagen, dass man nicht immer die Möglichkeit hat, eine Location wieder und wieder zu besuchen. Das ist absolut richtig. Aber man kann ja auch mal ein Risiko eingehen und etwas weiter gehen, etwas neues Versuchen und nicht beim erst besten Platz stehen bleiben, die Kamera aufstellen und auf das Licht warten. Entdecken Sie die Landschaft für sich. Schauen Sie weiter. Die Inspiration ist dort. Wir müssen Sie nur finden!

Für dieses Bild „Lilies of Yellow Water“ waren wir mit einem Boot und einem Führer unterwegs, welcher die Gegend sehr gut kannte. Das Boot ist eigentlich die einzige Möglichkeit wenn man einen etwas unbekannteren Teil von diesem Billabong und weniger fotografierte Ansichten fotografieren möchte.
Es hat zwar ein paar Trails, aber die können je nach Krokodil-Sichtung und Jahreszeit geschlossen sein. Auch wenn sie frei gegeben sind, ist höchste Aufmerksamkeit angesagt. Krokodile und andere Wildtiere können überall lauern. Man sollte auch immer daran denken, dass nicht das Krokodil welches man sieht das gefährliche ist, sondern dasjenige welches man nicht sieht!
Wir waren an diesem Morgen schon eine Weile auf dem Billabong unterwegs, haben schon etliche Krokodile zu Gesicht bekommen, sowie auch Kingfisher(Eisvögel) und viele andere Vogelarten die im Kakadu National Park heimisch sind, als ich plötzlich diese Stimmung entdeckte mit den zwei Bäumen, dem Nebel und den Wasserlilien. Unser Führer fuhr mit dem Boot so nahe wie möglich an die Wasserlilien heran und ich versuchte bestmöglich auf dem wackligen Boot mein Bild zu machen. Immer wieder musste er das Boot umplatzieren da wir sonst zu tief in die Lilien hineingetrieben wären. Auch hätte es gerade noch ein „Saltie“ in der Nähe gehabt, doch dieser hatte keine Lust mit aufs Bild zu kommen. Es erwies sich als gar nicht so leicht dort eine ansprechend komponiertes Bild zu kreieren. Ich machte verschiedene Aufnahmen um dann am Bildschirm zu entscheiden welches die beste ist. Doch ich denke mir ist es hier sehr gut gelungen eine neue Ansicht oder zumindest eine nicht oft fotografierte Ansicht und Komposition vom Yellow Water Billabong zu zeigen.Yellow Water Billabong

Technische Details: Nikon D800e, 24-70/f2.8 Objektiv (@56mm), ISO 250, f 8, 1/250 Sekunde, Polarizer