Abstract

Fotografie ist die Kunst, Licht auf einen Film oder den digitalen Sensor einer Kamera zu bannen. Es ist für mich aber noch viel mehr. Es ist auch eine Form der Kommunikation: die Landschaft mit Hilfe des Lichtes, der Farben und der Stimmung durch die eigene Sichtweise in Gefühle zu fassen und dem Betrachter des Bildes zu übermitteln. Es ist mehr als nur eine Wiedergabe des „Sehens“, sei es jetzt eine grandiose Landschaft oder eine intime Aufnahme einer Blüte. Es ist auch die Liebe, den Respekt und die Ehrfurcht zur Natur kombiniert mit dem persönlichen Gefühl des Moments.
Ich muss zu meinem Motiv einen Bezug aufbauen, ich muss es fühlen. Selten mache ich schon bei meinem ersten Besuch wenn ich mich das erste Mal mit der Landschaft auseinandersetze mein bestes Bild davon.
Es heisst auch, sich Zeit zu nehmen, sich auf einen Stein setzen, inne halten und den Moment auf sich wirken zu lassen. Der erste Eindruck einer Landschaft ist meistens ein „Wow“- Effekt und man neigt schnell dazu die Szenerie einfach zu fotografieren. Fotografieren ist mehr als nur schnell mal auf den Auslöser zu drücken wenn man eine schöne Landschaft vor sich hat. Nach einiger Zeit des Betrachtens, der Ruhe und des Geniessens entwickelt man eine andere Sichtweise auf die Landschaft. Man sieht Dinge welche einem im ersten Moment entgangen sind. In solchen Momenten kann es vorkommen, dass ich an einem bestimmten Objekt in meiner näheren Umgebung hängen bleibe und eine komplett neue und andere Sichtweise bekomme. Dieses Objekt kann ein Stein sein oder auch die Rinde eines Baumes, ein Blatt, Sand oder Wasser.
Ich mag abstrakte Fotografie, vor allem auch weil sie vom Fotografen mehr verlangt als nur eine Szenerie wiederzugeben.
Als ich vor ein paar Jahren auf die digitale Fotografie umgestiegen bin, habe ich auch angefangen  mit abstrakter Natur- und Landschaftsfotografie. Alleine schon die  wegfallenden Filmkosten und die Möglichkeit die Bilder sofort am Monitor zu betrachten erlaubten es mir, meine Kreativität voll auszuleben.
Das Bild hier entstand auf dem Simplonpass. Wir, Julie und ich, meine Mutter und ihr Lebenspartner waren auf dem Rückweg von Domodossola und machten einen Halt auf dem Simplonpass. Während die anderen drei in Restaurant gingen um einen Kaffee zu drinken, wollte ich mich auf der Passhöhe etwas umsehen. Es war eigentlich kein Foto-Trip, doch ist meine Kamera immer dabei- und zwar die komplette Ausrüstung. Man weiss ja nie!
Es war später Nachmittag und bewölkt. Das Licht nicht unbedingt spannend. Als ich auf einem Hügel stand und das Alpenpanorama bewunderte, blieb mein Blick plötzlichen einem Stein hängen. Diese Farben, Kontraste, Formen und Strukturen faszinierten mich und je länger ich auf diesen Stein schaute, desto abstrakter wirkte sein Muster auf mich.
Die Kunst bestand jetzt nur noch darin, den interessantesten Teil zu finden und dies in ein 2:3 Bildformat zu komponieren. Es brauchte verschiedene Kompositionen bis ich endlich meine endgültige Bildgestaltung gefunden habe. Abstrakte Fotografie ist schwer zu definieren und noch schwerer zu fotografieren. Im Gegensatz zu meiner „normalen“ Landschaftsfotografie wo ich unter anderem auch „Visionen“ habe wie mein Bild sein sollte, passieren „abstrakte“ Bilder einfach. Ein „abstraktes“ Bild entsteht in dem Moment in dem ich es wahrnehme!Abstrakt-Stein-Flechten
Technische Details: Nikon D700, 60mm Makro Objektiv , ISO 200, f 8, 10 Belichtungen für max. Tiefenschärfe von 1/160 , Polarizer, manuell überblendet in Photoshop