Das Gefühl

Man hört oft Landschaftsfotografen sagen „Dies ist exakt so wie es war und ich habe nichts mit Photoshop manipuliert!“ Viel zu oft wurde dieses Thema auch schon in all den Internet Foto Foren heiss diskutiert.
Ich muss gestehen, dass auch ich bis vor ein paar Jahren immer eine verteidigende Haltung angenommen habe, wenn mir ein anderer Fotograf „vorgeworfen“ hat, mein Bild entspreche nicht der Realität und dass ich hier mit Photoshop nachgeholfen habe. Auch habe ich schon oft gehört, dass dies mit Natur-& Landschaftsfotografie nichts mehr zu tun hat.
Es ist schon fast ein Zwang sich zu verteidigen, dass man nichts manipuliert hat. Ist die Stimmung so dramatisch und die Farben schon beinahe „kitschig“, wird man schon „beschuldigt“ mit Photoshop manipuliert zu haben! Wer bestimmt wie die Realität ist oder ausgesehen hat? Der Betrachter, der Fotograf, der Kamera-Sensor, oder…………… ihr seht schon, jeder sieht die Wirklichkeit anders.
Wieso haben wir Landschaftsfotografen das Gefühl uns in solch einer Situation verteidigen zu müssen? Fühlen wir uns verletzt, weil uns jemand vorschreiben will wie die Realität ist, dass heisst, uns seine Wirklichkeit, seine Realität „aufzwingen“ will!
Meine Bilder entsprechen der Wirklichkeit und der Realität in diesem bestimmten Moment vor Ort – doch es ist meine Wahrnehmung dieses bestimmten Moments. Ich bin eigentlich weniger daran interessiert einfach nur die Landschaft „Postkartenperfekt“ wiederzugeben, sondern vielmehr mein Gefühl in diesem Moment in mein Bild fliessen zu lassen. Das Bild entspricht der Wirklichkeit: die Wirklichkeit gesehen durch meine Augen mit dem Gefühl in diesem Moment. Ich versuche und bin daran interessiert so viel wie möglich von mir in jedes einzelne Bild von mir zu stecken. Es geht mir nicht darum was andere sehen und wie andere die Wirklichkeit sehen, sehen möchten oder denken wie sie nach ihnen sein müsste. Wenn ich ein Bild eines Kollegen anschaue, dann kann ich nicht genau wissen wie die Wirklichkeit in diesem Moment war und ich will sie auch nicht wissen, sondern ich will wissen wie der Fotograf gefühlt hat. Und da kommt sein persönlicher Stil, das Gefühl im Moment des Auslösens und die Landschaft(sein Motiv) zu einer Einheit zusammen. Ein Bild beinhaltet viele verschiedene Faktoren und die Bildentwicklung ist nur eine davon.
Was zählt ist das Endprodukt! Dein Bild sollte zeigen was du gefühlt hast, was du gesehen hast – und dies muss nicht zwingend die Realität sein. Es ist deine Realität, deine Wirklichkeit und dein Bild.
Bevor jetzt die „Kamerasensor-Puristen“ aufschreien, möchte ich jetzt noch erwähnen, dass der grosse Meister der Landschaftsfotografie, Ansel Adams, schon damals seine Bilder absichtlich „manipulierte“ und niemand kam auf die Idee ihn der Manipulation zu beschuldigen. Er ging sogar soweit, dass er den Himmel schwarz machte und die Blätter der Bäume weiss. Doch das war seine Handschrift, sein Gefühl und der Ausdruck welcher er dem Betrachter übermitteln wollte.
Fotografie ist mehr als bloss den Auslöser betätigen und das Bild im Internet hochzuladen.
Ich glaube wer nur denkt die Wirklichkeit auf seinem Bild festhalten zu wollen ohne Gefühl und Ausdruck, hat das Ziel verfehlt._DSC9529-2
Technische Details: Nikon D700, 16-35 Objektiv (@23mm), ISO 200, f 13, 1/25; 1/80; 1/250; 1/500 Sekunde, ND Grad Filter 0.6 soft, 4 Einzelaufnahmen manuell überblendet in Photoshop für Dynamikumfang