Doku-Landscape vs. Art-Landscape

Eines vorweg: es geht hier nicht um Photoshop Manipulation!
Nein, es geht um den persönlichen Stil eines Natur & Landschaftsfotografen. Was will der Fotograf mit seinem Bild bezwecken!
Eine Landschaftsfotografie sollte für mich mehr sein als bloss ein Bild der fotografierten Landschaft. Möchte ich aus einem Bild das Maximum herausholen und mein Gefühl, mein Empfinden in das Bild einbringen und dadurch das Bild für mich sprechen lassen…..oder will ich bloss dokumentieren. Beide Arten haben ihre Daseins-Berechtigung. Die Frage ist natürlich viel mehr als nur dieser eine Punkt. Sie ist viel komplexer. Es ist in gewisser Sicht auch die Frage der Qualität vs. Quantität. Wobei ich hier ganz ausdrücklich betonen möchte, dass dokumentarische Fotos nicht etwas schlecht sein müssen oder schlechter sind. Es ist vielmehr eine Frage in welche Richtung der Natur & Landschaftsfotografie man gehen möchte. Will ich hunderte von Fotos in ein paar Wochen machen oder nur ein paar wenige. Doch diese paar wenige Fotografien sind dann für mich „überzeugend“. Es ist mein Bild. Das Bild ist eins mit mir.
Mit dem sozialen Netzwerk-Boom der in den letzten Jahren aufgekommen ist, vermarkten natürlich auch immer mehr Fotografen ihre Bilder im World Wide Web. Sicher präsentiert Ihr eure Werke auch im Netz. Macht Euch mal ein paar Gedanken darüber in welcher Form und auf welcher Plattform Ihr eure Arbeiten mit anderen teilt! Facebook?, Twitter?, Google+?, 500px? oder in Foren? Egal wo Ihr eure Arbeiten präsentiert, alle Plattformen haben eines gemeinsam: es dauert in den meisten Fälle nicht lange bis das Bild von der ersten Seite verschwindet und somit in den hinteren Seiten in der Masse verloren geht. Je nach Plattform nur eine Frage von wenigen Minuten (bei Foren ist es meistens anders) bis das Bild auf die zweite, dritte, vierte Seite oder sogar noch weiter zurückfällt, sofern es keine „Likes“, „Klicks“ oder Kommentare bekommt. Diese „Likes“ und Kommentare bedeuten natürlich, dass das Bild beliebt oder populär ist. Es heisst aber nicht, dass es gut ist. Die Masse mag es und man schaut ein Bild nicht lange und intensiv genug an um es richtig zu beurteilen. Ein beliebtes Bild wird sehr wahrscheinlich auch länger vorne auf der ersten Seite Sichtbar bleiben und immer mehr User können es sehen. Das bedeutet natürlich auch, dass dein nächstes Bild schon einen Vorteil daraus ziehen kann, usw……….

Ich will damit aber auf gar keinen Fall sagen, dass ich diese Netzwerke schlecht finde. Ich nutze sie ja selber auch. Doch ist dies eine schnell lebende Welt und ist ein Bild mal weg, dann muss man schon das nächste hochladen, damit man wieder präsent ist.
Aber die Realität ist doch eher, dass es für die meisten Fotografen unmöglich ist, in diesem Tempo, welches im Zeitalter der sozialen Netzwerke notwendig ist, qualitativ gute und kreative Bilder zu „produzieren“. Zumindest wenn man ehrlich mit sich selber ist. Ich kann in diesem Tempo ein Bild nach dem andern schiessen aber ich kann keine grossartigen Bilder kreieren.
Nun, ich weiss nicht wie andere das sehen und kann somit nur für mich sprechen, doch in jedes Bild fliesst viel Herzblut, Zeit, Liebe und verdammt viel harte Arbeit wo ich Stolz drauf bin und da neigt man dann schon manchmal dazu enttäuscht zu sein wenn man sieht wieviel Aufmerksamkeit so ein Bild in den meisten Fällen bekommt.
Ich habe in diesem Jahr schon mehr Bilder gemacht und entwickelt wie noch nie in einem Jahr zuvor, doch habe ich sicher noch lange nicht halb so viele Bilder gemacht wie andere Fotografen, dennoch muss ich mir eingestehen, dass viele Bilder davon einfach nur „ein Bild“ ist. Dass bedeutet, dass es einfach ein Bild einer Landschaft ist, vielleicht mit einer schönen und dramatischen Stimmung, aber es ist nicht „Mein Bild“, es ist nicht „Das Bild“ wo ich zu 100% dahinter stehen kann.
Will ich jetzt populäre Bilder für die Masse machen oder will ich „Mein Bild“ fotografieren. Es ist sicher auch eine existenzielle Frage. Kann ich mit meiner Kunst leben? Oder will ich, damit ich von der Fotografie leben kann, Bilder für die grosse Masse machen und damit ich viel verkaufen kann ein riesen grosses Portfolio haben.
Das sind momentan so ein paar Gedanken die mir durch den Kopf gehen.
Landschaftsfotografie ist für mich mehr als nur bei einer schönen Stimmung und spektakulärer Landschaft auf den Auslöser zu drücken um dann zu Hause am PC ein paar Regler zu schieben und fertig. Landschafts- & Naturfotografie ist eine Leidenschaft. Sie ist ein Teil meines Lebens und meines „Ich’s“. Es ist auch eine Art von Lebenseinstellung. Es geht nicht darum von einem Motiv zum andern zu hetzen. Landschaftsfotografie heisst für mich leben, die Zeit draussen in der Natur geniessen und sich „dem Jetzt“ bewusst sein. Es ist das Gefühl des Momentes, die Stimmung, das Licht und die Farben, der Duft und alles auf sich wirken lassen und sich mit der Natur in der man ist auseinander setzen. Alle diese Eindrücke dann in deinem Foto festzuhalten. Es sollte doch nicht das Ziel sein, das Bild schnell am PC zu „bearbeiten“ damit man die eingefangene Stimmung schnellstmöglich im Web präsentieren kann und Lob ernten kann.
Natur-& Landschaftsfotografie ist für mich, und sollte es meiner Meinung nach auch sein, ein Prozess der mit dem Erkunden anfängt und beim präsentieren des Werkes endet. Dazwischen liegen aber Stunden, Tage, teils sogar Wochen oder Monate von harter Arbeit, in der Natur sowie auch am PC.
Landschaftsfotografie ist, oder ist unter anderem auch eine Kunstform und sollte doch keine Fliessbandarbeit sein, oder?
Ich denke, ich habe für mich die Antwort auf meine Frage gefunden!Oberaargletscher_DSC8379
Technische Details: Nikon D700, 16-35mm Objektiv (@26mm), ISO 200, f 13,
0.8 Sekunde, ND Grad Filter 0.6 Hard, Polarizer