Eye Candy

Top und Flop liegen für uns Landschaftsfotografen sehr nahe zusammen. Man kann das Wetter noch so gut studieren, man weiss trotzdem nie genau was einem erwartet. Oft wartet man Stundenlang im Nebel, setzt sich dem Wetter aus, harrt in strömendem Regen aus, steht zu Unzeiten auf, verzichtet oft auf Schlaf, steht in eisiger Kälte irgendwo bei Dunkelheit auf einem Berg, wandert im grössten Schneesturm zur gewünschten Location, steht bei tropischer Hitze in einem von Krokodil verseuchten Gebiet, kämpft mit Fliegen, Mücken und Moskitos, steht bis zu den Knie in einem eisig kalten Bergbach, wandert bei über 40° Grad Celsius durch den Busch mit über 25kg Gepäck auf dem Rücken, geht körperlich oft an sein Limit und dies alles nur um vor Ort zu sein falls die „Natur zu zaubern beginnt“. Allzu oft wartet man vergebens und man geht wieder nach Hause ohne das gewünschte Bild. Manchmal ergibt sich aber eine andere interessante Lichtstimmung und man sieht ein anderes interessantes Motiv und man kehrt nicht mit leeren Händen nach Hause. Wobei, eigentlich kehrt man nie mit leeren Händen nach Hause. Man muss sich nur eine andere Denkweise aneignen: Es zählt nicht nur alleine das Bild, sondern auch der Moment und das erlebte. Doch manchmal, trifft eben diese gewünschte Lichtstimmung ein, dieser Moment wo die Natur zu zaubern beginnt, dieser Augenblick wo man vielleicht schon Jahre darauf gewartet hat – in diesem Moment wird man entschädigt für alle diese Strapazen die man auf sich genommen hat. Aber auch in diesem Moment ist alles vergessen – was zählt ist nur dieser Moment. Ein unbeschreibliches Gefühl. Ein kurzer Moment für die Ewigkeit. Man wird Zeuge eines Naturschauspiels, vielleicht ist es ein seltenes Wetterphänomen, vielleicht einfach nur eine Spielerei von Licht und Schatten oder die Natur Zauber die schönsten Farben an den Himmel. Für solche Momente lohnt sich dies alles. Diese Momente sind auch gerade deswegen so kostbar, weil man eben sehr oft auch Enttäuschungen in Kauf nehmen muss. Aber ohne Enttäuschungen auch kein Glück….und ohne Fleiss, Entbehrungen, Strapazen, Niederlagen und Geduld auch keine Erfolgserlebnisse. Ein gutes Bild braucht Zeit!
So war es auch wieder einmal an diesem Morgen auf dem Grenchenberg. Die Wetterprognosen schauten vielversprechend aus: so entschied ich mich an diesem Morgen auf den Grenchenberg zu gehen. Oben angekommen, konnte ich in der Dunkelheit knapp erkennen, dass der Himmel bedeckt ist. Würde es vielleicht wieder ein weiterer erfolgloser Versuch werden? Ich montierte mir die Schneeschuhe und stapfte durch den Schnee zu meiner gewünschten Stelle an der Wandfluh………es war immer noch ziemlich dunkel als ich dort ankam, doch ich konnte eine rötliche Verfärbung des Himmel erkennen. Irgendwie ganz seltsam! Es war noch lange bis Sonnenaufgang und trotzdem fing der Himmel zu leuchten an und das Licht reflektierte sich auf den Tannen und auf dem Fels. Was für ein atemberaubender Moment. Ich hatte gerade genügend Zeit mein Equipment aufzustellen und schon erreicht dieses Leuchten den Höhepunkt. Von diesem Moment an war das Licht fantastisch bis kurz nach Sonnenaufgang. Die Lichtstimmung mit dem aufkommenden Nebel änderte sich minütentlich. Wieder einmal waren die Strapazen und die vergeblichen Anläufe vergessen. Man war einfach wieder nur Dankbar so ein Naturschauspiel erleben zu dürfen.
Grenchenberg-Eye CandyTechnische Details: Nikon D810, 24-70/f2.8 Objektiv (@86mm), ISO 100, f 11, 23 Sekunden, Polarizer