Frosty Leaf

Ich hatte an diesem frostigen Januar Morgen mit einem Fotografen Kollegen in der Belchen Region abgemacht. Meine Bildidee an diesem Morgen war etwas mit dem Mond  zu versuchen und stellte mir dabei eine Komposition mit Hügel, Felsvorsprung und Wald in der Dämmerung mit der Mondsichel vor. Doch liess ich mich dann an diesem Morgen von einer anderen Idee überreden – oder besser gesagt überzeugen. Also wanderten wir vor Sonnenaufgang auf den Ruchen zu einem markanten Felsvorsprung. Irgendwie hatte ich aber an diesem Morgen Mühe, mir eine überzeugende Komposition zu finden. Ich versuchte verschiedene Standpunkte, Perspektiven bei unterschiedlichen Lichtverhältnissen aus, doch keine die mich wirklich fesselte. Langsam verdeckten die aufkommenden Wolken die Sonne komplett und das morgendliche Licht wurde flach und uninteressant und so entschlossen wir uns noch über den Ruchen zurück zu den Autos zu gehen. Als wir unten auf dem Chilchzimmersattel ankamen, hatten sich die Wolken teilweise wieder aufgelöst und die Sonne blinzelte ab und zu durch die Wolkenlücken hindurch, so entschied ich mich noch auf die andere Seite des Chilchzimmersattels Richtung Schattenbergweid zu gehen um mal zu schauen ob man vielleicht mit den Ankenballen noch was machen könnte. Das Licht wurde schnell wieder schlechter so entschied ich mich nach neuen Standpunkten für mein „Ankenballenbild mit Mond“ zu suchen. Als ich so den Hang hinunter lief, dann wieder hoch, den Standpunkt überprüfte, entdeckte ich direkt vor meinen Schuhen eine Bildidee. Auch das Licht schien in diesem Moment gerade geeignet für dieses Motiv zu sein. Nach ca. 5 Stunden Suche an diesem Morgen habe ich mein Bild gefunden. Woran lag es? Wieso brauchte ich so lange an einem schönen Wintermorgen mit gutem Licht bis ich eine überzeugende Aufnahme gefunden habe? Eine atemberaubende Landschaft im schönsten Licht macht alleine noch kein gutes Bild. Um von einer grossartigen Landschaft auch ein grossartiges Bild zu machen welches der Landschaft gerecht wird, braucht man ein geschultes Auge für Details. Jedes einzelne Element sollte in die Komposition passen. Irgendwie gelang mir dies an jenem Morgen nicht. Vielleicht suchte ich zu weit und war zu fest auf eine Bildidee fokussiert als mich von der Umgebung inspirieren zu lassen. Erst als mir etwas runterfiel und ich es wieder vom frostigen Boden aufheben wollte  erkannte ich „mein Bild“. Manchmal liegt das gute oder eben „das Bild“ vor seinen eigenen Füssen. Manchmal ist man auch auf das Grosse fixiert, dass man das Kleine vergisst oder übersieht! Überall und bei jeder Witterung ist irgendwo ein Motiv das wartet gefunden zu werden – man muss nur bereit sein es zu suchen und es auch zu sehen.Belchen-Schweiz
Technische Details: Nikon D700, 24-70mm/f2.8 Objektiv (@70mm), ISO 200, f 16, 1/10 Sekunde, Polarizer