Herbstmorgen auf der Gwidemfluh

Samstagmorgen 5.45 Uhr auf dem Chilchzimmersattel. Es ist ein typischer Novembermorgen im Baselbieter Jura. Unterhalb 800m liegt der Nebel, oberhalb der Nebeldecke ist ein Sternenklarer Nachthimmel. Das erste Mal diesen Herbst wo die Nebelobergrenze nahe an die von mir gewünschte Höhe kommt. Als ich auf der Passhöhe des Chilchzimmersattels aus dem Auto stieg war es zu meiner Überraschung ziemlich windig. Eigentlich war es relativ warm für diese Jahreszeit, doch mit dem Wind fühlte es sich frisch an. Ich schnürte schon mal meine Wanderschuhe und war froh als kurz darauf Adrian Wirz auch eintraf, damit wir uns auf den Weg zur Gwidemfluh machen konnten. Ich war zuvor noch nie auf der Gwidemfluh fotografieren, doch Adrian war schon dort und kannte auch diesen Teil der Belchen-Region sehr gut. Er kennt viele wenig bekannte Stellen und hat somit auch den eine oder anderen Geheimtipp. Es ist mir immer wieder eine Freude mit Ihm unterwegs zu sein, da er nicht nur viele unbekannte Stellen zum fotografieren kennt, sondern auch immer wieder was über die geschichtliche Vergangenheit der Belchen Region zu erzählen weiss. Die Gwidemfluh ist etwas weniger Hoch als die weitaus bekanntere Belchenfluh, doch persönlich finde ich sie als Standort für Landschaftfotografie nicht weniger interessant. Im Gegenteil, sie ist wilder und rauher und weniger erschlossen.
Wir entschlossen uns an diesem Morgen der etwas längere Weg auf die Gwidemfluh zu nehmen und nicht an der Felswand entlang hoch zu gehen. Nach meiner etwas unglücklichen und weniger erfreulichen Aktion am Abend zuvor am Ankenballen hatte ich meinen „Adrenalin-Kick“ für dieses Wochenende schon aufgebraucht. Auf dem Rückweg vom grossen Ankenballen zum Auto verirrte ich mich und stand schlussendlich in einer Felswand. Es war stockfinster, konnte kaum was erkennen und hatte keine Ahnung wo ich genau war. Also, so musste es nicht schon wieder am darauf folgenden Morgen sein, dass ich mich bei Dunkelheit in eine Felswand begebe. Als wir nach ca. 35 minütigen Wanderzeit auf der Gwidemfluh ankamen bot uns ein grandioser Ausblick aufs darunter liegende Nebelmeer. Es war zwar noch relativ dunkel, doch konnte man schon das Potential dieses Morgens erkennen. Wir kosteten diesen Standort an diesem Morgen gut aus und erst als das Licht zu grell wurde um noch ansprechende Bilder zu machen zogen wir weiter. Adrian hatte noch weitere Standorte auf Lager welche er mir gerne zeigen wollte….und in der Tat es hat einige sehr interessante Locations zu welchen ich bei entsprechender Wetterlage wieder aufsuchen werde.

Zum Bild: Irgendwie tat ich mich an diesem Morgen schwer für mich eine passende und ansprechende Komposition zu finden. Nach einer Weile kam mir plötzlich die Idee mich auf das absolute Minimum zu beschränken. Der Nebel kam über den Bornberg hinein und wirkte wie eine Riesenwelle auf mich. Also dachte ich „Hey, gehe Richtung Abstrakt“ und mache, dass die Nebeldecke wie ein fliessender Strom wirkt. Auch wollte ich wieder die Farbkontraste der blauen und gelb/roten Farbtönen nutzen und einen Kalt/Warm Kontrast erzeugen. Jetzt brauchte ich nur noch einen Fixpunkt in der Komposition und das war etwas schwieriger. Eigentlich hätte ich mir einen Hügel gewünscht, der etwas aus dem Nebel ragte, doch passte nichts in meine Komposition. So entschied ich mich für die Bergkette am Horizont. Dachte diese genüge um dem Bild einen fixen Punkt zu geben.Gwidemfluh-BelchenTechnische Details: Nikon D700, 70-200mm Objektiv (@150mm), ISO 200, f 11, 59 Sekunden