Hüttenromantik

Wieso bin ich eigentlich Landschaftsfotograf?
Viele Fotografen, ob professionelle oder Amateur-Landschaftsfotografen machen Landschaftsfotografie weil sie einfach die Natur lieben. Doch ich denke da steckt noch viel mehr dahinter als bloss die Liebe zur Natur und der Fotografie.
Wieso gehen wir in jedem Wetter in die Natur, nehmen Strapazen auf uns welche „normale Menschen“ nicht unbedingt auf sich nehmen würde, wandern Stundenlang in der stockfinsteren Nacht um noch vor Tagesanbruch am gewünschten Ort zu sein, damit wir wenn das Licht zu tanzen beginnt, unser Bild machen können. Wieso verzichten wir auf Schlaf, auf ein geregeltes Leben in unserem gemütlichen daheim? Wir wandern durch Schneestürme und strömenden Regen, harren Stundelang in eisiger Kälte aus so dass man manchmal nicht einmal seine Finger spüren kann. Sandstürme, tropische Hitze, Gefahr durch Wildtiere und vieles mehr begleitet uns auf dem Weg zum perfekten Bild. Die Kleider stehen manchmal schon vor Dreck und öfters verbringt man auch einen Tag in nassen Schuhen und muss noch viele Kilometer wandern, der Schweiss läuft einem das Gesicht runter und auf dem Rücken hat man über 20 kg Gepäck. Also wieso tun wir uns das alles an. Reich werden dabei nur die wenigsten Landschaftsfotografen. Also am Geld kann es nicht liegen. Wäre für mich auch der falsche Grund, Landschaftsfotografie zu machen. Wir nehmen dies alles und noch viel mehr in Kauf für diesen einen Moment –wenn er dann eintrifft. Öfters gehen wir zum selben Ort immer wieder und wieder und vielleicht klappt es mit dem Bild erst im x-ten Versuch. Also wir nehmen alle diese Strapazen auf uns, in der Hoffnung, an diesem Tag diesen einen Moment einfangen zu können.
Geht es uns wirklich nur um diesen einen Moment, wenn die Natur zaubert? Jeder muss das für sich selber beantworten können! Doch ich denke, wenn es nur um diesen Moment geht, ist der Frust oder die Enttäuschung auch umso grösser, wenn dieser einzigartige Moment dann nicht eintrifft. Für mich lautet die Antwort Ja und Nein!
Die Grundfrage bleibt, „Wieso mache ich Landschaftsfotografie?“ Die Antwort, zumindest für mich, eigentlich viel einfacher als viele vielleicht denken mögen. Der einzige Grund ist es weil ich es Liebe! Weil ich es zum Leben brauche! Weil mir sonst etwas fehlen würde! Es ist wie die Luft die ich atmen muss um zu leben. Es ist etwas, dass schon das ganze Leben in mir steckt. Es ist nicht alleine die Liebe zur Natur – dies ist nur ein Bestandteil. Es ist alles zusammen. Landschaftsfotografie ist Leben! Es ist ein Abenteuer! Eine Lebenseinstellung und eine Art zu Leben. Spielt keine Rolle ob man es jetzt Vollzeit oder nur in der Freizeit ausübt. Es geht um viel mehr als nur diesen einen Moment einzufangen. Dieser eine Moment ist das was wir suchen – der Moment wo man das Licht ernten kann. Der Moment wo man entschädigt wird, für alle die Strapazen die man auf sich genommen hat über all die Tage, Monaten und Jahre. Doch mit diesem Moment ist das Bild ja noch nicht fertig. Das Bild muss noch entwickelt werden. Also es ist der ganze Prozess den man lieben und leben muss.
Über die Jahre habe ich gelernt das Wetter zu deuten und zu lesen, damit man am richtigen Moment am richtigen Ort ist. Doch ich habe auch gelernt, dass es meistens anders kommt als man es sich wünscht. Ich habe aber auch gelernt, Geduld zu haben! Ich habe gelernt, dass der Weg das Ziel ist und nicht der Moment wo das Licht zu tanzen beginnt. Ich habe gelernt zu warten und den Moment zu geniessen. Nicht nur der Moment auf den wir erhoffen zu erleben, sondern das gesamte: die Vorbereitung, die Fahrt, die Wanderung, das Essen, das Schlafen, das Aufstehen, die Zeit in der freien Natur, die frische Luft zu atmen und alles und jeder Moment mit all meinen Sinnen aufzunehmen und zu spüren. Das ist für mich Landschaftsfotografie.
Letzten Freitag/Samstag war ich mit guten Kollegen in der Schweizer Bergwelt unterwegs um zu fotografieren. Dieser Ort welchen wir aufsuchten, besuchte ich schon mehrmals. Bis anhin, hatte ich aber noch nie die von mir erhoffte Stimmung angetroffen. Öfters verbrachte ich die Abend- und Morgenstunden im Nebel. Dieses Mal sah alles vielversprechend aus und ich freute mich auf diesen Kurztrip. Doch auch dieses Mal zogen kurz nachdem wir oben bei diesem Bergsee angekommen waren, tiefe Nebelschwaden über den See herein und lösten sich nicht mehr auf. Nun, wir suchten einen Platz um unsere Zelte aufzustellen, doch schlussendlich entschieden wir uns, die Nacht in einer Hütte gleich neben dem See zu verbringen. Anstatt enttäuscht zu sein, da ich ohne ein Bild nach Hause gehen musste, war ich glücklich über die schönen Stunden die wir dort oben in dieser Hütte verbringen durften. Das Leben ist um ein Erlebnis reicher geworden und viele neue schöne Erinnerungen durfte ich machen. Ich möchte keine Minute missen von diesem Ausflug – nicht die Gesellschaft der Menschen mit denen ich diese Stunden in dieser „kuscheligen“ Hütte verbringen durfte, nicht die lustigen Situationen und Erlebnisse und auch nicht die Gespräche untereinander – ob nun witzig oder tiefgründig! Einen Abend/Morgen Hüttenromantik pur!
Das Wetter wollte eben an diesem Tag „leider“ nicht mitspielen – das ist eben auch Landschaftsfotografie.
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