Lilies of Yellow Water

So schön und faszinierend der Yellow Water Billabong auch ist, so schwer finde ich es auch dort zu fotografieren. Man findet Motive in Hülle und Fülle. Nein, an dem liegt es nicht. Es ist vielmehr, dass der Billabong eine grosse Fläche abdeckt und schwer zugänglich ist. Das bekannteste Motiv, welches auch ohne Zweifel sicher auch eines der schönsten ist, ist auch dasjenige welches man am besten erreichen kann. Ich denke mal deshalb ist es auch das meistfotografierte Motiv am Yellow Water Billabong. Doch gerade auch dieses Motiv mit dem Blick über das Wasser zu den abgestorbenen Bäumen in den Morgen- oder Abendstunden ist recht anspruchsvoll zu fotografieren, wenn man das so sagen darf, vorallem wenn man eine neue originelle Ansicht zeigen möchte. Ohne Zweifel macht man dort aber sehr stimmungsvolle Bilder. Soll man es jetzt trotzdem noch fotografieren oder soll man es sein lassen? Glaubt Ihr, dass dies schon alles fotografiert wurde. Vielleicht ja, doch glaube ich nicht daran! Ich persönlich finde, man soll fotografieren, man sollte auch immer wieder an den gleichen Ort zurückkehren. Der Yellow Water Billabong ist für mich ein Ort an den ich immer wieder zurückkehren „muss“ wenn wir im Top End sind. Jedes Mal wenn wir ihn wieder besuchten war es anders. Auch die Jahreszeit macht gerade dort ein sehr grosser Unterschied aus: Regenzeit – Trockenzeit. Während es in der Regenzeit zum Teil schwer zugänglich ist, kann man während der Trockenzeit, je nachdem wie die Wege freigegeben sind, den Billabong auch einwenig zu Fuss erkunden. Nur schon Morgen oder Abend macht ein Unterschied! Immer wieder gibt es neue unbekannte Sachen zu entdecken. Obwohl der Yellow Water Billabong sicher zu den meist fotografierten Landschaften im Kakadu National Park zählt, glaube ich, man kann immer wieder neue Ansichten, Perspektiven und Stimmungen einfangen. Manchmal scheint es schon fast als ob der Ort durch andere Wetterbedingungen oder anderes Licht eine total andere Persönlichkeit annehmen würde. Es gibt so viele Möglichkeiten Einfluss auf das Bild zu nehmen: andere Jahreszeit, anderes Licht, Sonne, Regen oder Nebel, bei Nacht mit dem Himmelszelt oder bei Vollmond. Auch kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen mit den entsprechenden Kameraeinstellungen, den Gebrauch von Filtern und schlussendlich noch die „Entwicklung“ in der digitalen Dunkelkammer.
Viele Fotografen denken, es ist schon alles fotografiert. Sie glauben, dass ein Ort/Landschaft schon so oft fotografiert wurde, dass es nicht möglich ist, etwas Neues und Einzigartiges zu fotografieren. Aber ich denke es ist möglich! Es ist vielleicht nicht möglich beim ersten oder zweiten Besuch – doch es ist möglich. Ich bin davon überzeugt, dass man sich die Mühe machen muss, die Seele der Landschaft welche man gerne fotografieren möchte, kennen zu lernen. Das ist für mich der Schlüssel um einzigartige Bilder von oft-fotografierten Motiven zu machen. Wenn man sich dafür Zeit nimmt, dann kann man diese einzigartigen Bilder machen.
Natürlich kann man jetzt entgegen halten und sagen, dass man nicht immer die Möglichkeit hat, eine Location wieder und wieder zu besuchen. Das ist absolut richtig. Aber man kann ja auch mal ein Risiko eingehen und etwas weiter gehen, etwas neues Versuchen und nicht beim erst besten Platz stehen bleiben, die Kamera aufstellen und auf das Licht warten. Entdecken Sie die Landschaft für sich. Schauen Sie weiter. Die Inspiration ist dort. Wir müssen Sie nur finden!

Für dieses Bild „Lilies of Yellow Water“ waren wir mit einem Boot und einem Führer unterwegs, welcher die Gegend sehr gut kannte. Das Boot ist eigentlich die einzige Möglichkeit wenn man einen etwas unbekannteren Teil von diesem Billabong und weniger fotografierte Ansichten fotografieren möchte.
Es hat zwar ein paar Trails, aber die können je nach Krokodil-Sichtung und Jahreszeit geschlossen sein. Auch wenn sie frei gegeben sind, ist höchste Aufmerksamkeit angesagt. Krokodile und andere Wildtiere können überall lauern. Man sollte auch immer daran denken, dass nicht das Krokodil welches man sieht das gefährliche ist, sondern dasjenige welches man nicht sieht!
Wir waren an diesem Morgen schon eine Weile auf dem Billabong unterwegs, haben schon etliche Krokodile zu Gesicht bekommen, sowie auch Kingfisher(Eisvögel) und viele andere Vogelarten die im Kakadu National Park heimisch sind, als ich plötzlich diese Stimmung entdeckte mit den zwei Bäumen, dem Nebel und den Wasserlilien. Unser Führer fuhr mit dem Boot so nahe wie möglich an die Wasserlilien heran und ich versuchte bestmöglich auf dem wackligen Boot mein Bild zu machen. Immer wieder musste er das Boot umplatzieren da wir sonst zu tief in die Lilien hineingetrieben wären. Auch hätte es gerade noch ein „Saltie“ in der Nähe gehabt, doch dieser hatte keine Lust mit aufs Bild zu kommen. Es erwies sich als gar nicht so leicht dort eine ansprechend komponiertes Bild zu kreieren. Ich machte verschiedene Aufnahmen um dann am Bildschirm zu entscheiden welches die beste ist. Doch ich denke mir ist es hier sehr gut gelungen eine neue Ansicht oder zumindest eine nicht oft fotografierte Ansicht und Komposition vom Yellow Water Billabong zu zeigen.Yellow Water Billabong

Technische Details: Nikon D800e, 24-70/f2.8 Objektiv (@56mm), ISO 250, f 8, 1/250 Sekunde, Polarizer