Der Wert eines Bildes

In den letzten Jahren wo ich als Landschaftsfotograf unterwegs war, musste ich „leider“ immer öfters feststellen, dass viele Leute wenig oder überhaupt keine Vorstellung haben wieviel Arbeit in einem erfolgreichen Landschaftsbild steckt. Sie scheuen sich auch überhaupt nicht uns für ein Bild weit weniger zu zahlen als uns die Zeit Wert ist. Ich möchte hier deshalb einmal klar stellen wieviel Arbeit und Zeit in einem einzigen Bild von der Idee bis zum fertigen Fine Art Print steckt.

1.)    Ca. ½ – 1 Stunde Planung wohin man fotografieren geht

2.)    Im Durchschnitt ungefähr 2 Stunden Zeitaufwand um die Reise vorzubereiten, wo und wie man bei einem mehrtägigen Trip übernachten soll, das Wetter studieren, Kartenmaterial sammeln, informieren über Sonnenuntergang und – Aufgang, evt. auch über Mondaufgang & Untergang, wann Vollmond ist, wann Neumond.

3.)    Das Erkunden einer neuen Landschaft oder einer neuen Location

4.)    Ausgaben für Benzin, Verpflegung und andere anfallende Kosten und Reisekosten

5.)    Dazu viele vergebliche Anläufe um ein bestimmtes Bild zu machen, weil das Wetter nicht passte oder andere Bedingungen nicht optimal waren.

6.)    Ca. 1 ½ Stunden Fotos auf die Festplatte importieren und sich entscheiden welches das Beste, das 2. Beste und das 3. Beste ist.

7.)    3-8 Stunden nachbearbeiten (entwickeln) der zwei besten Fotos, von denen ich glaube, dass sie sich verkaufen lassen und ich persönlich überzeugt bin (Von einem Tag habe ich im Durchschnitt etwa 2 Bilder welche diese Kriterien erfüllen)

8.)    Weitere 1 bis 2 Stunden „Fine Tuning“ der Bilder am nächsten Tag mit erholten Augen.

9.)    Ungefähr 1 Stunde Arbeit um die 2 Bilder für das präsentieren im Web zu optimieren und auf Google+, Facebook, 500px, Fotoforen und meine Website hochzuladen

10.)     Nochmals 1 bis 2 Stunden um die 2 Bilder für den Print zu optimieren und vorzubereiten

11.)     Besprechung mit dem Drucker um die Bilder als Fine Art Print ausbelichten zu lassen

12.)     Kosten und investierte Zeit für den Hard-Proof um die bestmögliche Qualität zu gewährleisten

13.)     Kosten für den endgültigen Druck und das Einrahmen oder Aufziehen

14.)     Schlusskontrolle der Bilder sowie die Bilder für den Versand einpacken oder an Kunde persönlich liefern

Jetzt könnt Ihr ungefähr selber rechnen wieviel so ein Bild kostet wenn man alle meine Ausgaben und investierte Zeit (aufwand) zusammenrechnet. 1 Stunde Bildbearbeitung kostet in etwa 75.- SFr und ein Tag fotografieren ist ungefähr bei 600.- SFr (exkl. Reisekosten und Verpflegung)!
Das würde nun bedeuten, dass es mir in Bezug auf meinen Aufwand und Auslagen ungefähr 1900.-SFr kommen würde bis man diese 2 Bilder im Web betrachten kann (inkl optimieren für Fine Art Print)! Das würde dann für ein Bild knapp 1000.- SFR. machen. Dazu kämen aber jetzt noch die kosten für das Ausbelichten des Fine Art Prints, das Einrahmen oder Aufziehen sowie die Schlusskontrolle und die anfallenden Kosten für den Versand dazu. Damit wären wir ca. auf 1500.- SFr/Bild von einer Grösse von 40x60cm.
Nun, ich verkaufe meine Bilder unter diesem kalkuliertem Preis, da die wenigsten bereit sind diesen Preis zu bezahlen. Auch können sich es viele gar nicht erst leisten soviel Geld für ein einziges Bild auszugeben. Natürlich ist so ein Bild ein Luxusartikel!
Trotzdem bin ich nicht bereit ein Bild einfach so zu „verschenken“

Es ist also nicht so einfach wie es sich viele Leute vorstellen, dass man einfach losgeht, schnell ein paar Schnappschüsse macht und dann die Leute versucht abzuzocken indem man seine Bilder für ein paar Hundert Franken verkauft.

Ich will mich hier nicht beklagen – es ging mir bloss einmal darum, klar zu machen wieviel Arbeit und Zeit in einem einzigen Bild steckt.
Und natürlich könnte man da und dort evt. ein paar Stunden einsparen – doch es macht mir Spass und bereitet mir Freude Zeit und viel Kraft in qualitativ hochwertige Bilder zu investieren. Doch in jedem Bild steckt neben Leidenschaft und Herzblut auch sehr viel Zeit, Blut, Schweiss und manchmal zuerst auch ein paar Enttäuschungen!20140806-_DSC6261-Pastellmorgen
Technische Details: Nikon D800e, 24-70/f2.8mm Objektiv (@29mm), ISO 100, f 11, 0.6 Sekunde

 

 

Unspektakuläre Landschaften

Gibt es langweilige Landschaften? „Was ist eine langweilige Landschaft?“ ist dann die daraus folgende Frage! Meiner Meinung nach gibt es sicher langweilige Landschaften, aber auch diese können es in sich haben. Es kommt immer auf die Bedingungen drauf an. Ich denke man kann mit jeder Landschaft interessante Bilder gestalten. So wenig wie es „kein schlechtes Wetter“ für Fotografen gibt, gibt es demnach auch keine „langweilige Landschaften“. Es liegt am Fotografen daraus etwas interessantes und spektakuläres zu machen. Eine langweilige Landschaft könnte zum Beispiel auch eine unendliche Wüste sein oder eine Ebene mit nichts als nur Büschen oder Grass. Aber gerade ich, finde die Wüste fantastisch zum fotografieren. Gerade die unendliche Weite des Outbacks finde ich eine spektakuläre Landschaft. Für mich eine Inspiration und für einen anderen eventuell nichts als eine langweilige Landschaft.
Die Gegend zwischen Biel und Solothurn im schweizerischen Mittelland ist nicht gerade eine Landschaft wo sich viele Landschaftsfotografen tummeln. Es ist auch nicht gerade eine spektakuläre Landschaft. Die Gegend ist auch stark besiedelt und zersiedelt. Doch hat sie dennoch einige kleine Perlen die sich lohnen besser kennen zu lernen. Gibt es doch das Naturschutzgebiet „Häftli“ und die „Witi“. Doch wenn man auf der Autobahn von Biel nach Solothurn fährt, wirkt sie nicht gerade spektakulär, führt doch die Autobahn gerade durch die „Witi“. Eine flache Ebene mit Ackerland, zwischen dem Jura und dem Bucheggberg und mittendurch führt die Aare mit ihren zahlreichen Schlaufen. Doch nimmt man sich Zeit und wandert über die Witi, dann sieht man es mit anderen Augen. Na gut, es ist jetzt nicht diese spektakuläre Landschaft, doch man kann die Ruhe geniessen, die Augen können sich in der Weite verlieren und die Witi ermöglicht auch das Beobachten von Wildtieren. Doch was für das blosse Auge als schön empfunden wird, eignet sich nicht unbedingt auch immer zum fotografieren. Das will heissen, man muss als Landschaftsfotograf anders sehen. Gerade dort ist die Herausforderung solcher Landschaften. Auch sind solche Landschaften nicht immer „fotogen“! Obwohl die „Witi“ sich von Grenchen bis nach Solothurn ausdehnt, hat man auch immer wieder Siedlungen, Wege, die Autobahn und in der Distanz sieht man die Städte Grenchen und Solothurn. Also als Fotograf ist man gefordert. Trotzdem finde ich kann diese Landschaft auch für Landschaftsfotografen viel zu bieten haben, gibt es doch in der „Witi“ der Aare entlang im Sommer und im Frühherbst immer wieder Nebelbänke. Gerade wegen diesen Nebelbänken, kann man dort oft stimmungsvolle und fantastische Aufnahmen machen. Solche Landschaften brauchen vielleicht etwas mehr Versuche, bis man ein entsprechendes und ansprechendes Bild auf dem Sensor hat, doch gerade darin ist auch der Reiz der Landschaftsfotografie! Zu einem meiner Bilder welches ich in der „Witi“ gemacht hatte, kommentierte ein Betrachter mal sehr erstaunt „Ich habe gar nicht gewusst, dass man zwischen Biel und Solothurn solche Bilder machen kann“! Er konnte kaum glauben, dass dieses Bild dort gemacht wurde. Verschiedene Stimmungen, Perspektive, Kamerastandpunkte, Bildausschnitt und Licht können ein Motiv komplett anders aussehen lassen. Gerade solche Punkte sind wichtig, wenn man sogenannte „langweilige“ und „unspektakuläre Landschaften fotografieren möchte. Mit Kreativität, dem richtigen Licht, den passenden Bedingungen und der „richtigen“ Komposition gibt es keine langweiligen und unspektakulären Landschaften.20140712-_DSC5817-Sommernebel                                                  Technische Details: Nikon D800e, 70-200mm Objektiv (@116mm), ISO 100, f 13, 1/6 Sekunde

 

 

 

 

 

Was ist ein gutes Bild

In einer Zeit wo wir regelrecht mit Bildern im Internet überflutet werden, stellt sich doch oft die Frage was ist für mich ein gutes Bild! Als Landschaftfotograf machte ich mir für diesen Blog Artikel einmal ein paar Gedanken darüber. Natürlich mache ich mir bei jedem von meinen Bilder Gedanken, aber ich mache mir keine Gedanken was dem Betrachter gefallen könnte oder was sich verkaufen lässt. Ein beliebtes Bild muss nicht auch zwingend ein gutes Bild sein. Und ein „gutes Bild“ ist für jeden wieder was anderes. Was ein gutes Bild ist, hängt, meiner Meinung nach auch stark von der Perspektive ab, aus der ein Bild betrachtet wird. Da wäre zum Beispiel mal der Fotograf – der Fotograf lässt sich noch in Hobby- und Berufsfotograf unterteilen, dann wäre der Bildjournalist, der Verleger und Ersteller von Druckerzeugnissen und noch die Kamerahersteller. Für jeden von diesen genannten „mitwirkenden“ zur Entstehung eines Bildes ist die Betrachtungsweise eines guten Bildes anders. Für einen Künstler sollte das Bild eine ansprechende Komposition haben und seine Gefühle und Emotionen von diesem Moment beinhalten.
Für den Verleger ist es wiederum wichtig ob sich das Bild verkaufen lässt und wie auch für den Ersteller von Druckerzeugnissen ob das Bild technisch einwandfrei ist. Das Material, ob die Farben, Tonwerte und Verläufe korrekt sind sowie ob die Lichter und Schattenzeichnung sauber sind. Für die Kamerahersteller wiederum im Vordergrund sind, dass ihre Bilddateien  technisch hochwertig sind, Farben korrekt wiedergegeben werden und das Bild viele Details zeigt.
Für mich persönlich als Landschaftfotograf beinhaltet ein gutes Bild alle diese Punkte. Ein Bild ist ein Produkt aus vielen kleinen wichtigen Bauteilen. Es fängt schon beim erkunden an und hört bei der Präsentation auf. Alles was dazwischen liegt ist entscheidend für ein gutes Bild. Dies ist auch ein Grund weshalb ich bei jedem Schritt bei meinen Bildern selber Hand anlegen will oder zumindest bei der Arbeit mit einbezogen sein will. Grossartige Bilder sind  aber in erster Linie auch ein Produkt aus Vision, Technik und Nachbearbeitung – alle diese drei Elemente müssen in einem Bild harmonisch vereint werden und die Mischung daraus kreiert ein grossartiges Bild. Jede einzelne Disziplin muss man beherrschen, denn ein Defizit eines Arbeitsschrittes kann nicht durch den anderen behoben werden. Ein gutes Bild vereint Handwerk und Kunst. Ein Bild muss Gefühl haben, vermittelt Emotionen und Stimmungen von diesem bestimmten Moment und auch eine kurze Geschichte.
Es gibt so viele wunderschöne Bilder von unserer unendlich schönen Welt, aber es sind die Bilder welche mehr zeigen als bloss eine dokumentarische Abbildung eines Momentes. Es sind die Bilder welche die visuelle Wahrnehmung überschreiten und die Gedanken, Emotionen und Gefühle des Fotografen von diesem bestimmten einmaligen Moment im Bild wiedergeben, kombiniert mit technischem Können und schöpferischem Einfühlungsvermögen was für mich schlussendlich ein eindrucksvolles Foto macht!

Mein aktuelles Bild entstand vor wenigen Wochen in der Nähe der Aare zwischen Biel und Solothurn im schweizerischen Mittelland. Es war ein perfekter Morgen für diese Location. Der Nebel reduzierte das Bild auf das nötigste und verdeckte unschöne und ungewollte Objekte. Dazu hatten wir gerade noch Sahara Staub in der Luft was den morgendlichen Himmel gelb orange färben liess. Der Sahara Staub gab dem Bild schlussendlich auch den Titel „Sahara’s Licht“!Sahara's-Licht
Technische Details: Nikon D800e, 70-200mm Objektiv (@200mm), ISO 100, f 11, 1/60Sekunde

Solothurn im Winterkleid

Ein eher ungewohntes Bild präsentierte uns der Dezember 2012: Solothurn im Winterkleid.
Als ich Freitagnacht von Biel Richtung Solothurn nach Hause fuhr schneite es immer noch stark und die Fahrspur der Autobahn konnte man nur erahnen. Die Einfahrt zu unserem Haus war schon ca. 30cm Schneebedeckt. Am nächsten Morgen wollte ich nach Solothurn fotografieren gehen, denn so ein Anblick der Stadt Solothurn hat man nicht alle Jahre. Den Wecker stellte ich auf 4:30 Uhr da ich damit rechnete, dass wenn es so weiter schneit, ich zuerst mal mein Auto freischaufeln muss. So war es dann auch. Am Samstagmorgen hatte es gute 40cm Neuschnee. Kurz nach 6Uhr morgens war ich dann in der Stadt Solothurn am Aareufer und klapperte mal meine Standpunkte ab bevor ich mich für den Standort und Komposition meines Bildes entschied. Solothurn in dieser weissen Pracht zu sehen war schon ein tolles Erlebniss. Mehr Impressionen nun in der folgenden Bildserie.
SolothurnSolothurn-SchweizSolothurn-AareSolothurn