Val Bever

Als ich mich an diesem Samstag Mitte Oktober auf den Weg ins Val Bever machte, wusste ich nicht auf was ich mich einliess. Ich rechnete zwar damit, dass es evtl. Schnee haben könnte und die Sicht und das Licht nicht unbedingt gut sein könnten – es war ja eigentlich bloss nur eine Erkundungs-Tour um in der darauf folgende Woche dort Bilder zu machen wenn das Wetter dazu ideal sein sollte. Bei leichtem Schneefall wanderte ich in Bever ab. Nach einer guten Stunde befand ich mitten im Val Bever in einem Schneesturm und die Sicht betrug teilweise nur wenige Meter. Da fragte ich mich schon was ich da eigentlich machte. Mit so einem Schneesturm hätte ich nie gerechnet. Da es die Tage zuvor schon geschneit hatte hatte es orfendtlich Schnee – doch denke ich, sicher nicht aussergewöhnlich für diese Jahreszeit, wo man in den Bergen immer mit solchen Wetterverhältnissen rechenen sollte. Nun, ohne Schneeschuhe stapfte ich zum Teil durch fast Kniehohen Schnee. Auf andere Wanderer bin ich an diesem Tag nur sehr, sehr selten gestossen. Ich wusste eigentlich auch nicht wie weit ich ins Tak hinein und hinauf gehen musste, um das zu finden was ich suchte. Vielleicht würde ich es ja gar nicht finden. Ich überlegte mir auch ein paar Male ob ich umkehren sollte, doch war mein Wille grösser und aufgeben wollte ich nicht. Also stapfte ich weiter das Tal hoch durch den Schnee. Doch schliesslich nach gut zwei Stunden fand ich dann schlussendlich die Landschaft welche ich erhoffte vorzufinden. Der Schneefall hatte zwischenzeitlich auch nachgelassen und so suchte ich noch nach interessanten Spots und Kompositionen. Obwohl ich nicht beabsichtigte zu fotografieren, zumindest nicht für Bilder welche ich dann entwickeln würde, machte ich einige Probeaufnahmen. Aber irgendwie fand ich eine Kompositione welche mir dieses difuse Licht gerade gelegen kam: bedeckter Himmel, Zeichnung in den Wolken, diffuses Licht und die Lärchen leuchteten so schön in dieser weissen Winter/Herbst-Landschaft. Der Kontrast von dem weissen zu den leuchtenden Lärchen war einfach fantastisch! So kam es zu diesem Bild „Val Bever“. Die Herausforderung: es war relativ windig, hatte leichtes Schneegestöber mit Gegenwind und somit war mein Objektiv innert kürzester Zeit voll Wassertropfen. Da ich aber unter anderem eine lange Belichtungszeit von einigen Sekunden wollte um das Wasser weicher und harmonischer darstellen zu können, musste ich mehrere Anläufe machen bis ich endlich ein Bild hatte ohne Wassertropfen auf der Linse. Da es aber auch sehr windig war, hatte ich jetzt mit dieser Aufnahme noch Bewegungsunschärfe in den Ästen und Zweige der Lärchen, was ich natürlich gar nicht haben wollte. Also musste noch eine weitere Belichtung gemacht werden, mit einer kurzen Belichtungszeit um die Bewegung der Lärchen, verursacht durch den Wind, einzufrieren. Zusätzlich kam aber noch hinzu, um die best-mögliche Qualität an Schärfe zu haben, dass ich hier Focus-Stacking machen musste. Also machte ich noch 10 Einzelaufnahmen für das Fokus-Stacking. In Lightroom machte ich dann für jedes einzelne Bild die RAW-Entwicklung, respektive machte ich diese bei einem Bild und dann verwendete ich die gleichen einstellungen bei den anderen 9 Bilder. Das Bild für den Bach, entwickelte ich separat. Dabei beachtete ich, dass natürlich der Weissabgleich und die Belichtung zu den anderen 10 Bilder passen. Anschliessend habe ich die 10 Bilder in Photoshop zusammengefügt. Dabei ist das automatische Überbelnden ein gutes Werkzeug. Am Schluss habe ich dies in 100% Ansicht überprüft und manuell korrigiert falls es nötig war. Danach musste ich jetzt noch das Wasser (Bach) in das Bild einblenden. Dazu verwendete ich verschiedene Überblendungstechniken und Techniken die ich mir über die Jahre angeeignet habe. Zum Schluss gabe es dann noch die Feinjustierung in Photoshop: lokale Kontrastanpassungen, selektive Farbkorrekturen, Glanz ins Bild geben und Sättigungskorrekturen.
Sicher einmal ein anderes Herbstbild mit dieser winterlichen Lichtstimmung.Val-Bever
Technische Details: 10 Einzelbilder für Focus-Stacking (Nikon D810, 24-70/f2.8 @29mm, Iso64, 1/60Sekunden, f8) & 1 Aufnahme für weiches Wasser (Iso 200, 6.0 Sekunden, f11)

Spring Flow

Am 1.Mai verbrachte ich den Morgen wieder einmal in der Twannbachschlucht im Berner Jura. Perfekte Bedingungen erhoffte ich mir, als ich an diesem regnerischen Morgen von Solothurn Richtung Berner Jura unterwegs war. Tief hängende Wolken entlang der ersten Jurakette, es regnete seit Stunden schon wie aus Kübeln und ein leichter Wind wehte übers Land. Als ich eine halbe Stunde später oberhalb der Twannbachschlucht ankam, meine Fischerstiefel anzog und mich bereit machte für das „Abenteur“ Twannbachschlucht, verzogen sich leider die Nebelschwaden aus der Schlucht. Innerhalb wenigen Minuten war ich schon total durchnäasst, obwohl ich einen Regenanzug trug. Als ich dann den wilden rauschenden Twannbach an diesem Morgen das erste Mal erblickte, war ich überwätigt: „Wow, soviel Wasser habe ich dort noch nie gesehen“
Ich suchte zwei Spots auf: einer den ich schon immer lange fotografieren wollte, aber mangels Wasser nie so richtig wirkte und ein alter bekannter Ort in der Schlucht, welcher ich alle Jahre wieder einmal aufsuche. An beiden Standpunkten hatte ich grosse Erwartungen. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Dieser Standpunkt hier, ist vielleicht dem einen oder dem anderen schon von meinen Bildern aus den letzten zwei Jahren bekannt! Doch soviel Wasser sah ich in der Twannbachschlucht noch nie. Es war einfach umwerfend, aber auch gefährlich. Das Wasser hatte so eine Kraft, dass es unmöglich war im Wasser zu stehen. Schweige dann das Stativ mit der Kamera noch ins Wasser zu stellen. Ich versuchte mich bestmöglich am Rande eine ansprechende Komposition zu finden und nach einer Weile fand ich dann auch eine neue für mich gute und schöne Komposition. Ein Stativ Bein war im Wasser sowie mein linker Fuss. Beide habe ich mit Steine beschwert, damit die Strömung sie nicht mitriss. Auch das Objektiv war innert Sekunden voll mit Wassertropfen wenn man es nicht schützte. Für solche Fälle habe ich einen Regenschirm in meinem Fotorucksack. Damit ich Vordergrund und Hintergrund perfekt Scharf abbilden konnte, verwendete ich die Fokus-Stacking-Technik mit welcher ich mich im vergangnen halben Jahr sehr intensiv beschäftigte. Ich brauchte 8 Einzelaufnahmen um alles Scharb abbilden zu können – das bedeutete aber auch nach jeder einzelnen Aufnahme wieder Objektiv reinigen. Soche Bedingungen sind perfekt um in einer Schlucht zu fotografieren, doch sie verlangen dem Material und dem Fotografen ziemlich viel ab. Man braucht viel Geduld bis man alle Aufnahmen perfekt auf dem Sensor hat. Ich war ca. gut eine Stunde an diesem Ort mit diser Aufnahme beschäftigt, als ich plötzlich ein Knall hörte und kurz darauf der Boden bebte. Fragte mich zuerst, was das wohl sein mag – doch machte ich weiter mit meiner Serie. Nicht einmal eine Minute später wieder ein riesen Knall und wieder bebte die Erde kurz darauf und anschliessend konnte ich beobachten wie ca. 50 – 100 Meter weiter unten eine Gerölllawine in die Schlucht donnerte. Ich machte noch schnell meine Serie fertig und packte dann meine Kamera und suchte Schutz unter einer überhängenden Felswand. Dort packte ich meine Kamera in den Rucksack und wollte mich gerade auf den Rückweg zum Auto machen als Tennisball-Grosse Steine in die Schlucht fielen – gerade dort wo ich vor wenigen Minuten noch gestanden bin. Perfekte Bedingungen zum Fotografieren, doch sehr gefährlich wie ich feststellen musste.Twannbachschlucht-Spring Flow