Sweet Emotions

Nachdem wir 1 ½ Tage am Cinque Torri verbracht haben und viele spannende und interessante Stimmungen erleben durften, wanderten wir zurück zu unserem Ausgangspunkt. Von dort ging es dann noch gute 20 Minuten einen holprigen Weg runter, wo ich echt froh war um meinen 4×4. Dann ging es Richtung Drei Zinnen. Wir fuhren die steile Bergstrasse zum Rifugio Auronzo hoch, wo wir das Auto parkten. Da wir die nächsten zwei Nächte in der Drei Zinnen-Hütte übernachten, packten wir nur das nötigste in unsere Rucksäcke. So konnten wir das Gewicht um ein paar Kilo erleichtern. Wer als Fotograf in den Bergen unterwegs ist, der weiss wieviel jedes einzelne Kilo ausmacht, welches man mehr oder weniger schleppen muss.
Wir entschieden uns, links um die Drei Zinnen herum zu gehen, so konnten wir zugleich auf dem Weg noch ein paar Spots auskundschaften. Natürlich wollte ich auch den einfachsten Weg nehmen zur Drei Zinnen-Hütte. Doch daraus wurde nichts. Einen kleinen Fehler unsererseits, mit atemraubenden Folgen für uns. Erst ging es steil hinunter. Und das nicht nur ein paar Meter. Nein, es ging ein paar hundert Meter steil hinunter. Ich ahnte schlimmes. Das müssen wir wieder alles hoch wandern. Und nicht nur das. Sondern noch mehr. Die Drei Zinnen-Hütte liegt noch etwas höher als der Punkt wo der steile abstieg begann. Irgendwo haben wir den falschen Wanderweg genommen. Ich dachte erst noch, «Nicht allzu tragisch! Das packen wir!». Doch schon nur die ersten paar Meter den steilen Wanderweg hochwandern, brachte uns ausser Atem.Landschaftsfotograf Roland Moser unterwegs in den Dolomiten Alle paar Meter machte ich eine Pause. Adrian ging da etwas schneller an die Sache ran und war dann auch immer einige Meter vor mir. Ich weiss nicht einmal mehr, wieviel Zeit wir brauchten um dort hinauf zu wandern – doch irgendwann war es dann auch geschafft. Doch dann der nächste Schock. Angekommen bei der Drei Zinnen-Hütte fühlte ich mich wie auf dem Hauptbahnhof Zürich. Hektik, es war überfüllt, alle wollten Essen, und vor der Theke eine Meterlange Kolonne. Doch die angestellten der Drei Zinnen-Hütte waren zuvorkommend höfflich und liessen sich durch die Menge an Wanderern und Tagesausflügler nicht aus der Ruhe bringen.
Schlussendlich kamen wir auch zu unserer kleinen Verpflegung und haben unsere Betten bezogen. Am späteren Nachmittag erkundeten wir dann die Gegend um die Drei Zinnen-Hütte. Der Ansturm in der Hütte hatte sich inzwischen auch etwas gelegt, doch die Wanderwege zu und von der Drei Zinnen-Hütte Richtung Parkplatz der Auronzo Hütte waren überfüllt. Wanderer an Wanderer. Genauso wie die Autobahn a1 zwischen Luterbach und Härkingen. Das kann es doch nicht sein, dachte ich für mich. So schön und beeindruckt ich auch war von der Bergwelt bei den Drei Zinnen, so schockiert war ich aber auch von der Anzahl Wanderer. Doch je später es wurde wie weniger Wanderer hatte es und so kehrte die ruhe in die Bergwelt zurück. Jetzt konnte man die Natur und den Anblick dieses Bergpanoramas erst so richtig geniessen.
An diesem ersten Abend bei den Drei Zinnen stellten wir unsere Kameras in der Nähe eines schönen Felsvorsprungs auf, ca. ein paar 100 Meter von der Drei Zinnen Hütte entfernt. Als wir dann auf das Licht warteten, kochten wir Wasser auf unseren Gasbrenner um dann eine gefriergetrocknete Fertigmahlzeit zuzubereiten. In der Distanz schien sich ein Gewitter zu bilden. Wir dachten eigentlich wir könnten noch fertig Essen bevor die Zelle uns erreicht. Doch plötzlich ging alles schneller als erwartet und wir mussten, als wir gerade am Essen waren, Hals über Kopf alles zusammenpacken und bei der Drei Zinnen Hütte Schutz suchen.
Diesen Abend verbrachten wir auf der Veranda der Berghütte und fotografierten die Stimmung um die Drei Zinnen. Wir hofften natürlich einen Blitz zu erwischen, doch es wollte nicht sein. Dennoch konnte ich ein schönes Stimmungsbild mit den Drei Zinnen machen.
Als wir dann endlich spät abends uns endlich schlafen legen wollten, musste Adrian, der sonst schon nicht gerne in Massenlager übernachtet, feststellen, dass sein Bett von einem Japaner beansprucht wird. Das ist natürlich ärgerlich und an Schlaf war für Adrian in dieser Nacht nicht mehr zu denken. Vielleicht zum Glück für mich. Denn um 3 Uhr morgens sagte mir Adrian, die Milchstrasse sei gerade über den Drei Zinnen. So stand ich auf und wir fotografierten bis nach Sonnenaufgang, erstmal die Milchstrasse und später die Dämmerung und dann den Sonnenaufgang. Um 8 Uhr gab es dann Frühstück. Nach dem Frühstück ging es dann auf Wanderschaft und wir erkundeten die Gegend um die Drei Zinnen. Obwohl ich an diesem Tag ein paar schöne Spots entdeckte, wusste ich, dass ich diese vielleicht erst in einem Jahr umsetzen könnte. Am späteren Nachmittag, machten wir uns dann wieder auf den Weg zurück zu der Berghütte, wo wir dann anschliessend unseren Abendspot suchten. Erst glaubten wir gar nicht mehr daran, dass es an diesem Abend was Spannendes geben könnte, doch plötzlich und gerade richtig zum Sonnenuntergang wurde der Himmel richtig spektakulär. Aber das magische Licht kam nach Sonnenuntergang. Der Himmel verfärbte sich und das Licht war einfach unglaublich.
Am nächsten Morgen war Tagwache wiederum sehr früh, da wir noch vor der Dämmerung auf der Krete sein wollten und von dort die Drei Zinnen im Morgenlicht fotografieren wollten. Es war ein schöner Sommer morgen – eigentlich war es zu schön. Doch wir hatten es in dieser Woche mehr als nur gut getroffen. Also wollen wir uns nicht wegen dem zu schönen Wetter beklagen. Wir hatten wirklich alles in dieser Woche was ein Landschaftsfotografenherz begehrt: Sonne, Wolken, Nebel und Regen und ein paar atemberaubende Stimmungen fotografieren können. An diesem letzten Morgen in den Dolomiten, konnte ich meine gewünschte Bildidee noch nicht umsetzen, obwohl es wieder ein schönes Bild gab, doch an diesen Standort werde ich wieder zurückkehren.Technische Details: Nikon D810, 14-24/f2.8mm Objektiv (@14mm), ISO 100, f 14, 1.6 Sekunden

Bild des Monats: April 2017

Und schon wieder ist ein Monat vorbei. Die Zeit vergeht im Moment wie im Flug.
Der April war die Zeit der Kirschblüte im Baselbiet und dann kamen noch die Narzissen auf den Jurahöhen. Es kam alles Schlag auf Schlag. Ende März besuchte ich die Osterglocken im Emmental und dann blühten schon die ersten Kirschblüten im Baselbiet. Wir mussten soagr unser Workshop um eine Woche vorverschieben, doch dafür passte an diesem Tag für unsere Teilnehmer alles bestens. Die Kirschblüten waren gerade auf dem Höhepunkt und das Wetter machte perfekt mit: schönes warmes Frühlingswetter!
Nachdem die Kirschblüten im Baselbiet ihren Zenith überschritten hatten, folgte gerade am Osterwochenende der nächste Höhepunkt: die Narzissen oder wilden Osterglocken im Schweizer Jura. Die sonst kahlen Jurahöhen im Neuenburger Jura waren von einem gelben Teppich aus Narzissen bedeckt. So weit das Auge reichte, blühende Narzissen. Jedesmal wieder ein ganz besonderer Anblick. Danach blieb es wieder etwas ruhig. Die blütezeit der Narzissen war von kurzer Dauer, kam doch gerade danach ein richtiger Kälteeinbruch welcher uns wieder Schnee bis ins Flachland bescherte.
Für mich war dieser April ein sehr erfolgreicher monat, konnte ich doch ein paar Ideen umsetzen welche ich schon ein paar Jahre verfolgte. So auch dieses Bild vom wohl schönsten Kirschbaum im Baselbiet. Ich besuchte diesen in den letzten Jahren immer wieder zur Kirschblütenzeit im Baselbiet und habe schon verschiedene Aufnahmen – doch dieses Bild hier ist mein absoluter Favorit. Eigentlich erhoffte ich etwas mehr stimmige Farben an diesem morgen, doch es wollte nicht sein. So wartete ich ab, bis die Sonne über den Horizont kan und setzte diese Bildidee um. Für mich persönlich, das bild des Monats!Kischbaum im Baselbiet
Technische Details: Nikon D810, 24-70/f2.8@28mm, Iso64, f11, 1/125 Sekunde

Full Moon Rising (Gedanken zum Post Processing)

Es gibt heute immer noch viele Menschen, Fotografen wie auch nicht Fotografen, welche darauf bestehen und davon überzeugt sind, dass der einzig richtige und wahre Weg ist, dass ein Bild fertig aus der Kamera kommen muss. So zu sagen „Out of the box“! Ein wahrer Fotograf macht perfekte Bilder in der Kamera. Diese Leute meinen auch ein Bild welches in Lightroom, Adobe Camera RAW oder Photoshop nachbearbeitet worden ist, ist manipuliert und habe nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Ich wiederspreche dieser Ansicht!
Es gibt nichts, dass ein Bild mehr verfälscht und einen Fotografen künstlerisch wie auch technisch mehr einschränkt, als ein Bild welches fix-fertig aus der Kamera kommen muss.
Basierend auf der Grundlage wie Kamerasensoren arbeiten, ist es der sicherste Weg die Bildqualität zu minimieren und man erreicht selber nicht viel ausser dass man sich selber viele Hindernisse in den Weg stellt und sich selber unnötig einengt, so als ob man nur ein paar Worte zur Auswahl hätte um sich sprachlich auszudrücken.

Die Landschaftsfotografie hat sich während den letzten ungefähr 100 Jahren immer weiter entwickelt und hat auch Änderungen durchgemacht welche sich die Pioniere von damals wahrscheinlich kaum hätten vorstellen können. Es ist aber ein grosses Missverständnis, dass Ansel Adams seine Meisterwerke „in der Kamera“ machte!!! Nein, das hat er nicht. Er machte eine gute und perfekte Belichtung mit der Kamera und erstellte seine Meisterwerke in der Dunkelkammer mit verschiedenen Techniken.
Wieso ich das hier betone? Wenn heutzutage ein Künstler/Fotograf zugibt, dass er für ein „Fine-Art-Print“ über 3 Stunden in Photoshop gearbeitet hat um sein endgültiges Bild zu entwickeln/bearbeiten, dann ist die allgemeine Meinung, dass es sich hier um ein Produkt handelt welches in Photoshop, sprich Computer, entstanden ist und kein eigentliches Foto mehr ist! Jeder professioneller Landschaftsfotograf ist heute diesem Vorwurf ausgesetzt und muss sich mit diesem Problem auseinander setzen. Tatsache ist, dass dieses „Fertig-aus-der-Kamera-Einstellung“ in den frühen 70er Jahren ihren Ursprung hatte, als die Farbfotografie stark aufgekommen ist. Es war für die meisten Fotografen einfach nicht möglich Farb-Negative zu entwickeln und somit übernahmen Fotolabore ihre Arbeit. Man hat den Film an das Labor gesendet und erhielt das fertige Bild oder das Dia.
Nun, die digitale Fotografie ermöglicht heute dem Fotografen mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen seine Bilder wieder selber zu entwickeln, so wie zu Zeiten von Ansel Adams. Was früher in der Dunkelkammer gemacht wurde, macht man heute am PC mit Photoshop, Adobe Camera Raw, Lightroom, etc., im sogenannten „digital Darkroom“!
Was ich damit sagen möchte ist, dass sich die Technik massiv gewandelt hat in den letzten Jahren, aber die Grundfunktion, also die Basis, immer noch die gleiche ist: es geht darum Licht einzufangen!!! Mit der Kamera fange ich also das Licht ein, beim „entwickeln“ kreiere ich mit den Informationen welche ich eingefangen habe, mit Hilfe verschiedener Techniken mein Bild! Post-Processing ist also, genauso wie die Vision, das Sehen und das eigentliche fotografieren selber, ein wichtiger Bestandteil für ein grossartiges Foto.Full Moon RisingTechnische Details: Nikon D810, 70-200mm Objektiv (@200mm) & 2fach Konverter(Brennweite 400mm), ISO 64, f 10, 1/6 Sekunde, Double Processing, eine Bearbeitung für den Vordergrund (Mittlere und Dunkle Bereiche), eine zweite Bearbeitung für die Highlights, dazu sind diese zwei Bearbeitung auch noch unterteilt (eine mit Capture Sharpening und eine ohnefür einen schönen weichen Himmel). Manuell überblendet in Photoshop

Icescapes (Sehen lernen)

Ich erinnere mich an eine Tour welche ich vor vielen Jahren mit einem Navajo Indianer im Monument Valley gemacht habe. Wir waren mit einem 4×4 abseits der touristischen Pfaden unterwegs mit dem Ziel das Monument Valley zu erkunden und einige Fotos zu machen. Dabei lernte ich noch vieles über die Kultur und Lebensweise der Navajo Indianer. Doch die eigentliche Lektion dieser Tour wurde mir erst viel später bewusst. Ich lernte was es bedeutet „zu sehen“. In anderen Worten machte er mir klar wie wir „sehen“ und was es heisst „bewusst zu sehen“ und die Umgebung welche uns umgibt wahr zu nehmen. Er sah Dinge und machte mich darauf Aufmerksam welche ich ohne Ihn niemals gesehen oder wahrgenommen hätte. Sehen ist nicht gleich sehen. Einmal fragte er mich:“Hey, was siehst Du da vorne?“ und er deutete mit seiner Hand auf eine Felsformation in der Ferne. Ich schaute in die Richtung in welche seine Hand zeigte und sah ein paar rot leuchtende Felsen welche sich in der Distanz vom Tal erhoben. Ein atemberaubender Anblick! Ich sagte Ihm was ich sah und er erwiderte bloss: „Look closer! Look closer! Was siehst Du?“ Ich hatte keine Ahnung was ich hätte sehen oder erkennen sollen, doch zu meinem Erstaunen sah er dort einen Elefanten. „Einen was?“, fragte ich verdutzt. „Einen Elefanten!“. Dachte zuerst er will mich veräppeln. Im Monument Valley gibt es keine Elefanten. Doch erneut deutete er mit der Hand zu den Felsen und zeigte mir was er in den Felsen sah. Er hatte Recht. Im Monument Valley gibt es einen Elefanten. Als ich mich konzentrierte, die Linien und Formen der Felsen studierte, erkannte ich den Elefanten auch. Es braucht Fantasie, Vorstellungsvermögen und Sehvermögen. Nicht einfach oberflächliches Sehen, sondern bewusst sehen und die Umgebung wahrnehmen. Eine Eigenschaft welche man beim fotografieren auch benötigt.
Fotografieren heisst „Malen mit Licht“. Doch bevor man mit Licht malen kann, muss man sein Motiv sehen. Also so können wir doch auch sagen, fotografieren bedeutet unter anderem auch „Sehen“. Was mir dieser Navajo Indianer verdeutlichte ist vorallem eines; je besser man eine Gegend kennt und mit Ihr vertraut ist, diese Landschaft kennt, man sich Zeit nimmt die Landschaft auf sich wirken zu lassen und bereit ist „zu sehen“, je besser erkennt man Dinge welche einem sonst verborgen bleiben.
Er sieht bestimmt nicht besser als ich, doch er kennt seine Umgebung und lebt mit ihr. Er erkennt somit jedes kleines Detail und nimmt jede Änderung wahr.
Eine Landschaft fotografisch sehen und darin das Motiv erkennen funktioniert meiner Meinung nach ähnlich. Wenn man sich zufrieden gibt immer nur „x-tausendmal-fotografierte“ Landschaften zu fotografieren wird man meiner Meinung nach auch nie lernen selbständig zu sehen, seinen eigenen Blick auf die Landschaft und das Motiv zu haben. Dazu kommt noch, dass dein Portfolio den anderen Fotografen ähnelt und du nur ein Bild unter vielen von dieser Landschaft hast. Wenn man eine beliebte und bekannte Landschaft fotografiert welche man von hunderten von Bildern her kennt, läuft man auch Gefahr von den anderen Komposition beeinflusst zu sein und man vergisst das selbständige sehen. Man erreicht sein Motiv, ist fasziniert von der Landschaft, stellt sein Stativ an der erst besten und bequemsten Stelle auf ohne sich weiter mit der Situation und der Umgebung vertraut zu machen. Somit hast du keine Möglichkeit dein eigenes Sehen zu schulen und du kannst nicht das volle Potential dieser Landschaft für dich herausholen.
Ich lerne täglich wieder neu zu sehen. Die Fähigkeit zu sehen ist wie ein Muskel – es braucht ständiges Training. Hört man mit dem Training auf bilden sich die Muskeln wieder zurück. So ist es auch mit dem „Sehen“.
Man kann sich die Fähigkeit „fotografisch“ zu sehen bis zu einem gewissen Grade aneignen, doch den Zeitpunkt wo man sagen kann, jetzt kann ich „Sehen“ gibt es für mich nicht. Es ist ein ständig immer weiterentwickelnder Prozess des Experimentierens, Beobachtens, Suchen und Erkunden. Es ist eine Reise und der Weg das Ziel ist.Icescapes-OeschinenseeTechnische Details: Nikon D810, 24-70mm Objektiv (@24mm), ISO 64, f 11, 1/10 Sekunde, 14 Belichtungen mit unterschiedlicher Fokussierdistanz (manuell fokussiert) für maximale Schärfe, überblendet in Photoshop

 

 

Der unbezahlbare Moment

Wieviel ist Euch eigentlich ein Bild Wert? Damit meine ich jetzt nicht der materielle Wert eines Bildes! Nein, vielmehr geht es mir darum was Ihr alles in Kauf nehmen würdet um „Das Bild“ zu machen! Wieviel investiert Ihr in ein Bild! Ein Bild ist für mich eigentlich unbezahlbar – natürlich hat ein bestimmtes Bild vielleicht für mich persönlich mehr Wert als ein anderes Bild. Das hängt aber davon ab, was mich mit dem Bild verbindet. Was ist die Geschichte zum Bild. Jedes Bild ist irgendwie wie ein eigenes Kind. Jedes Bild hat seine eigene Geschichte. Dieses Bild hier konnte ich vor knapp 2 Wochen fotografieren. Ich dachte mir schon im Vorfeld, dass an diesem Abend alles passen könnte. Der Wetterbericht und die Wetterlage am Nachmittag des bestimmten Tages – alles schien perfekt zu sein. Und so war es auch – es passte wieder einmal alles zusammen. Das sind dann diese Momente wo Landschaftsfotografen entschädigt werden, für alle Ihre Mühen und Strapazen die Sie auf sich nehmen um das perfekte Licht einzufangen. Doch das Fotografieren und diesen Moment festzuhalten ist eine Sache – den Moment zu erleben und ihn bewusst wahrzunehmen eine andere und eine ebenso schöne Sache. Wenn man so ein Naturschauspiel bewundern darf, ist man einfach nur „Dankbar“ – doch wird einem auch die Kraft der Natur erst wirklich richtig bewusst. Wir Menschen können viel kontrollieren, doch der Kraft und der Gewalt der Natur sind wir machtlos ausgesetzt und in so einem Moment wird einem auch klar, wie klein und nichtig wir eigentlich sind.
Als wir, Adrian Wirz und ich, an diesem Abend das Auto auf dem Parkplatz der Metairie Le Soliat parkten und unser Equipment sowie Zelt und Schlafsack auf den Rücken packten, schien es nach einem relativ friedlichen Abend auszusehen. Ich machte mir schon ein paar Gedanken und hoffte, dass mir ein paar Restwolken bis zum Sonnenuntergang übrig bleiben würden. Abends finde ich den Creux Du Van relativ schwierig zu fotografieren damit wirklich alles stimmt und somit kam für mich eigentlich nur ein Standpunkt in Frage – vor allem auch, weil ich von dort schon seit längerem eine Bildidee versuchte umzusetzen. Dort angekommen, sah es schon mal nicht schlecht aus, doch aus fotografischer Sicht war das Licht noch nicht optimal und eine grosse dicke Wolke schob sich vor die Sonne und verdeckte diese sicher für die nächsten 30 Minuten. Weil wir unser Gepäck am anderen Ende der Felsarena deponiert hatten und uns jetzt entschieden haben, auf dieser Seite des Creux Du Van unsere Zelte aufzuschlagen, entschied ich mich, die Zelte und Schlafsäcke schnell zu holen. Ich beeilte mich, wollte ich doch nichts verpassen und gerade rechtzeitig war ich wieder zurück. Und was sich dann abspielte, hätte ich nicht mal im Traum daran gedacht, dass wir so ein Naturschauspiel erleben würden an diesem Abend. Eine riesen Wolke türmte sich vor uns auf, dahinter schien aber die Sonne und die Wolken brachen das Licht. Die bedrohlich wirkende Wolke wurde immer grösser und man konnte sehen wie es am Horizont in Strömen regnete – und der Himmel unter der Wolke färbte in schönen warmen Farbtönen. Eine Stimmung wie kurz vor Weltuntergang. Einfach nur atemberaubend. Wir waren so vertieft in dieses Naturschauspiel, dass uns nicht einmal die dunkle Wand hinter uns auffiel. Adrian bemerkte diese dann, doch mich konnte diese schwarze Wolkenwand nicht tief beeindrucken – oder noch nicht. Doch kurze Zeit später, stimmte ich Adrian zu, dass wir uns auf den Rückweg machen sollten. Doch weit kamen wir nicht. Das Naturschauspiel war so faszinierend und wenn man einmal so was erleben darf, dann will ich es auch fotografieren und „erleben“! Mir war zu diesem Zeitpunkt schon bewusst, dass wir hier ein wenig mit dem Feuer spielten, doch ich wusste auch um ein gutes Bild zu machen, muss man auch bereit sein, dieses kleine Stück mehr geben zu wollen als die anderen. Ich sage immer, man muss dorthin gehen wo es einem weh tut. Man muss bereit sein, sich aus der „Komfortzone“ heraus zu wagen! Plötzlich sahen wir die Sonne als glutrote Kugel wie sie sich durch die dünne Wolkenschicht unter der bedrohlich wirkenden Riesenwolke durchkämpfte. Doch nachdem die Sonne am Horizont untergangen ist, machten wir uns dann schleunigst auf den Rückweg. Ich glaubte zwar immer noch nicht so Recht, dass das Gewitter zu uns kommt, und wenn doch, dann hätten wir sicher schon im Auto Schutz gefunden. Doch es sollte anders kommen. Auf einmal ging alles schnell. Wir waren auf dem Abstieg von höchsten Punkt auf der Krete als plötzlich die ersten grossen und schweren Regentropfen auf uns runter fielen. In der Zwischenzeit donnerte es schon gewaltig und ab und zu sah man in der Distanz auch schon die ersten Blitze runter gehen. Uns war inzwischen Bewusst, dass wir es nicht mehr bis zum Auto schaffen werden und so suchten wir Schutz in dem kleinen Buchenwald. Dann krachte es gewaltig in unmittelbarer Nähe von uns. Ein Blitz schlug in der Nähe ein! Spätestens jetzt wurde mir Bewusst, in welcher Situation wir steckten. Es begann wie aus Kübeln zu Regnen. Innerhalb wenigen Minuten waren wir durch und durch nass. Ich wollte dann zum Schutz noch ein Zelt aufstellen, doch da war nichts zu wollen. Also lagen wir uns auf den Boden entlang der Steinmauer neben unserem Gepäck und zogen zum Schutz vor dem Regen die Zeltblache über unsere Köpfe. Doch jetzt ging es erst richtig los. Es war ein Inferno und wir mitten drin. Es blitzte und donnerte um uns herum und zum Teil war es, obwohl es mittlerweile schon Dunkel war, Taghell! Die Zeit schien endlos zu sein und irgendwie verlor ich das Zeitgefühl dort unter der Zeltblache. Schätzungsweise nach einer Stunde, schien es vorbei zu sein und wir dachten das Schlimmste überstanden zu haben! Doch genau in diesem Moment schlug ein Blitz ganz in der Nähe ein. Es war wie ein Urknall – Ohrenbetäubend! Und so hiess es weiter warten. Wie lange wir unter dieser Zeltblache verbrachten, kann ich nicht mehr genau sagen, aber es müssen sicher an die zwei Stunden gewesen sein. Gegen Mitternacht konnten wir uns dann auf den Weg machen zum Auto. Es donnerte und blitzte immer noch – und in der Dunkelheit hatten wir noch Mühe den Rückweg zu finden. Natürlich war nichts mehr mit biwakieren an diesem Abend. Alles war durch und durch nass. Während der Zeit unter der Zeltblache machte ich mir einige Gedanken, wieviel mir ein gutes Bild Wert ist. Ich nehme viel in Kauf für ein gutes Bild und ich denke man muss dazu auch bereit sein ein gewisses Risiko einzugehen. Man muss auch bereit sein etwas mehr geben zu wollen als die meisten zu geben bereit sind. Manchmal muss man sicher das glück auch etwas herausfordern – doch ich denke das Risiko sollte auch kalkulierbar sein. Kein Bild ist es Wert, sein Leben dafür zu geben – doch man muss bereit sein an sein Limit zu gehen und noch ein bisschen mehr. Ein gutes Bild muss man „leben“ und fühlen. Ich sage mir jetzt, jeder einzelne Donner und jeder einzelne Blitz waren mir diese Bilder und dieser Abend Wert. Es sind aber nicht alleine die Bilder die zählen, sondern auch, dass man das Glück hatte so einen Moment erleben zu können und Zeuge eines einzigartigen Naturschauspiel sein durfte.Creux Du Van - Approaching Storm

Technische Details: Nikon D810, 14-24mm Objektiv (@14mm), ISO 64, f 11, 1/20 Sekunde, double processing (Dynamikumfang)