Wieso mache ich dieses Bild

Wieso haben wir dieses oder jenes Bild gemacht und wieso habe ich dies gerade in diesem Moment fotografiert?
War es eine Stimmung, eine Emotion, eine schöne Landschaft oder vielleicht auch eine interessante Stadtansicht – oder war es vielleicht wie das Licht mit der Landschaft zusammen spielte, Formen und Muster welche wir wahrnehmen oder war es der Farbkontrast? Es gibt auf diese Frage so viele Möglichkeiten und Antworten wie es auch Fotografen auf dieser Welt gibt!
Die Frage ist vielmehr warum ich gerade dieses bestimmte Bild in diesem bestimmten Moment machte und was möchte ich damit sagen und zeigen!
Es geht hier nicht um die Motivation wieso wir fotografieren sondern um die Motivation und das Warum eines bestimmten Bildes: Warum habe ich gerade dieses Bild gemacht!
Es muss ja einen Grund geben, wieso ich gerade dieses Bild in diesem Licht mit dieser Komposition als gut und fotogen empfunden habe!
Alles beginnt doch mit einer Vision oder einer Idee – diese Vision ist da bevor man eigentlich bei seiner Location ist und vorallem bevor man die Kamera aus der Kameratasche genommen hat. Zumindest ist das bei mir so! Ideen kommen mir beim erkunden einer Landschaft oder wenn ich vielleicht Bilder anderer Fotografen anschaue. Diese Ideen sind vielmehr Inspirationen welche ich mit einer meinen Visionen oder Ideen kombinieren kann und in meiner bevorzugten Landschaft oder einer Landschaft die ich gerade am erkunden bin umsetzen kann. Es ist auf eine Weise, ein Archiv mit Ideen, Informationen und Visionen welche ich aus meinem Gedächtnis abrufen kann – eine Vision kann aber nicht einfach so schnell entstehen.
Eine Vision ist nichts anderes als die Kunst des Sehens kombiniert mit der Fähigkeit dieses Subjekt logisch und harmonisch in einem bestimmten Licht in den von der Kamera vorgegebenen Rahmen zu komponieren und dementsprechend interessant darin zu platzieren.

Da ja ein Bild auch Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Personen ist, ist es deshalb auch schon wichtig, dass man weiss bevor man fotografiert, was man dem zukünftigen Betrachter seines Bildes zeigen oder mitteilen möchte. Wenn man mit einem anderen Menschen ins Gespräch kommen will, überlegt man sich im Grunde zuerst auch vorher was man sagen will und reiht nicht einfach sinnlos ein Wort nach dem anderen zu einem Satz zusammen. Genau gleich ist es beim fotografiere!
Ansel Adams hat ja schon gesagt „Bei jedem Bild sind immer zwei Menschen beteiligt: Der Fotograf und der Betrachter“
Wenn wir also jetzt mit den Betrachter unserer Bilder kommunizieren möchten, müssen wir eine klare Sprache sprechen damit unser Gegenüber uns auch verstehen kann, uns zuhört und wir seine Aufmerksamkeit haben.
Ein Bild ist vielmehr als nur der Moment wo man den Auslöser betätigt, der Verschluss sich öffnet bis dieser sich wieder schliesst. Nein, ein Bild fängt viel früher an – mit einer Idee, Inspiration welche sich dann zu einer Vision bildet. Dann kommen unzählige Besuche der Location bis endlich die Bedingungen stimmen, die Komposition, das warten und schlussendlich der Moment wo man das Licht auf den Sensor bannt. Jetzt geht es aber noch zum nachbearbeiten, denn dass was man bis jetzt hat sind bloss Daten welche man jetzt noch verfeinern muss. So zu sagen man gibt dem Bild jetzt noch die Würze. Hier entscheidet sich, was man beim Betrachter auslöst und was man selber ausdrücken möchte.

Wieso ich gerade dieses Bild machte oder dies in diesem Licht fotografierte in dieser bestimmten Stimmung, lässt sich nicht in einem Satz beantworten. Grundsätzlich fängt dies, wie oben schon erwähnt mit einer Idee an welche zu einer Vision werden kann und schlussendlich einen Reifeprozess durchmacht. Vor Ort setze ich dann meine Vision um. Manchmal wird aus dieser Vision dann ein Bild und manchmal ergibt sich vor Ort eine unerwartete Situation und es ergibt sich spontan eine neue Bildidee, welche ich dann wieder bildlich umsetze. Ich möchte dem Betrachter nicht nur ein dokumentarisches Bild zeigen, sondern ihn mitnehmen auf eine Reise durch mein „Ich“ von diesem speziellen Moment. Ich möchte ihm zeigen was ich fühlte, wie ich diesen Moment erlebt habe und möchte ihm aber auch genug Freiraum lassen für eine eigene Interpretation.
Als Fotograf finde ich es wichtig, dass man sich bei jedem Bild für sich selber die Frage stellt „Wieso und warum mache ich dieses Bild?“ Hat man keine Antwort auf diese Frage, dann ist es so als ob man redet aber nicht weiss was man sagen möchte. Man redet einfach um des Redens willen! Jetzt liegt es an jedem einzelnen ob er einfach fotografiert damit man fotografiert hat, oder man mit dem Betrachter kommunizieren möchte – ihm was mitteilen möchte!Schäfler-Appenzell
Technische Details: Nikon D810, 14-24mm/f2.8 Objektiv (@14mm), ISO 200, f 14,
1/13 Sekunde, ND Grad Filter 0.6 Soft

 

 

 

 

 

 

Die Kraft eines Bildes

Diesen Ort kenne ich schon einige Zeit, doch ist dieser total in Vergessenheit geraten in den letzten paar Jahren bis ich vor wenigen Wochen im Internet nach neuen Locations suchte.
Ganz spontan besuchte ich dann diesen Ort ein paar Tage später und kombinierte diesen Spot noch mit einer anderen Location in der näheren Umgebung welche ich schon länger besuchen wollte.
Als ich dann Frühmorgens, noch vor Sonnenaufgang in stockfinstere Nacht, zu dieser Schlucht runter wanderte, hoffte ich doch sehr, dass es etwas neblig sein würde unten in der Schlucht und es schon ein wenig herbstlich angehaucht. Es war ja auch schon fast Ende September. Es herrschten keine schlechten Bedingungen an jenem Morgen, doch auch nicht gerade dass was ich erhoffte! Als sich der Himmel ober mir langsam Magenta zu färben begann, machte ich meine ersten Aufnahmen. Als ich das Bild auf dem Kameramonitor kontrollierte machte ich mir einige Gedanken – unter anderem auch ob die Bedingungen genug hergeben würden, für ein interessantes Bild. Mir gefiel es und wenn es mir gefällt, kann es durchaus auch sein, dass es jemand anderem gefallen könnte. Wir leben heute in einer Welt, wo jeden Tag x-millionen neue Bilder in der ganzen Welt gemacht werden. Jedes Mal, wenn wir den Auslöser betätigen, zeigen wir der Welt wie wir diesen Ort in diesem Moment wahrgenommen und gesehen haben. Oftmals machen wir das auch ganz unbewusst ohne uns gross Gedanken zu machen, wieso wir gerade dies in diesem Moment fotografieren. Manchmal habe ich auch schon gedacht, als ich die Bilder zu Hause am Monitor betrachtete, ob ich nicht was hätte besser machen können. Da erinnerte ich mich plötzlich an einen Artikel den ich vor knapp einem Jahr gelesen habe, geschrieben von einem australischen Fotografen. Er erzählte davon wie er vor Jahren an einer Ausstellung einen Verkaufsstand hatte und seine Bilder verkaufte, als eine ältere Dame, ungefähr Mitte achtzig, eines seiner Bilder sehr lange anschaute. Sie studierte das Bild mit einer Hingabe und Konzentration wie er noch nie jemand seine Bilder betrachten sah. Nach einer gefühlten Ewigkeit trat die ältere Dame zu ihm und fragte ob man das Bild kaufen könnte. Er antwortete mit «Ja» aber fragte die Dame «ob Sie sich wirklich sicher sei, dass Sie das Bild kaufen wolle», da solche Bilder nicht gerade günstig zu kaufen sind. Das entsprechende Bild kostete 2000.- Dollar. Die Dame antwortete ihm: «Wenn ich es nicht haben möchte, hätte ich Sie ja auch nicht gefragt!»
Die alte Dame schaute den Fotografen mit wässrigen Augen an und sagte ihm: «Ich weiss was sie jetzt denken! Für was will eine alte Frau so viel Geld ausgeben für ein einfaches Bild?» «Aber wissen» fuhr die Dame fort, «kein Geld auf der Welt kann das kaufen was dieses Bild mir bedeutet und es mir Wert ist!»
Der Fotograf war sehr berührt und die alte Dame begann zu erzählen warum das Bild ihr so viel bedeutet. Ihr verstobener Ehemann und sie campierten ihr ganzes Leben lang in dieser Gegend und dieser Spot von wo aus dieser Fotograf dieses Bild machte, war genau der Platz wo Sie ihr Auto immer parkten. Genau dieser Ort war es wo sie öfters auf ihren Auto sassen und die Landschaft vor ihren bewunderten. Von da aus bewunderten sie viele Sonnenaufgänge und genossen unzählige Abendstunden. Die alte Frau erzählte weiter: «Ich möchte diesen Print haben und diesen bei mir an die Wand hängen, damit ich jeden Abend bevor ich zu Bett gehe, diesen Ort wieder vor mir sehe und ihr Bild das letzte ist was ich abends sehe bevor ich einschlafe. Mit ihrem Bild, kommen alle diese schönen Erinnerungen wieder zurück und werden noch einmal lebendig in mir während ich langsam einschlafe. Kein Geld dieser Welt kann mir das kaufen! Ich bin so Dankbar dass ich dieses Bild entdeckt habe, denn dieser Ort ist mein zweites zu Hause.»
Eine sehr bewegende Geschichte. Und ja, es stimmt eben doch. Man sollte nie die Kraft eines Bildes unterschätzen. Vielleicht ist es nicht dein bestes Bild, aber für irgendjemand da draussen mag es eine grosse Bedeutung haben.
Es freut mich persönlich auch jedes Mal, wenn ein Bild, welches ich nur als «durchschnittlich» empfand, bei jemandem eine Erinnerung weckt oder diese Person sich mit dem Bild verbunden fühlt.
Was für dich oder mich vielleicht nur eine schöne Landschaft oder ein netter Sonnenuntergang ist, kann für jemand die Welt bedeuten und es beschwört schöne Erinnerungen hoch an eine längst vergangene Zeit.Maerchenwelt                                              Technische Details: Nikon D810, 24-70mm Objektiv (@24mm), ISO 64, f 11, 60 Sekunden, Polarizer

Das echte RAW

Wenn man es ganz genau nehmen will, dann ist jedes, aber auch jedes Bild manipuliert! Ja Ihr lest richtig! Jedes Bild! Das mag jetzt viele vielleicht schockieren und wenn jetzt ein «Purist» denkt, das betrifft mich nicht, muss ich ihn jetzt leider enttäuschen. Leider wissen viele immer noch nicht das RAW nicht gleich RAW ist und somit ein RAW eigentlich schon ein bearbeitetes Bild ist. Viele wissen das heute immer noch nicht, darunter sind auch viele Fotografen! Was ist denn nun ein RAW? Das wirkliche RAW-Original ist Schwarz/Weiss, ist sehr Kontrastarm und sehr gräulich. Eigentlich kann man das gar nicht ansehen. Viele wissen das überhaupt nicht. Das Original-RAW hat wenig bis nichts zu tun, mit der Datei welche viele als RAW und somit als Original-Bild bezeichnen. Das echte RAW wird als «Linear Gamma» bezeichnet und ist das eigentliche «Digitale Negative» Das ist die echte RAW-Datei und nicht diejenige welche wir in Lightroom oder Adobe Camera RAW sehen!!! Das will heissen, alles darüber hinaus ist eine massive Manipulation der „Original“ Raw-Datei.  Selbst wenn Sie in Lightroom oder Adobe Camera RAW mit den Standardeinstellungen geladen werden oder Sie das Bild auf dem Kamera-Monitor betrachten, sehen Sie ein stark vom ursprünglichen „Original-RAW“ geändertes Bild. Dies in der Regel meist noch auf eine langweilige Art und Weise.
Für mich geht es nicht darum Bilder zu manipulieren, sondern vielmehr diese zu optimieren. Wollen wir eine gute Kontrolle über jeden Prozessparameter haben, damit das Bild schlussendlich so aussieht wie wir es erlebt und gesehen haben. Es geht auch darum es in bester Qualität zu „entwickeln“! Optimiert Ihr eure Bilder auch in Lightroom oder Adobe Camera RAW? Macht Ihr auch noch „Fine Tuning“ in Photoshop damit Ihr noch die letzten 10-20% mehr Bildqualität aus eurer Datei herauskitzeln könnt? Wenn nicht, vergeudet Ihr in den meisten Fällen Bildqualität und Ihr könnt nicht das Maximum aus eurer Datei herausholen.
Wenn man glaubt das „Out of Cam“ das reale Bild ist welche der Wirklichkeit entspricht, hat man sich gewaltig getäuscht. Nichts entspricht weniger der Wirklichkeit als das Original-RAW und das Bild welches direkt aus der Kamera kommt! Wer daran immer noch Zweifel hat, dem kann ich nur das Buch „The Real World Camera RAW“ von Bruce Fraser weiterempfehlen.
In meinen Workshops, ob Privat oder Gruppen-Workshops, sowie auch in speziellen „Bildbearbeitungs-Coachings“ zeige ich Euch Schritt für Schritt wie ihr aus eurer RAW Datei ein hochwertiges Bild macht. Bei Interesse könnt Ihr mich einfach kontaktieren unter office@nature-moments.com
Zum Bild: Das Bild zeigt die Drei Zinnen-Hütte in den Dolomiten an einem Sommerabend vor einem heftigen Gewittersturm. Ich habe bewusst hier eine Langzeitbelichtung gemacht um die Dramatik noch hervorzuheben. Entsprechend habe ich dann das Bild im RAW Converter bearbeitet und in Photoshop fertig gestellt.20160705-_dsc2018-bergwelt-dolomiten
Technische Details: Nikon D810, 24-70/f2.8 Objektiv (@24mm), ISO 64, f 11,                  53 Sekunden, Big Stopper & Little Stopper

 

Landschaftsfotografie und Nahrung Unterwegs

Wenn man als Landschaftsfotograf über Nacht oder auch mehrere Tage unterwegs ist, steht man oft vor der Frage was muss ich alles mitnehmen! Was ist unbedingt nötig und auf was kann ich bei diesem Trip verzichten. Und bevor man dann abfährt geht man in Gedanken noch einmal durch, ob man tatsächlich alles eingepackt hat, denn nichts ist schlimmer als wenn man vor Ort ist und es wäre eigentlich alles perfekt, doch man stellt fest, dass man etwas Wichtiges vergessen hat. Das wichtigste ist natürlich die Fotoausrüstung, Outdoorbekleidung für jede Witterung (je nach Jahreszeit), Zelt, Schlafsack, Isoliermatte, Werkzeug, Apotheke und natürlich genügen zu trinken und zu essen. Nicht dass man mit der Fotoausrüstung, Kleider, Zelt usw. nicht schon genug dabei hat, ebenso wichtig und auch ziemlich viel Platz beansprucht die Nahrung und Wasser. Deshalb spart man öfters bei der Nahrung und aus diesem Grund nimmt man Esswaren mit, die wenig Platz brauchen und man nicht viel Zeit für die Zubereitung verliert. Denn man ist schliesslich nicht zum Essen diese Strapazen auf sich genommen, sondern um zu fotografieren. Aus diesem Grund, packe ich öfters «Müsli-Riegel»! Es gibt sie ja in allen verschiedenen Geschmacksrichtungen, Riegel mit Äpfel, Orangen, Bananen, Schokolade, Honig, usw.…..natürlich kann man diese Riegel bald schon einmal nicht mehr sehen. Diese Riegel eignen sich gerade wenn man für einen Tag unterwegs ist, doch auch schon für das brauche ich etwas mehr. Da packe ich dann noch Obst in den Rucksack, Landjäger oder Cervelat mit einem Stück Brot eignen sich auch hervorragend. Auch Studentenfutter ist ideal für Unterwegs. Öfters habe ich auch einen Gaskocher mit, damit ich mir am frühen Morgen einen frischen Kaffee machen kann oder am Abend auch etwas Warmes kochen kann. Dann braucht man allerdings schon ziemlich viel Platz und hat einiges an Mehrgewicht: doch bin ich dann schon froh, wenn ich abends noch etwas Warmes essen kann. Je nachdem wie und wo ich unterwegs bin, gibt es nur was Kleines aus dem Beutel oder man kocht sich etwas Grösseres. Wenn wir in Australien unterwegs sind, dann haben wir einen kleinen Kühlschrank mit im Off-Roader und wir kochen uns jeden Abend etwas. Wir grillierten im Outback auch schon mal ein feines Steak, doch meistens gibt’s Teigwaren an einer Sauce, Baked Beans aus der Büchse oder Hamburger. Morgens essen wir dann Toastbrot mit Spiegeleier und Speck.

Nicht immer hat man einen so gewaltigen Anblick beim Frühstück.

Nicht immer hat man einen so gewaltigen Anblick beim Frühstück.

Doch bin ich hier in der Schweiz unterwegs, gibt es natürlich einfachere Mahlzeiten. Letzthin am Lauenensee machten wir abends nach dem Fotografieren ein Feuer und machten einen Cervelat über dem Feuer.

Cervelat bräteln am Lauenensee

Cervelat bräteln am Lauenensee

Sich unterwegs gesund zu ernähren ist nicht gerade immer so einfach, deshalb versuche ich zumindest immer ein paar Früchte dabei zu haben. Letztes Jahr in den Tessiner Bergen hatten wir Teigwaren und Tomatensauce hochgeschleppt, doch mussten wir bedauerlicherweise am Abend als wir die Teigwaren kochen wollten feststellen, dass wir eine falsche Gaskartusche mithatten. So gab es anstelle von Teigwaren nur wieder «Müsli-Riegel». Es macht aber auch immer wieder Spass abends nach dem fotografieren draussen vor dem Zelt noch was zu essen und die Natur zu geniessen – dies gehört genauso dazu, wie das Fotografieren. Auch die Abenteur und Erlebnisse drumherum gehören dazu, wie die Gewitter die an uns vorbeizogen an der Nacht am Lauenensee und dann diese bombastische Lichtstimmung am anderen Morgen. Auch wenn sich nicht das erhoffte Licht ergab, es war eine einmalig schöne Lichtstimmung. Eine Stunde später gerieten wir dann in einen heftigen Regenguss. Zum Glük waren wir aber dann schon im Auto auf dem Weg nach Hause. Innerhalb weniger Minuten waren die Strassen „überflutet“.Sturmlicht
Technische Details: Nikon D810, 24-70/f2.8 Objektiv (@36mm), ISO 64, f 11, 1/5 Sekunde, ND Grad Filter 0.6 soft, Polarizer

Unterwegs im Bärlauchwald

Der Frühling hat auch aus Landschafts-fotografischer Sicht einiges zu bieten. Da werden zum Teil auch Regionen attraktiv welche für den Rest des Jahres dann wieder weniger fotogen sind; das sind die blühenden Obstbäume, die Wiesen mit den Frühlingsblumen, Rapsfelder und das frische, saftige Frühlingsgrün. Besonders reizvoll nach einem Regenguss oder während es regnet. Und dann wäre da noch der Bärlauch. Wir haben hier einige schöne Bärlauchwälder. Vor zwei Wochen besuchte ich einer der wohl bekanntesten „Bärlauchwälder“ im Mittelland: den Sihlwald. Das Wetter war gerade perfekt dazu. Es regnete die Tage zuvor wie aus Kübeln und auch an diesem Tag war Regen angesagt. Als ich dann von Mettmenstetten Richtung Rifferswil, Kappel am Albis nach Sihlbrugg fuhr, begann es zu regnen und es war dicker Nebel. Es schien alles perfekt aufzugehen. Doch leider war dann die Stimmung im Sihlwald selber nicht mehr so neblig, dennoch war es ideales Wetter für mein Vorhaben. Der Zeitpunkt war auch perfekt. Der Bärlauchblüte war auf dem Höhenpunkt – in den höheren Regionen des Sihlwalds blühten aber erst vereinzelte. Regen, bewölkter Himmel und etwas Sonnenschein wechselten sich immer wieder ab doch gegen den Abend fing es dann wieder an in Strömen zu regnen. Ich mag es im Frühling im Wald unterwegs zu sein – am besten während es regnet oder nach einem Regenguss. Erst recht wenn der Bärlauch gerade am blühen ist. Da wird dann nicht nur das frische Frühlingsgrün intensiver und der Kontrast von den weissen Bärlauchblüten zu den verschiedenen Grüntönen wird noch hervorgehoben, nein auch der Bärlauchduft ist so nach einem Regenguss viel intensiver. Wo wir jetzt beim Nachteil der Bärlauchfotografie wären. Von den Gummistiefeln, welche ich meistens träge wenn ich im Wald unterwegs bin, aufwärts riecht man sehr intensiv nach Knoblauch. Wenn man dann noch eine tiefe Perspektive für sein Bild wählt, kommt man dem Bärlauch nochmals näher und man kriegt eine extra Portion Knoblauchduft in die Nase. Nicht jedermanns Sache. Auch Tage danach riecht die Fotoausrüstung noch danach – doch das alles entschädigt wenn man dann die fertigen Bilder am PC betrachten kann. So ein Wald voller Bärlauch erinnert mich irgendwie auch immer wieder an einen Märchenwald.Baerlauchwald-Sihlwald
Technische Details: Nikon D810, 24-70mm/f2.8 Objektiv (@29mm), ISO 125, f 11,           1 Sekunde, Polarizer

Outback Light

Was für viele andere Landschafts-Fotografen Island, Patagonien, die Lofoten oder auch Schotland ist, ist für mich Australien. Es gibt hier noch nicht viele Bilder von Australien – und wenn man sie sieht, sind es meistens die bekannten Orte. Da es hier unter Fotografen nicht so bekannt ist – zum Glück – und viele hier in Europa keinen Bezug haben, ist es natürlich nicht gerade sehr attraktiv hier in den sozialen Medien. Dennoch ist gerade auch dies der Reiz für mich. Nun, da in letzter Zeit wieder mal die Frage herumgeht ob diese Bilder auch der Realität entsprechen und nicht in etwa in Photoshop entstanden sind hier ein kleiner Beitrag wie und wo ein Bild entsteht. Ich habe schon früher darüber mal einen Blog Artikel geschrieben.
Ein Bild entsteht nicht alleine in der Kamera. Ein Bild entsteht meiner Meinung nach vereinfacht gesagt in 3 Schritten; ich erkunde erstmal eine Location, finde einen Spot und dann wächst eine Bildidee in meinem Kopf. Diese Idee kann schnell und spontan vor Ort kommen oder auch langsam mit der Zeit entstehen. Danach erst kommt das eigentliche „Fotografieren“! Wenn das Licht und die Komposition stimmt, fange ich mit den technischen Möglichkeiten der Kamera und mit Hilfsmittel wie Polarizer, Filter usw. die Stimmung ein – ich ernte somit das Licht! Was ich da fotografiere ist kein Endprodukt! Ein Bild direkt aus der Kamera gibt es nicht! Ich fotografiere in RAW, was die meisten heute machen, zumindest in der Landschaftsfotografie, somit bedingt schon das, dass ich meine Bilder nachbearbeite. Doch das was wir als RAW in Lightroom oder Adobe Camera RAW sehen ist schon eine bearbeitete Datei – also nicht das ursprüngliche RAW. Diese Datei hat schon eine massive Bearbeitung hinter sich. Dazu kommt ein weiterer Aspekt wieso man Bilder „entwickeln“ sollte: die Kamera sieht anders als ich. Die Kamera nimmt Dinge anders wahr als ich. Also das was ich mit der Kamera fotografiere und auf den Sensor banne, sind Informationen und die müssen so perfekt wie möglich sein. Dafür ist es wichtig, dass man die Kamera beherrscht. Man kann auch heute nicht aus einem schlecht fotografierten Bild ein Meisterwerk machen!
So kommt dann im dritten Schritt für die Entstehung eines Bildes noch die „Digitale Dunkelkammer“ – die Bildbearbeitung oder wie man heute so schön auf Englisch sagt „Post Processing“ dazu. Dort entwickelt man das Bild so wie man die fotografierte Szene in diesem bestimmtenMoment gesehen und gefühlt hat. Man korrigiert Farben, Sättigung,Kontraste usw. undversucht die auch die bestmögliche Qualität aus der Datei herauszuholen – dazu verwendet man eben manchmal auch das Überblenden mehrerer Aufnahmen oder verwebdet das „Double Processing“. All dies ist kein Muss und muss nicht bei allen Bildern angewandt werden. Eigentlich macht man nichts anderes als früher zur analogen Zeit in der Dunkelkammer.
Natürlich hat man heutzutage mehr Möglichkeiten zur Verfügung um ein Bild zu bearbeiten und fast jeder hat Zugang du diesen Werkzeugen – sprich Software – somit kann man natürlich auch ein Bild in Photoshop erstellen. Das ist dann allerdings nicht mehr Fotografie im ursprünglichen Sinne – sondern vielmehr „Composing“.
Ich für mich nutze die technischen Möglichkeiten unserer Zeit aus damit ich das Bild so wiedergeben kann wie ich diesen Moment gesehen, erlebt und gefühlt habe. Um dies zu erreichen benutze ich die Technik in der Kamera und auch die digitale Bildbearbeitung. Die digitale Bildbearbeitung gehört zum fotografieren wie früher die Dunkelkammer!Outback-Light
Technische Details: Nikon D800e, 14-24mm/f2.8 Objektiv (@20mm), ISO 100, f 11, 1/60 Sekunde, Double Processing

Apostels Dawning (Die Reise)

Manchmal bin ich mir nicht sicher ob ich mich am Anfang oder am Ende einer Reise befinde. Doch wenn ich mich länger damit beschäftige und meinen Gedanken auf den Grund gehe, komme ich immer zum selben Ergebnis: ich bin auf einer Reise und ich bin mittendrin! Das Leben ist eine Reise. Was ich auch immer mache und was ich auch immer anpacke, es ist ein Kapitel auf meiner Reise durchs Leben. Ich habe Ziele, kleinere und grössere, aber diese sind eigentlich nur Stationen auf meiner Reise. Das eigentliche Ziel ist die Reise selber. Vielleicht ist Reisen auch die Sehnsucht nach dem Leben.
Ein wichtiger Bestandteil meiner Reise ist die Fotografie – und so wie das Leben selbst, ist auch die Fotografie für mich eine Reise. Wäre ich am Ende dieser Reise angelangt, gäbe es für mich nichts Neues mehr, nichts neues mehr zu fotografieren und auch nichts neues mehr zu entdecken. Immer wieder neues entdecken und neues sehen und sich den Herausforderungen des Lebens stellen. Das ist Leben! Das Leben will ich nicht nur sehen sondern spüren! Es ist die Neugier die mich immer wieder antreibt – die Neugier neues zu entdecken, aber auch altes Bekanntes neu zu zeigen.

Wäre ich am Ende dieser Reise, dann gäbe es für mich auch nichts Neues mehr zu sehen, keine neuen Ansichten und keine Kreativität mehr, keinen Ansporn, keine Inspiration und keine Freude mehr. Dann gäbe es für mich auch keine neuen Abenteuer und keine neuen Erlebnisse mehr. Es ist eine Reise nach dem perfekten Bild: immer und immer wieder. Doch es ist nicht das Bild alleine. In Wahrheit ist es viel mehr: es ist eine Reise nach Glück, Freiheit, Zufriedenheit und Frieden. Es geht nicht nur um das Bild oder was wir auf dem Bild sehen können. Es geht was im Bild drin ist. Ein Bild ist kein Endprodukt in dem Sinne. Ein Bild ist ein Kapitel auf der Reise welches dieser Lebensabschnitt wiederspiegelt und diesen einen Moment so wie ich ihn gesehen und gespürt habe. Es ist nicht die Realität der Masse, sondern es ist ein Bestandteil von mir in diesem Moment den ich erleben durfte. Es ist die Neugier, die Freude und die Leidenschaft die mich vorantreibt.
Vielleicht ist Reisen auch die Sehnsucht nach dem Leben.
Dieses Bild entstand am Ende unserer letzten Reise durch Australien im Port Campbell National Park. Es war vielleicht am Ende dieser Reise aber am Anfang einer neuen Reise. Ich weiss schon jetzt was ich dort bei meinem nächsten Aufenthalt umsetzen möchte.
Die Twelve Apostels während der Morgendämmerung.Apostels-Dawning
Technische Details: Nikon D800e, 24-70mm/f2.8 Objektiv (@48mm), ISO 100, f 13, ½ Sekunde, Double Processing

Unterwegs bei den Gastlosen

Nachdem ich die Gastlosen jetzt schon mehrmals im Sommer besuchte, wollte ich die Schönheit dieser Landschaft jetzt auch mal im Winter fotografieren. Der erste Versuch Ende letzten Jahres scheiterte, als ich die Gastlosen von oben fotografieren wollte. So versuchte ich es Anfang Februar 2016 noch einmal – diesmal aber wollte ich von Jaun aus zum Chalet du Soldat wandern. Die Woche vorher überlegte ich mir lange wohin es am Wochenende gehen sollte – doch irgendwie passte mir nichts. Doch als es gegen Ende Woche Schnee bis in tiefe Lagen gab, dachte ich plötzlich wieder an die Gastlosen. Ich schaute mir am Tag zuvor die Webcam vom Chalet du Soldat an und es sah vielversprechend aus. Doch wusste ich auch, dass am Samstag schon wieder eine Warmfront kommt und ab Samstagnachmittag sollte Föhn aufkommen. Föhn sorgt in den Alpen immer wieder für interessante Bedingungen, doch es kann durchaus auch eher langweilig werden. Ein weiterer Nachteil, waren die warmen Temperaturen. Am Freitagabend waren die Tannen alle noch weiss – von dem war am Samstag leider nichts mehr zu sehen. Dennoch, dachte ich, es könnte vielversprechend sein. Zusammen mit Jacqueline Fellmann (Jacqueline Fellmann Photography), machte ich mich am Samstag Früh dann auf den Weg in die Fribourger Alpen. Das Wetter war ok, nicht gerade berauschend um zu fotografieren, doch wir wussten das kann sich jederzeit ändern. Angekommen an unserem Ausgangspunkt für die Wanderung im Dorf Jaun, montierten wir die Schneeschuhe und machten uns auf den Weg zum Chalet du Soldat. Ich rechnete mit 3 Stunden Wanderzeit, doch es wurden 4 daraus mit ein paar Pausen unterwegs. Es war relativ warm für einen Februar-Tag und man konnte eigentlich schon fast im T-Shirt wandern. Schnee war genügend vorhanden um ein «Winter-Feeling» zu bekommen. Immer wieder machten wir eine kleine Verschnaufpause und bestaunten die Gipfeln der Gastlosen. Da wir genügend Zeit einplanten, mussten wir uns auch nicht beeilen. Der Aufstieg war anstrengend aber zu gleich auch sehr schön und im späteren Nachmittag erreichten wir dann das Chalet du Soldat auf der Krete. Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Berghütte, machten wir uns weiter auf den Weg und wanderten der Krete entlang zu unserem Abendspot. Inzwischen hat sich das Wetter zu unseren Gunsten entwickelt. Interessante Föhnwolken am Himmel und die Sonne fand immer wieder einen Weg durch die Wolken und zauberte wunderschönes goldenes Licht auf die verschneite Berglandschaft. So konnten wir schon vor Sonnenuntergang ein paar Bilder machen. Plötzlich ging alles schnell, die Gastlosen fingen an zu leuchten und man konnte beobachten anhand dem Schatten auf der Gebirgskette wie schnell die Sonne jetzt hinter dem Horizont versank. Kurz darauf war das Licht auf den Gastlosen weg, doch gegen Westen färbte sich der Himmel jetzt in Goldgelb, Rot und Magenta und bot uns ein fulminantes Abschlussfeuerwerk eines schönen Winterabends. Der Wind wurde jetzt immer stärker und stärker und man konnte kaum noch aufrecht gehen. Höchste Zeit die Krete und diese exponierte Lage zu verlassen und zur Berghütte zurück zu gehen. Dort erwärmten wir uns dann noch an einer Suppe, bevor wir uns auf den Rückweg nach Jaun machten. Der Abstieg dauerte viel weniger lange und schon nach nur 90 Minuten waren wir wieder an unserem Ausgangspunkt in Jaun.Gastlosen - Bathed-in-Gold
Technische Details: Nikon D810, 24-70/f2.8 Objektiv (@35mm), ISO 64, f 11,
1/800 Sekunde,Pano aus 11 Einzelaufnahmen, double processing Gastlosen-Evening-Glow
Technische Details: Nikon D810, 24-70/f2.8 Objektiv (@24mm), ISO 80, f 10,
1/40 Sekunde, Pano aus 14 Einzelaufnahmen, double processingGastlosen-Bergfeuer
Technische Details: Nikon D810, 70-200/f2.8 Objektiv (@110mm), ISO 200, f 8,
1/60 Sekunde, double processing

Full Moon Rising (Gedanken zum Post Processing)

Es gibt heute immer noch viele Menschen, Fotografen wie auch nicht Fotografen, welche darauf bestehen und davon überzeugt sind, dass der einzig richtige und wahre Weg ist, dass ein Bild fertig aus der Kamera kommen muss. So zu sagen „Out of the box“! Ein wahrer Fotograf macht perfekte Bilder in der Kamera. Diese Leute meinen auch ein Bild welches in Lightroom, Adobe Camera RAW oder Photoshop nachbearbeitet worden ist, ist manipuliert und habe nichts mit der Wirklichkeit zu tun. Ich wiederspreche dieser Ansicht!
Es gibt nichts, dass ein Bild mehr verfälscht und einen Fotografen künstlerisch wie auch technisch mehr einschränkt, als ein Bild welches fix-fertig aus der Kamera kommen muss.
Basierend auf der Grundlage wie Kamerasensoren arbeiten, ist es der sicherste Weg die Bildqualität zu minimieren und man erreicht selber nicht viel ausser dass man sich selber viele Hindernisse in den Weg stellt und sich selber unnötig einengt, so als ob man nur ein paar Worte zur Auswahl hätte um sich sprachlich auszudrücken.

Die Landschaftsfotografie hat sich während den letzten ungefähr 100 Jahren immer weiter entwickelt und hat auch Änderungen durchgemacht welche sich die Pioniere von damals wahrscheinlich kaum hätten vorstellen können. Es ist aber ein grosses Missverständnis, dass Ansel Adams seine Meisterwerke „in der Kamera“ machte!!! Nein, das hat er nicht. Er machte eine gute und perfekte Belichtung mit der Kamera und erstellte seine Meisterwerke in der Dunkelkammer mit verschiedenen Techniken.
Wieso ich das hier betone? Wenn heutzutage ein Künstler/Fotograf zugibt, dass er für ein „Fine-Art-Print“ über 3 Stunden in Photoshop gearbeitet hat um sein endgültiges Bild zu entwickeln/bearbeiten, dann ist die allgemeine Meinung, dass es sich hier um ein Produkt handelt welches in Photoshop, sprich Computer, entstanden ist und kein eigentliches Foto mehr ist! Jeder professioneller Landschaftsfotograf ist heute diesem Vorwurf ausgesetzt und muss sich mit diesem Problem auseinander setzen. Tatsache ist, dass dieses „Fertig-aus-der-Kamera-Einstellung“ in den frühen 70er Jahren ihren Ursprung hatte, als die Farbfotografie stark aufgekommen ist. Es war für die meisten Fotografen einfach nicht möglich Farb-Negative zu entwickeln und somit übernahmen Fotolabore ihre Arbeit. Man hat den Film an das Labor gesendet und erhielt das fertige Bild oder das Dia.
Nun, die digitale Fotografie ermöglicht heute dem Fotografen mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen seine Bilder wieder selber zu entwickeln, so wie zu Zeiten von Ansel Adams. Was früher in der Dunkelkammer gemacht wurde, macht man heute am PC mit Photoshop, Adobe Camera Raw, Lightroom, etc., im sogenannten „digital Darkroom“!
Was ich damit sagen möchte ist, dass sich die Technik massiv gewandelt hat in den letzten Jahren, aber die Grundfunktion, also die Basis, immer noch die gleiche ist: es geht darum Licht einzufangen!!! Mit der Kamera fange ich also das Licht ein, beim „entwickeln“ kreiere ich mit den Informationen welche ich eingefangen habe, mit Hilfe verschiedener Techniken mein Bild! Post-Processing ist also, genauso wie die Vision, das Sehen und das eigentliche fotografieren selber, ein wichtiger Bestandteil für ein grossartiges Foto.Full Moon RisingTechnische Details: Nikon D810, 70-200mm Objektiv (@200mm) & 2fach Konverter(Brennweite 400mm), ISO 64, f 10, 1/6 Sekunde, Double Processing, eine Bearbeitung für den Vordergrund (Mittlere und Dunkle Bereiche), eine zweite Bearbeitung für die Highlights, dazu sind diese zwei Bearbeitung auch noch unterteilt (eine mit Capture Sharpening und eine ohnefür einen schönen weichen Himmel). Manuell überblendet in Photoshop

Icescapes (Sehen lernen)

Ich erinnere mich an eine Tour welche ich vor vielen Jahren mit einem Navajo Indianer im Monument Valley gemacht habe. Wir waren mit einem 4×4 abseits der touristischen Pfaden unterwegs mit dem Ziel das Monument Valley zu erkunden und einige Fotos zu machen. Dabei lernte ich noch vieles über die Kultur und Lebensweise der Navajo Indianer. Doch die eigentliche Lektion dieser Tour wurde mir erst viel später bewusst. Ich lernte was es bedeutet „zu sehen“. In anderen Worten machte er mir klar wie wir „sehen“ und was es heisst „bewusst zu sehen“ und die Umgebung welche uns umgibt wahr zu nehmen. Er sah Dinge und machte mich darauf Aufmerksam welche ich ohne Ihn niemals gesehen oder wahrgenommen hätte. Sehen ist nicht gleich sehen. Einmal fragte er mich:“Hey, was siehst Du da vorne?“ und er deutete mit seiner Hand auf eine Felsformation in der Ferne. Ich schaute in die Richtung in welche seine Hand zeigte und sah ein paar rot leuchtende Felsen welche sich in der Distanz vom Tal erhoben. Ein atemberaubender Anblick! Ich sagte Ihm was ich sah und er erwiderte bloss: „Look closer! Look closer! Was siehst Du?“ Ich hatte keine Ahnung was ich hätte sehen oder erkennen sollen, doch zu meinem Erstaunen sah er dort einen Elefanten. „Einen was?“, fragte ich verdutzt. „Einen Elefanten!“. Dachte zuerst er will mich veräppeln. Im Monument Valley gibt es keine Elefanten. Doch erneut deutete er mit der Hand zu den Felsen und zeigte mir was er in den Felsen sah. Er hatte Recht. Im Monument Valley gibt es einen Elefanten. Als ich mich konzentrierte, die Linien und Formen der Felsen studierte, erkannte ich den Elefanten auch. Es braucht Fantasie, Vorstellungsvermögen und Sehvermögen. Nicht einfach oberflächliches Sehen, sondern bewusst sehen und die Umgebung wahrnehmen. Eine Eigenschaft welche man beim fotografieren auch benötigt.
Fotografieren heisst „Malen mit Licht“. Doch bevor man mit Licht malen kann, muss man sein Motiv sehen. Also so können wir doch auch sagen, fotografieren bedeutet unter anderem auch „Sehen“. Was mir dieser Navajo Indianer verdeutlichte ist vorallem eines; je besser man eine Gegend kennt und mit Ihr vertraut ist, diese Landschaft kennt, man sich Zeit nimmt die Landschaft auf sich wirken zu lassen und bereit ist „zu sehen“, je besser erkennt man Dinge welche einem sonst verborgen bleiben.
Er sieht bestimmt nicht besser als ich, doch er kennt seine Umgebung und lebt mit ihr. Er erkennt somit jedes kleines Detail und nimmt jede Änderung wahr.
Eine Landschaft fotografisch sehen und darin das Motiv erkennen funktioniert meiner Meinung nach ähnlich. Wenn man sich zufrieden gibt immer nur „x-tausendmal-fotografierte“ Landschaften zu fotografieren wird man meiner Meinung nach auch nie lernen selbständig zu sehen, seinen eigenen Blick auf die Landschaft und das Motiv zu haben. Dazu kommt noch, dass dein Portfolio den anderen Fotografen ähnelt und du nur ein Bild unter vielen von dieser Landschaft hast. Wenn man eine beliebte und bekannte Landschaft fotografiert welche man von hunderten von Bildern her kennt, läuft man auch Gefahr von den anderen Komposition beeinflusst zu sein und man vergisst das selbständige sehen. Man erreicht sein Motiv, ist fasziniert von der Landschaft, stellt sein Stativ an der erst besten und bequemsten Stelle auf ohne sich weiter mit der Situation und der Umgebung vertraut zu machen. Somit hast du keine Möglichkeit dein eigenes Sehen zu schulen und du kannst nicht das volle Potential dieser Landschaft für dich herausholen.
Ich lerne täglich wieder neu zu sehen. Die Fähigkeit zu sehen ist wie ein Muskel – es braucht ständiges Training. Hört man mit dem Training auf bilden sich die Muskeln wieder zurück. So ist es auch mit dem „Sehen“.
Man kann sich die Fähigkeit „fotografisch“ zu sehen bis zu einem gewissen Grade aneignen, doch den Zeitpunkt wo man sagen kann, jetzt kann ich „Sehen“ gibt es für mich nicht. Es ist ein ständig immer weiterentwickelnder Prozess des Experimentierens, Beobachtens, Suchen und Erkunden. Es ist eine Reise und der Weg das Ziel ist.Icescapes-OeschinenseeTechnische Details: Nikon D810, 24-70mm Objektiv (@24mm), ISO 64, f 11, 1/10 Sekunde, 14 Belichtungen mit unterschiedlicher Fokussierdistanz (manuell fokussiert) für maximale Schärfe, überblendet in Photoshop