Go Dark – Dramatische & Stimmungsvolle Bilder fotografieren

Landschaftsfotografen lieben stimmungsvolle und dramatische Bilder. Auch ich liebe es wenn es viele Wolken am Himmel hat mit einer kleinen Lücke wo das Sonnenlicht durchscheinen kann. Solche Stimmungen einzufangen sind aber manchmal gar nicht so einfach: das RAW Bild sieht öfters weniger spektakulär aus, als es wirklich war. Das Bild sieht weniger dramatisch und nicht so stimmig aus als dass Bild welches du eigentlich machen wolltest. Das liegt unter anderem auch daran, dass wir beim Fotografieren darauf achten sollten eine ausgewogene Belichtung zu erzielen. Das bedeutet, dass wir weder rechts noch links vom Histogramm abgeschnittene Tonwerte haben. Optimal sollte das Histogramm so aussehen wie ein Berg. Ausgewogen belichtete Bilder liefern ein Histogramm, das an beiden Seiten bis auf die horizontale Achse herunterreicht. In diesem Fall kann man davon ausgehen, dass sowohl die dunkelsten, als auch die hellsten Stellen des Bildes noch Zeichnung aufweisen. Solche Aufnahmen sind ideales Ausgangsmaterial, um nachträglich eine Feinanpassung der Gesamthelligkeit vorzunehmen. Auch bei der RAW-entwicklung gilt, dass man die Aufnahme so anpasst, dass in den Dunklen Bereichen wie in den hellen Bereichen immer noch Zeichnung vorhanden ist. In der Regel erhöht man etwas die Schatten und zieht die Highlights etwas nach unten, erhöht die Kontraste und die Sättigung etwas und man hat ein fertiges Bild. Das mag in vielen Fällen zu schönen Ergebnissen führen, aber es kann durchaus sein, dass das Bild nicht die Stimmung so wiedergibt wie man es erlebt hat, oder es nicht die Stimmung nicht ganz die Intensität hat, welche man am Betrachter des Bildes übermitteln will. In meinem Fall überbelichte ich meine Bilder bei der Aufnahme vor Ort immer ein wenig, um bessere Bildqualität zu erreichen, was mir bei der Bildbearbeitung mehr Möglichkeiten offen lässt.
Meine Vorgehensweise bei der RAW-Entwicklung ist öfters anders als man in den meisten Workshops lernt. Es geht hier aber nicht darum was richtig oder falsch ist, sondern um den persönlichen Still und was man am Betrachter zeigen möchte. Und es ist wie so oft, es gibt viele Wege zum gewünschten Ziel.
Ich verringere in der Nachbearbeitung erstmal die Belichtung, erhöhe dann mit den Highlights-Schieberegler die Helligkeit wieder damit ich einen Glanz ins Bild bekomme und den allgemeinen Kontrast im Bild aufrechterhalten wird und somit verhindert, dass das Bild flach und kontrastarm aussieht. Die betonten Highlights lenken die Aufmerksamkeit auf die leuchtenden Stellen im Foto und geben ihnen noch mehr visuelle Bedeutung. Weil ich die Belichtung verringert habe, muss ich jetzt evtl. auch noch die Schatten wieder etwas aufhellen und gebe zudem mit dem Schwarz-Regler und dem Tiefen-Regler noch etwas mehr Kontrast in die dunklen Bereiche meines Bildes, indem ich den Schwarz-Regler etwas nach links ziehe und den Tiefen-Regler etwas nach rechts ziehe.
Es ist aber ganz wichtig, dass man dies erst in der Nachbearbeitung macht und nicht schon die Aufnahme etwas unterbelichtet. Die Aufnahme sollte, wie oben erwähnt, optimal und ausgewogen belichtet sein. Wenn man das Bild unterbelichtet fotografiert, riskiert man dass man eine niedrige Bildqualität hat, Rauchen erzeugt und man unter Umständen in den Schatten keine Zeichnung mehr hat. Mit einer perfekten Belichtung, haben wir das bestmögliche Ausgangsmaterial für die Nachbearbeitung und können somit die gewünschte und erlebte Stimmung wiedergeben.
Diese Technik habe ich bei diesem Bild vom Aletschgletscher mit dem Titel «The Arena» fotografiert vom Eggishorn angewandt. Das Bild habe ich bei der Aufnahme vor Ort etwas überbelichtet, gerade so viel, dass ich keine ausgefressene lichter hatte, bei der Nachbearbeitung die Belichtung verringert habe, die Highlights danach wieder erhöht, etwas mehr Schwarz-Anteil gegeben, die Tiefen hochgezogen, Klarheit auf ca. 20, Sättigung reduziert auf -15, Dynamik etwas erhöht und in Photoshop mit «Dodge & Burn» lokale Anpassungen vorgenommen.Aletschgletscher-Eggishorn
Technische Details: Nikon D810, 14-24/f2.8 Objektiv (@14mm),
ISO 64, f 11,  1/10Sekunde

Wieso mache ich dieses Bild

Wieso haben wir dieses oder jenes Bild gemacht und wieso habe ich dies gerade in diesem Moment fotografiert?
War es eine Stimmung, eine Emotion, eine schöne Landschaft oder vielleicht auch eine interessante Stadtansicht – oder war es vielleicht wie das Licht mit der Landschaft zusammen spielte, Formen und Muster welche wir wahrnehmen oder war es der Farbkontrast? Es gibt auf diese Frage so viele Möglichkeiten und Antworten wie es auch Fotografen auf dieser Welt gibt!
Die Frage ist vielmehr warum ich gerade dieses bestimmte Bild in diesem bestimmten Moment machte und was möchte ich damit sagen und zeigen!
Es geht hier nicht um die Motivation wieso wir fotografieren sondern um die Motivation und das Warum eines bestimmten Bildes: Warum habe ich gerade dieses Bild gemacht!
Es muss ja einen Grund geben, wieso ich gerade dieses Bild in diesem Licht mit dieser Komposition als gut und fotogen empfunden habe!
Alles beginnt doch mit einer Vision oder einer Idee – diese Vision ist da bevor man eigentlich bei seiner Location ist und vorallem bevor man die Kamera aus der Kameratasche genommen hat. Zumindest ist das bei mir so! Ideen kommen mir beim erkunden einer Landschaft oder wenn ich vielleicht Bilder anderer Fotografen anschaue. Diese Ideen sind vielmehr Inspirationen welche ich mit einer meinen Visionen oder Ideen kombinieren kann und in meiner bevorzugten Landschaft oder einer Landschaft die ich gerade am erkunden bin umsetzen kann. Es ist auf eine Weise, ein Archiv mit Ideen, Informationen und Visionen welche ich aus meinem Gedächtnis abrufen kann – eine Vision kann aber nicht einfach so schnell entstehen.
Eine Vision ist nichts anderes als die Kunst des Sehens kombiniert mit der Fähigkeit dieses Subjekt logisch und harmonisch in einem bestimmten Licht in den von der Kamera vorgegebenen Rahmen zu komponieren und dementsprechend interessant darin zu platzieren.

Da ja ein Bild auch Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Personen ist, ist es deshalb auch schon wichtig, dass man weiss bevor man fotografiert, was man dem zukünftigen Betrachter seines Bildes zeigen oder mitteilen möchte. Wenn man mit einem anderen Menschen ins Gespräch kommen will, überlegt man sich im Grunde zuerst auch vorher was man sagen will und reiht nicht einfach sinnlos ein Wort nach dem anderen zu einem Satz zusammen. Genau gleich ist es beim fotografiere!
Ansel Adams hat ja schon gesagt „Bei jedem Bild sind immer zwei Menschen beteiligt: Der Fotograf und der Betrachter“
Wenn wir also jetzt mit den Betrachter unserer Bilder kommunizieren möchten, müssen wir eine klare Sprache sprechen damit unser Gegenüber uns auch verstehen kann, uns zuhört und wir seine Aufmerksamkeit haben.
Ein Bild ist vielmehr als nur der Moment wo man den Auslöser betätigt, der Verschluss sich öffnet bis dieser sich wieder schliesst. Nein, ein Bild fängt viel früher an – mit einer Idee, Inspiration welche sich dann zu einer Vision bildet. Dann kommen unzählige Besuche der Location bis endlich die Bedingungen stimmen, die Komposition, das warten und schlussendlich der Moment wo man das Licht auf den Sensor bannt. Jetzt geht es aber noch zum nachbearbeiten, denn dass was man bis jetzt hat sind bloss Daten welche man jetzt noch verfeinern muss. So zu sagen man gibt dem Bild jetzt noch die Würze. Hier entscheidet sich, was man beim Betrachter auslöst und was man selber ausdrücken möchte.

Wieso ich gerade dieses Bild machte oder dies in diesem Licht fotografierte in dieser bestimmten Stimmung, lässt sich nicht in einem Satz beantworten. Grundsätzlich fängt dies, wie oben schon erwähnt mit einer Idee an welche zu einer Vision werden kann und schlussendlich einen Reifeprozess durchmacht. Vor Ort setze ich dann meine Vision um. Manchmal wird aus dieser Vision dann ein Bild und manchmal ergibt sich vor Ort eine unerwartete Situation und es ergibt sich spontan eine neue Bildidee, welche ich dann wieder bildlich umsetze. Ich möchte dem Betrachter nicht nur ein dokumentarisches Bild zeigen, sondern ihn mitnehmen auf eine Reise durch mein „Ich“ von diesem speziellen Moment. Ich möchte ihm zeigen was ich fühlte, wie ich diesen Moment erlebt habe und möchte ihm aber auch genug Freiraum lassen für eine eigene Interpretation.
Als Fotograf finde ich es wichtig, dass man sich bei jedem Bild für sich selber die Frage stellt „Wieso und warum mache ich dieses Bild?“ Hat man keine Antwort auf diese Frage, dann ist es so als ob man redet aber nicht weiss was man sagen möchte. Man redet einfach um des Redens willen! Jetzt liegt es an jedem einzelnen ob er einfach fotografiert damit man fotografiert hat, oder man mit dem Betrachter kommunizieren möchte – ihm was mitteilen möchte!Schäfler-Appenzell
Technische Details: Nikon D810, 14-24mm/f2.8 Objektiv (@14mm), ISO 200, f 14,
1/13 Sekunde, ND Grad Filter 0.6 Soft

 

 

 

 

 

 

Die Kraft eines Bildes

Diesen Ort kenne ich schon einige Zeit, doch ist dieser total in Vergessenheit geraten in den letzten paar Jahren bis ich vor wenigen Wochen im Internet nach neuen Locations suchte.
Ganz spontan besuchte ich dann diesen Ort ein paar Tage später und kombinierte diesen Spot noch mit einer anderen Location in der näheren Umgebung welche ich schon länger besuchen wollte.
Als ich dann Frühmorgens, noch vor Sonnenaufgang in stockfinstere Nacht, zu dieser Schlucht runter wanderte, hoffte ich doch sehr, dass es etwas neblig sein würde unten in der Schlucht und es schon ein wenig herbstlich angehaucht. Es war ja auch schon fast Ende September. Es herrschten keine schlechten Bedingungen an jenem Morgen, doch auch nicht gerade dass was ich erhoffte! Als sich der Himmel ober mir langsam Magenta zu färben begann, machte ich meine ersten Aufnahmen. Als ich das Bild auf dem Kameramonitor kontrollierte machte ich mir einige Gedanken – unter anderem auch ob die Bedingungen genug hergeben würden, für ein interessantes Bild. Mir gefiel es und wenn es mir gefällt, kann es durchaus auch sein, dass es jemand anderem gefallen könnte. Wir leben heute in einer Welt, wo jeden Tag x-millionen neue Bilder in der ganzen Welt gemacht werden. Jedes Mal, wenn wir den Auslöser betätigen, zeigen wir der Welt wie wir diesen Ort in diesem Moment wahrgenommen und gesehen haben. Oftmals machen wir das auch ganz unbewusst ohne uns gross Gedanken zu machen, wieso wir gerade dies in diesem Moment fotografieren. Manchmal habe ich auch schon gedacht, als ich die Bilder zu Hause am Monitor betrachtete, ob ich nicht was hätte besser machen können. Da erinnerte ich mich plötzlich an einen Artikel den ich vor knapp einem Jahr gelesen habe, geschrieben von einem australischen Fotografen. Er erzählte davon wie er vor Jahren an einer Ausstellung einen Verkaufsstand hatte und seine Bilder verkaufte, als eine ältere Dame, ungefähr Mitte achtzig, eines seiner Bilder sehr lange anschaute. Sie studierte das Bild mit einer Hingabe und Konzentration wie er noch nie jemand seine Bilder betrachten sah. Nach einer gefühlten Ewigkeit trat die ältere Dame zu ihm und fragte ob man das Bild kaufen könnte. Er antwortete mit «Ja» aber fragte die Dame «ob Sie sich wirklich sicher sei, dass Sie das Bild kaufen wolle», da solche Bilder nicht gerade günstig zu kaufen sind. Das entsprechende Bild kostete 2000.- Dollar. Die Dame antwortete ihm: «Wenn ich es nicht haben möchte, hätte ich Sie ja auch nicht gefragt!»
Die alte Dame schaute den Fotografen mit wässrigen Augen an und sagte ihm: «Ich weiss was sie jetzt denken! Für was will eine alte Frau so viel Geld ausgeben für ein einfaches Bild?» «Aber wissen» fuhr die Dame fort, «kein Geld auf der Welt kann das kaufen was dieses Bild mir bedeutet und es mir Wert ist!»
Der Fotograf war sehr berührt und die alte Dame begann zu erzählen warum das Bild ihr so viel bedeutet. Ihr verstobener Ehemann und sie campierten ihr ganzes Leben lang in dieser Gegend und dieser Spot von wo aus dieser Fotograf dieses Bild machte, war genau der Platz wo Sie ihr Auto immer parkten. Genau dieser Ort war es wo sie öfters auf ihren Auto sassen und die Landschaft vor ihren bewunderten. Von da aus bewunderten sie viele Sonnenaufgänge und genossen unzählige Abendstunden. Die alte Frau erzählte weiter: «Ich möchte diesen Print haben und diesen bei mir an die Wand hängen, damit ich jeden Abend bevor ich zu Bett gehe, diesen Ort wieder vor mir sehe und ihr Bild das letzte ist was ich abends sehe bevor ich einschlafe. Mit ihrem Bild, kommen alle diese schönen Erinnerungen wieder zurück und werden noch einmal lebendig in mir während ich langsam einschlafe. Kein Geld dieser Welt kann mir das kaufen! Ich bin so Dankbar dass ich dieses Bild entdeckt habe, denn dieser Ort ist mein zweites zu Hause.»
Eine sehr bewegende Geschichte. Und ja, es stimmt eben doch. Man sollte nie die Kraft eines Bildes unterschätzen. Vielleicht ist es nicht dein bestes Bild, aber für irgendjemand da draussen mag es eine grosse Bedeutung haben.
Es freut mich persönlich auch jedes Mal, wenn ein Bild, welches ich nur als «durchschnittlich» empfand, bei jemandem eine Erinnerung weckt oder diese Person sich mit dem Bild verbunden fühlt.
Was für dich oder mich vielleicht nur eine schöne Landschaft oder ein netter Sonnenuntergang ist, kann für jemand die Welt bedeuten und es beschwört schöne Erinnerungen hoch an eine längst vergangene Zeit.Maerchenwelt                                              Technische Details: Nikon D810, 24-70mm Objektiv (@24mm), ISO 64, f 11, 60 Sekunden, Polarizer