Unterwegs bei den Gastlosen

Nachdem ich die Gastlosen jetzt schon mehrmals im Sommer besuchte, wollte ich die Schönheit dieser Landschaft jetzt auch mal im Winter fotografieren. Der erste Versuch Ende letzten Jahres scheiterte, als ich die Gastlosen von oben fotografieren wollte. So versuchte ich es Anfang Februar 2016 noch einmal – diesmal aber wollte ich von Jaun aus zum Chalet du Soldat wandern. Die Woche vorher überlegte ich mir lange wohin es am Wochenende gehen sollte – doch irgendwie passte mir nichts. Doch als es gegen Ende Woche Schnee bis in tiefe Lagen gab, dachte ich plötzlich wieder an die Gastlosen. Ich schaute mir am Tag zuvor die Webcam vom Chalet du Soldat an und es sah vielversprechend aus. Doch wusste ich auch, dass am Samstag schon wieder eine Warmfront kommt und ab Samstagnachmittag sollte Föhn aufkommen. Föhn sorgt in den Alpen immer wieder für interessante Bedingungen, doch es kann durchaus auch eher langweilig werden. Ein weiterer Nachteil, waren die warmen Temperaturen. Am Freitagabend waren die Tannen alle noch weiss – von dem war am Samstag leider nichts mehr zu sehen. Dennoch, dachte ich, es könnte vielversprechend sein. Zusammen mit Jacqueline Fellmann (Jacqueline Fellmann Photography), machte ich mich am Samstag Früh dann auf den Weg in die Fribourger Alpen. Das Wetter war ok, nicht gerade berauschend um zu fotografieren, doch wir wussten das kann sich jederzeit ändern. Angekommen an unserem Ausgangspunkt für die Wanderung im Dorf Jaun, montierten wir die Schneeschuhe und machten uns auf den Weg zum Chalet du Soldat. Ich rechnete mit 3 Stunden Wanderzeit, doch es wurden 4 daraus mit ein paar Pausen unterwegs. Es war relativ warm für einen Februar-Tag und man konnte eigentlich schon fast im T-Shirt wandern. Schnee war genügend vorhanden um ein «Winter-Feeling» zu bekommen. Immer wieder machten wir eine kleine Verschnaufpause und bestaunten die Gipfeln der Gastlosen. Da wir genügend Zeit einplanten, mussten wir uns auch nicht beeilen. Der Aufstieg war anstrengend aber zu gleich auch sehr schön und im späteren Nachmittag erreichten wir dann das Chalet du Soldat auf der Krete. Nach einem kurzen Zwischenstopp in der Berghütte, machten wir uns weiter auf den Weg und wanderten der Krete entlang zu unserem Abendspot. Inzwischen hat sich das Wetter zu unseren Gunsten entwickelt. Interessante Föhnwolken am Himmel und die Sonne fand immer wieder einen Weg durch die Wolken und zauberte wunderschönes goldenes Licht auf die verschneite Berglandschaft. So konnten wir schon vor Sonnenuntergang ein paar Bilder machen. Plötzlich ging alles schnell, die Gastlosen fingen an zu leuchten und man konnte beobachten anhand dem Schatten auf der Gebirgskette wie schnell die Sonne jetzt hinter dem Horizont versank. Kurz darauf war das Licht auf den Gastlosen weg, doch gegen Westen färbte sich der Himmel jetzt in Goldgelb, Rot und Magenta und bot uns ein fulminantes Abschlussfeuerwerk eines schönen Winterabends. Der Wind wurde jetzt immer stärker und stärker und man konnte kaum noch aufrecht gehen. Höchste Zeit die Krete und diese exponierte Lage zu verlassen und zur Berghütte zurück zu gehen. Dort erwärmten wir uns dann noch an einer Suppe, bevor wir uns auf den Rückweg nach Jaun machten. Der Abstieg dauerte viel weniger lange und schon nach nur 90 Minuten waren wir wieder an unserem Ausgangspunkt in Jaun.Gastlosen - Bathed-in-Gold
Technische Details: Nikon D810, 24-70/f2.8 Objektiv (@35mm), ISO 64, f 11,
1/800 Sekunde,Pano aus 11 Einzelaufnahmen, double processing Gastlosen-Evening-Glow
Technische Details: Nikon D810, 24-70/f2.8 Objektiv (@24mm), ISO 80, f 10,
1/40 Sekunde, Pano aus 14 Einzelaufnahmen, double processingGastlosen-Bergfeuer
Technische Details: Nikon D810, 70-200/f2.8 Objektiv (@110mm), ISO 200, f 8,
1/60 Sekunde, double processing

Eye Candy

Top und Flop liegen für uns Landschaftsfotografen sehr nahe zusammen. Man kann das Wetter noch so gut studieren, man weiss trotzdem nie genau was einem erwartet. Oft wartet man Stundenlang im Nebel, setzt sich dem Wetter aus, harrt in strömendem Regen aus, steht zu Unzeiten auf, verzichtet oft auf Schlaf, steht in eisiger Kälte irgendwo bei Dunkelheit auf einem Berg, wandert im grössten Schneesturm zur gewünschten Location, steht bei tropischer Hitze in einem von Krokodil verseuchten Gebiet, kämpft mit Fliegen, Mücken und Moskitos, steht bis zu den Knie in einem eisig kalten Bergbach, wandert bei über 40° Grad Celsius durch den Busch mit über 25kg Gepäck auf dem Rücken, geht körperlich oft an sein Limit und dies alles nur um vor Ort zu sein falls die „Natur zu zaubern beginnt“. Allzu oft wartet man vergebens und man geht wieder nach Hause ohne das gewünschte Bild. Manchmal ergibt sich aber eine andere interessante Lichtstimmung und man sieht ein anderes interessantes Motiv und man kehrt nicht mit leeren Händen nach Hause. Wobei, eigentlich kehrt man nie mit leeren Händen nach Hause. Man muss sich nur eine andere Denkweise aneignen: Es zählt nicht nur alleine das Bild, sondern auch der Moment und das erlebte. Doch manchmal, trifft eben diese gewünschte Lichtstimmung ein, dieser Moment wo die Natur zu zaubern beginnt, dieser Augenblick wo man vielleicht schon Jahre darauf gewartet hat – in diesem Moment wird man entschädigt für alle diese Strapazen die man auf sich genommen hat. Aber auch in diesem Moment ist alles vergessen – was zählt ist nur dieser Moment. Ein unbeschreibliches Gefühl. Ein kurzer Moment für die Ewigkeit. Man wird Zeuge eines Naturschauspiels, vielleicht ist es ein seltenes Wetterphänomen, vielleicht einfach nur eine Spielerei von Licht und Schatten oder die Natur Zauber die schönsten Farben an den Himmel. Für solche Momente lohnt sich dies alles. Diese Momente sind auch gerade deswegen so kostbar, weil man eben sehr oft auch Enttäuschungen in Kauf nehmen muss. Aber ohne Enttäuschungen auch kein Glück….und ohne Fleiss, Entbehrungen, Strapazen, Niederlagen und Geduld auch keine Erfolgserlebnisse. Ein gutes Bild braucht Zeit!
So war es auch wieder einmal an diesem Morgen auf dem Grenchenberg. Die Wetterprognosen schauten vielversprechend aus: so entschied ich mich an diesem Morgen auf den Grenchenberg zu gehen. Oben angekommen, konnte ich in der Dunkelheit knapp erkennen, dass der Himmel bedeckt ist. Würde es vielleicht wieder ein weiterer erfolgloser Versuch werden? Ich montierte mir die Schneeschuhe und stapfte durch den Schnee zu meiner gewünschten Stelle an der Wandfluh………es war immer noch ziemlich dunkel als ich dort ankam, doch ich konnte eine rötliche Verfärbung des Himmel erkennen. Irgendwie ganz seltsam! Es war noch lange bis Sonnenaufgang und trotzdem fing der Himmel zu leuchten an und das Licht reflektierte sich auf den Tannen und auf dem Fels. Was für ein atemberaubender Moment. Ich hatte gerade genügend Zeit mein Equipment aufzustellen und schon erreicht dieses Leuchten den Höhepunkt. Von diesem Moment an war das Licht fantastisch bis kurz nach Sonnenaufgang. Die Lichtstimmung mit dem aufkommenden Nebel änderte sich minütentlich. Wieder einmal waren die Strapazen und die vergeblichen Anläufe vergessen. Man war einfach wieder nur Dankbar so ein Naturschauspiel erleben zu dürfen.
Grenchenberg-Eye CandyTechnische Details: Nikon D810, 24-70/f2.8 Objektiv (@86mm), ISO 100, f 11, 23 Sekunden, Polarizer

Majestic

…und schon wieder ist ein Jahr vorbei. Ich möchte allen Danken die mich durch dieses Fotojahr 2014 begleitet haben. Es war ein ereignisreiches Jahr mit dem Höhepunkt diesen Herbst in den Walliser Alpen und dann die fantastischen Nebelsituation in der Schweizer Belchen Region. Doch leider hatte ich dann auch gerade zu dieser Zeit Probleme mit meinen Nikon Kameras, welche von Anfang Oktober bis Anfang Dezember alle in der Reparatur waren. Von dieser Seite her betrachtet eher ein durchzogenes Jahr, da ich viele Wetterstimmungen gezwungenermassen verpasst habe. Trotzdem gab es auch viel Positives – konnte ich doch die eine oder andere Bildidee welche ich manches Jahr schon in meinem Kopf hatte, endlich mal umsetzen.
Anfang Jahr wird es dann eine „Best of….2014“ geben.
Das Bild hier war einer der Höhepunkte von diesem Jahr, obwohl die Komposition jetzt nicht was neues ist, die Farben an diesem Morgen am Stellisee waren einfach bezaubernd – und bei diesen Farben vermisste ich nicht einmal die Wolken.
Wünsche allen ein gutes 2015!Matterhorn-Majestic

Fotografische Icons

In der Landschaftsfotografie gibt es das, was wir Fotografen “Icons” nennen.
Auf Deutsch bedeutet dies so viel wie „Symbol“ oder „Ikone“. „Icons“ sind meistens bekannte Sehenswürdigkeiten, Motive welche weit über Landesgrenzen hinaus bekannt sind und von denen es x-tausende von Bildern gibt. Ein solcher „Icon“ ist zum Beispiel der Delicate Arch im Arches Nat’l Park in den USA, der Uluru in Australien oder hier in der Schweiz das Matterhorn.
Diese „Icons“ sind dann meist auch noch von einem bestimmten Standpunkt aus fotografiert……nehmen wir zum Beispiel das Matterhorn: der Berg spiegelt sich bei Sonnenaufgang auf der Wasseroberfläche des Stellisees. Wieso also noch ein weiteres Bild davon machen? Dafür gibt es so viele Gründe wie es auch Gründe es nicht zu tun gibt. Wie wäre es mal mit einer neuen Perspektive oder einfach weil die Stimmung etwas ganz besonderes ist?
Jeder Fotograf, Amateur wie auch Profi will gerne so ein „Icon“ in seinem Portfolio haben.
Ich habe auch so eine Art von Check-Liste was ich noch gerne fotografieren würde oder was ich wieder fotografieren gehen will.
Obwohl ich gerne neue Perspektiven und Kompositionen von bekannten Motiven suche, fotografiere ich auch gerne die x-tausend-Male fotografierte Sicht auf diese Motive. Es gibt auch einen Grund wieso „Icons“ eben „Icons“ sind und weshalb sie in dieser Komposition am meisten fotografiert wurden.
Eine weitere Frage ist, wenn ein Fotograf einen solchen „Icon“ oder auch Wahrzeichen fotografiert, macht er dann auch etwas einmaliges, etwas spezielles?
Ich würde auf jeden Fall die Frage mit „Ja“ beantworten. Jeder Mensch sieht anders. Er fotografiert seine Vision. So wie er dieses Motiv in eben diesem Moment sieht. Dazu kommt, dass das Licht nicht immer gleich ist, die Stimmung kann jede Sekunde ändern und die Wetter-Bedingungen sind auch nicht immer gleich. Vieles kann ein Bild beeinflussen, dass es eben wieder „einmalig“ wird.
Ich persönlich gehe immer wieder zu verschiedenen Jahreszeiten, Wetterbedingungen und Lichtverhältnissen zurück an Orte die ich schon fotografiert habe. Egal ob es ein bekanntes Motiv ist oder nicht. Jedes Mal wird das Bild wieder anders. Jedes Mal wird es „einmalig“. Dass heisst aber nicht, dass ich auch jedes Mal wieder mit einem „Wow“ Effekt-Bild nach Hause komme.
Wenn man natürlich ein Motiv fotografiert welches bekannt ist, eben ein sogenannter „Icon“ wird man es nicht leicht haben. Das Bild wird immer wieder verglichen mit anderen und da läuft man Gefahr, dass man einfach ein Bild hat unter vielen anderen. Da muss schon alles stimmen, wenn man da noch beeindrucken will. Aber wenn sich das einer Bewusst ist, finde ich, sollte man die Gelegenheit nicht missen, seine Version dieses „Icons“ zu fotografieren.
Mein Matterhorn-Bild hier ist sicher keines, das sich gross aus der Masse abhebt, doch meine Komposition ist doch leicht anders. Nicht die klassische Matterhorn-Spiegelung mit der Symmetrie – doch sicher auch nicht etwas Neues. Doch die Lichtstimmung und die Farben an diesem Morgen waren eindrücklich und für mich nicht alltäglich – war ich doch schon öfters an diesem See. Ich denke man sollte die Herausforderung annehmen und „Icons“ fotografieren, denn die Situation vor Ort sowie auch das Licht und Wetterbedingungen sind nicht immer gleich und mit etwas Kreativität kann man doch seine eigene Version eines x-tausend Male fotografierten Wahrzeichens machen!Matterhorn-Pretty in Pink