Val Bever

Als ich mich an diesem Samstag Mitte Oktober auf den Weg ins Val Bever machte, wusste ich nicht auf was ich mich einliess. Ich rechnete zwar damit, dass es evtl. Schnee haben könnte und die Sicht und das Licht nicht unbedingt gut sein könnten – es war ja eigentlich bloss nur eine Erkundungs-Tour um in der darauf folgende Woche dort Bilder zu machen wenn das Wetter dazu ideal sein sollte. Bei leichtem Schneefall wanderte ich in Bever ab. Nach einer guten Stunde befand ich mitten im Val Bever in einem Schneesturm und die Sicht betrug teilweise nur wenige Meter. Da fragte ich mich schon was ich da eigentlich machte. Mit so einem Schneesturm hätte ich nie gerechnet. Da es die Tage zuvor schon geschneit hatte hatte es orfendtlich Schnee – doch denke ich, sicher nicht aussergewöhnlich für diese Jahreszeit, wo man in den Bergen immer mit solchen Wetterverhältnissen rechenen sollte. Nun, ohne Schneeschuhe stapfte ich zum Teil durch fast Kniehohen Schnee. Auf andere Wanderer bin ich an diesem Tag nur sehr, sehr selten gestossen. Ich wusste eigentlich auch nicht wie weit ich ins Tak hinein und hinauf gehen musste, um das zu finden was ich suchte. Vielleicht würde ich es ja gar nicht finden. Ich überlegte mir auch ein paar Male ob ich umkehren sollte, doch war mein Wille grösser und aufgeben wollte ich nicht. Also stapfte ich weiter das Tal hoch durch den Schnee. Doch schliesslich nach gut zwei Stunden fand ich dann schlussendlich die Landschaft welche ich erhoffte vorzufinden. Der Schneefall hatte zwischenzeitlich auch nachgelassen und so suchte ich noch nach interessanten Spots und Kompositionen. Obwohl ich nicht beabsichtigte zu fotografieren, zumindest nicht für Bilder welche ich dann entwickeln würde, machte ich einige Probeaufnahmen. Aber irgendwie fand ich eine Kompositione welche mir dieses difuse Licht gerade gelegen kam: bedeckter Himmel, Zeichnung in den Wolken, diffuses Licht und die Lärchen leuchteten so schön in dieser weissen Winter/Herbst-Landschaft. Der Kontrast von dem weissen zu den leuchtenden Lärchen war einfach fantastisch! So kam es zu diesem Bild „Val Bever“. Die Herausforderung: es war relativ windig, hatte leichtes Schneegestöber mit Gegenwind und somit war mein Objektiv innert kürzester Zeit voll Wassertropfen. Da ich aber unter anderem eine lange Belichtungszeit von einigen Sekunden wollte um das Wasser weicher und harmonischer darstellen zu können, musste ich mehrere Anläufe machen bis ich endlich ein Bild hatte ohne Wassertropfen auf der Linse. Da es aber auch sehr windig war, hatte ich jetzt mit dieser Aufnahme noch Bewegungsunschärfe in den Ästen und Zweige der Lärchen, was ich natürlich gar nicht haben wollte. Also musste noch eine weitere Belichtung gemacht werden, mit einer kurzen Belichtungszeit um die Bewegung der Lärchen, verursacht durch den Wind, einzufrieren. Zusätzlich kam aber noch hinzu, um die best-mögliche Qualität an Schärfe zu haben, dass ich hier Focus-Stacking machen musste. Also machte ich noch 10 Einzelaufnahmen für das Fokus-Stacking. In Lightroom machte ich dann für jedes einzelne Bild die RAW-Entwicklung, respektive machte ich diese bei einem Bild und dann verwendete ich die gleichen einstellungen bei den anderen 9 Bilder. Das Bild für den Bach, entwickelte ich separat. Dabei beachtete ich, dass natürlich der Weissabgleich und die Belichtung zu den anderen 10 Bilder passen. Anschliessend habe ich die 10 Bilder in Photoshop zusammengefügt. Dabei ist das automatische Überbelnden ein gutes Werkzeug. Am Schluss habe ich dies in 100% Ansicht überprüft und manuell korrigiert falls es nötig war. Danach musste ich jetzt noch das Wasser (Bach) in das Bild einblenden. Dazu verwendete ich verschiedene Überblendungstechniken und Techniken die ich mir über die Jahre angeeignet habe. Zum Schluss gabe es dann noch die Feinjustierung in Photoshop: lokale Kontrastanpassungen, selektive Farbkorrekturen, Glanz ins Bild geben und Sättigungskorrekturen.
Sicher einmal ein anderes Herbstbild mit dieser winterlichen Lichtstimmung.Val-Bever
Technische Details: 10 Einzelbilder für Focus-Stacking (Nikon D810, 24-70/f2.8 @29mm, Iso64, 1/60Sekunden, f8) & 1 Aufnahme für weiches Wasser (Iso 200, 6.0 Sekunden, f11)

In Between Dances

Es ist jetzt schon eine Weile her seit ich meinen letzten Blog-Post geschrieben habe.
Es war aber auch eine Menge los und so hatte ich keine Zeit hier einen neuen Beitrag zu schreiben. Im Oktober war ich eine Woche im Engadin unterwegs. Was für eine traumhafte Woche. Es schneite zwar zuerst als wir Mitte Oktober im Engadin ankamen. Doch die Lärchen waren perfekt. Die ersten drei Tage im Engadin waren von Schnee und Nebel geprägt, aber dann zeigte sich der Herbst nochmals von seiner besten Seite.
Ein paar Bildideen konnte ich umsetzen und ein paar neue habe ich mit nach Hause genommen. Zurück vom Engadin hatte ich dann leider keine Zeit die gemachten Bilder zu entwickeln. Die Vorberitungen für den bevorstehenden ersten Foto-Event am Belchen Mitte November stand bevor. Es gab noch einiges zu organisieren und meine Bildpräsentation musste ich auch noch machen. Nun, letztes Wochenende, am Samstag 14.November 2015 fand der erste Belchen Foto-Event statt. Es war ein voller Erfolg. Jetzt habe ich endlich wieder mal Zeit ein paar Bilder zu entwickeln und auch wieder einmal einen Blog-Beitrag zu schreiben.
Mein neustes Bild heisst „In Between Dances“ fotografiert diesen Oktober am Stazersee bei St.Moritz. Ein Morgen wo einfach alles zusammenpasst. Schnee und goldene Lärchen sind immer ein schönes Motiv. Hat man dazu dann noch so eine Traumhafte Spiegelung und das schöne Morgenlicht, darf man Dankbar sein dies erlebend zu dürfen.
In Between Dances

Nikon D810, 24-70/f2.8 @44mm, Iso64, f11, 1/160sec, Pano aus 12 Einzelaufnahmen

 

Mataranka Thermal Pools

Wer auf dem Stuart Highway von Darwin nach Alice Springs im Herzen des australischen Outbacks unterwegs ist, der fährt irgendwann auch Mal durch die Kleinstadt Mataranka. Die Kleinstadt liegt ca. 430 Kilometer südöstlich von Darwin und etwas gute 100 Kilometer südlich von Katherine. Mataranka liegt am Roper River und zählt ungefähr 250 Einwohner. Bekannt ist der Ort unter anderem durch die verschiedenen Thermalquellen, Mataranka Hot Springs im Elsey Nat’l Park, der Bitter- und der Rainbow Springs welche sich in unmittelbarer Umgebung befinden. Ausserdem wurde die Gegend auch bekannt durch Jeannie Gunn’s autobiografischen Roman (1909) „We of the Never Never“, der auf einem Viehzuchtbetrieb in unmittelbarer Nähe von Mataranka namens Elsey Station spielt.
Das 34 Grad und kristallklare Wasser der Mataranka Thermal Hot Springs ist umgeben von Palmenwälder und ist auch Bruttstätte für die Fliegenden Hunden (Red Flying Fox). Das Geschnatter dieser Flughund Kolonie entlang dem Ufer des Roper River fügt den palmengesäumten, glasklaren Thermal Pools einen tropischen Charme hinzu. Abends wenn die Fliegenden Hunde zu tausenden zum Flug ansetzen wird der sonst tiefblaue Himmel über dem australischen Outback schwarz. Ein unvergesslicher Moment und erinnert einem auch ein wenig an Alfred Hitchcock‘s Kino Klassiker „Die Vögel“. Doch neben den „Flying Red Foxes“ hat es auch unzählig viele Wallabies in dieser Gegend und viele scheuen sich nicht, bis vor das Zelt zu kommen. Es ist mein zweiter Besuch bei diesen heissen Quellen und fotografisch fand ich es eine grosse Herausforderung diese Quellen umgeben von tropischen Palmenwälder in ein Bild zu packen. Nach langem Suchen nach Bildausschnitten, Perspektiven und verschiedenen Kompositionen fand ich dann schlussendlich eine für mich ansprechende und interessante Komposition welche diese Landschaft zeigen soll. Am anderen Morgen machte ich mich sehr früh von unserem Camp auf den Weg zu den Mataranka Thermal Pools um das Bild zu machen. Kurz nachdem ich mein Bild auf dem Sensor hatte, kamen auch schon die ersten Frühaufsteher welche die frühen Morgenstunden in den natürlichen Pools geniessen wollten.Mataranka-Thermal-Pool
Technische Details: Nikon D800e, 14-24 Objektiv (@14mm), ISO 200, f 11, 1 Sekunde

Gibsons Light

Es gibt Orte die begleiten mich schon ein ganzes Leben lang, obwohl ich die meisten davon noch nie besucht habe. Sie stehen nicht einmal auf meiner Wunschliste weit oben. So ein Ort sind auch die Twelve Apostels an der australischen Südküste. Dieses Bild von den Kalksteintürmen welche aus der rauen See ragen, hat mich schon immer fasziniert. Sie sind sicher neben dem Uluru die meistfotografierte Touristenattraktion Australiens.
Niemals im Leben habe ich mir nur erträumt, diese Landschaft mal zu sehen. Viel zu weit weg von Europa und viele Jahre hatte ich eigentlich auch nie die Absicht dieses Land Downunder zu besuchen. Nicht weil es mir nicht gefallen würde, sondern weil einfach die Interesse anders waren und mich der lange Anfahrtsweg sicher auch etwas abschreckte. Doch als ich endlich meine erste Reise nach Downunder antrat, gehörte der Port Campbell-Nationalpark natürlich auf meine „to-do-Liste“!
Es war ein einmaliges Gefühl, es war überwältigend und atemberaubend. Irgendwie kannte man es schon, doch es war dennoch ganz anders. Es war schöner als jedes Bild das ich von dieser Landschaft je gesehen habe. Dieser Ort, diese Landschaft ist Magie. Man kann es kaum in Worte fassen. Kann man diese Landschaft in so einer Intensität auf ein Bild bringen. Da sind Gefühle und Emotionen, aber auch Gerüche und das „Sehbare“, diese Farben, die Landschaft als Ganzes und das Lichtspiel: x-tausendmal gesehen auf einem Bild und inzwischen auch schon ein paar Male „live“ vor Ort erlebt, doch immer wieder faszinierend und immer wieder anders. Es ist als ob eine höhere Macht hier mit dem Farbpinsel spielt und eine Illusion für uns Menschen malt – und dennoch ist die Illusion keine Illusion, sondern sie ist Wirklichkeit. Diese Landschaft kann schön, zugleich aber auch rau und wild und unberechenbar sein. Sie kann alles von einem abverlangen. Eine Landschaft so malerisch wie Sie eigentlich nur von einem Maler gemalt sein könnte. Und dennoch ist sie Wirklichkeit.
Ausblick auf Gibson Beach an einem Spätnachmittag als gerade Regenwolken über Australiens Südküste aufzogen. Das diffuse Sonnenlicht lässt den Küstenstreifen in schönen zarten Farben leuchten.Gibsons-Light-Twelve Apostlesls
Technische Details: Nikon D800e, 24-70/f2.8 Objektiv (@24mm), ISO 100, f 11, 1/125 Sekunde, Polarizer

Der unbezahlbare Moment

Wieviel ist Euch eigentlich ein Bild Wert? Damit meine ich jetzt nicht der materielle Wert eines Bildes! Nein, vielmehr geht es mir darum was Ihr alles in Kauf nehmen würdet um „Das Bild“ zu machen! Wieviel investiert Ihr in ein Bild! Ein Bild ist für mich eigentlich unbezahlbar – natürlich hat ein bestimmtes Bild vielleicht für mich persönlich mehr Wert als ein anderes Bild. Das hängt aber davon ab, was mich mit dem Bild verbindet. Was ist die Geschichte zum Bild. Jedes Bild ist irgendwie wie ein eigenes Kind. Jedes Bild hat seine eigene Geschichte. Dieses Bild hier konnte ich vor knapp 2 Wochen fotografieren. Ich dachte mir schon im Vorfeld, dass an diesem Abend alles passen könnte. Der Wetterbericht und die Wetterlage am Nachmittag des bestimmten Tages – alles schien perfekt zu sein. Und so war es auch – es passte wieder einmal alles zusammen. Das sind dann diese Momente wo Landschaftsfotografen entschädigt werden, für alle Ihre Mühen und Strapazen die Sie auf sich nehmen um das perfekte Licht einzufangen. Doch das Fotografieren und diesen Moment festzuhalten ist eine Sache – den Moment zu erleben und ihn bewusst wahrzunehmen eine andere und eine ebenso schöne Sache. Wenn man so ein Naturschauspiel bewundern darf, ist man einfach nur „Dankbar“ – doch wird einem auch die Kraft der Natur erst wirklich richtig bewusst. Wir Menschen können viel kontrollieren, doch der Kraft und der Gewalt der Natur sind wir machtlos ausgesetzt und in so einem Moment wird einem auch klar, wie klein und nichtig wir eigentlich sind.
Als wir, Adrian Wirz und ich, an diesem Abend das Auto auf dem Parkplatz der Metairie Le Soliat parkten und unser Equipment sowie Zelt und Schlafsack auf den Rücken packten, schien es nach einem relativ friedlichen Abend auszusehen. Ich machte mir schon ein paar Gedanken und hoffte, dass mir ein paar Restwolken bis zum Sonnenuntergang übrig bleiben würden. Abends finde ich den Creux Du Van relativ schwierig zu fotografieren damit wirklich alles stimmt und somit kam für mich eigentlich nur ein Standpunkt in Frage – vor allem auch, weil ich von dort schon seit längerem eine Bildidee versuchte umzusetzen. Dort angekommen, sah es schon mal nicht schlecht aus, doch aus fotografischer Sicht war das Licht noch nicht optimal und eine grosse dicke Wolke schob sich vor die Sonne und verdeckte diese sicher für die nächsten 30 Minuten. Weil wir unser Gepäck am anderen Ende der Felsarena deponiert hatten und uns jetzt entschieden haben, auf dieser Seite des Creux Du Van unsere Zelte aufzuschlagen, entschied ich mich, die Zelte und Schlafsäcke schnell zu holen. Ich beeilte mich, wollte ich doch nichts verpassen und gerade rechtzeitig war ich wieder zurück. Und was sich dann abspielte, hätte ich nicht mal im Traum daran gedacht, dass wir so ein Naturschauspiel erleben würden an diesem Abend. Eine riesen Wolke türmte sich vor uns auf, dahinter schien aber die Sonne und die Wolken brachen das Licht. Die bedrohlich wirkende Wolke wurde immer grösser und man konnte sehen wie es am Horizont in Strömen regnete – und der Himmel unter der Wolke färbte in schönen warmen Farbtönen. Eine Stimmung wie kurz vor Weltuntergang. Einfach nur atemberaubend. Wir waren so vertieft in dieses Naturschauspiel, dass uns nicht einmal die dunkle Wand hinter uns auffiel. Adrian bemerkte diese dann, doch mich konnte diese schwarze Wolkenwand nicht tief beeindrucken – oder noch nicht. Doch kurze Zeit später, stimmte ich Adrian zu, dass wir uns auf den Rückweg machen sollten. Doch weit kamen wir nicht. Das Naturschauspiel war so faszinierend und wenn man einmal so was erleben darf, dann will ich es auch fotografieren und „erleben“! Mir war zu diesem Zeitpunkt schon bewusst, dass wir hier ein wenig mit dem Feuer spielten, doch ich wusste auch um ein gutes Bild zu machen, muss man auch bereit sein, dieses kleine Stück mehr geben zu wollen als die anderen. Ich sage immer, man muss dorthin gehen wo es einem weh tut. Man muss bereit sein, sich aus der „Komfortzone“ heraus zu wagen! Plötzlich sahen wir die Sonne als glutrote Kugel wie sie sich durch die dünne Wolkenschicht unter der bedrohlich wirkenden Riesenwolke durchkämpfte. Doch nachdem die Sonne am Horizont untergangen ist, machten wir uns dann schleunigst auf den Rückweg. Ich glaubte zwar immer noch nicht so Recht, dass das Gewitter zu uns kommt, und wenn doch, dann hätten wir sicher schon im Auto Schutz gefunden. Doch es sollte anders kommen. Auf einmal ging alles schnell. Wir waren auf dem Abstieg von höchsten Punkt auf der Krete als plötzlich die ersten grossen und schweren Regentropfen auf uns runter fielen. In der Zwischenzeit donnerte es schon gewaltig und ab und zu sah man in der Distanz auch schon die ersten Blitze runter gehen. Uns war inzwischen Bewusst, dass wir es nicht mehr bis zum Auto schaffen werden und so suchten wir Schutz in dem kleinen Buchenwald. Dann krachte es gewaltig in unmittelbarer Nähe von uns. Ein Blitz schlug in der Nähe ein! Spätestens jetzt wurde mir Bewusst, in welcher Situation wir steckten. Es begann wie aus Kübeln zu Regnen. Innerhalb wenigen Minuten waren wir durch und durch nass. Ich wollte dann zum Schutz noch ein Zelt aufstellen, doch da war nichts zu wollen. Also lagen wir uns auf den Boden entlang der Steinmauer neben unserem Gepäck und zogen zum Schutz vor dem Regen die Zeltblache über unsere Köpfe. Doch jetzt ging es erst richtig los. Es war ein Inferno und wir mitten drin. Es blitzte und donnerte um uns herum und zum Teil war es, obwohl es mittlerweile schon Dunkel war, Taghell! Die Zeit schien endlos zu sein und irgendwie verlor ich das Zeitgefühl dort unter der Zeltblache. Schätzungsweise nach einer Stunde, schien es vorbei zu sein und wir dachten das Schlimmste überstanden zu haben! Doch genau in diesem Moment schlug ein Blitz ganz in der Nähe ein. Es war wie ein Urknall – Ohrenbetäubend! Und so hiess es weiter warten. Wie lange wir unter dieser Zeltblache verbrachten, kann ich nicht mehr genau sagen, aber es müssen sicher an die zwei Stunden gewesen sein. Gegen Mitternacht konnten wir uns dann auf den Weg machen zum Auto. Es donnerte und blitzte immer noch – und in der Dunkelheit hatten wir noch Mühe den Rückweg zu finden. Natürlich war nichts mehr mit biwakieren an diesem Abend. Alles war durch und durch nass. Während der Zeit unter der Zeltblache machte ich mir einige Gedanken, wieviel mir ein gutes Bild Wert ist. Ich nehme viel in Kauf für ein gutes Bild und ich denke man muss dazu auch bereit sein ein gewisses Risiko einzugehen. Man muss auch bereit sein etwas mehr geben zu wollen als die meisten zu geben bereit sind. Manchmal muss man sicher das glück auch etwas herausfordern – doch ich denke das Risiko sollte auch kalkulierbar sein. Kein Bild ist es Wert, sein Leben dafür zu geben – doch man muss bereit sein an sein Limit zu gehen und noch ein bisschen mehr. Ein gutes Bild muss man „leben“ und fühlen. Ich sage mir jetzt, jeder einzelne Donner und jeder einzelne Blitz waren mir diese Bilder und dieser Abend Wert. Es sind aber nicht alleine die Bilder die zählen, sondern auch, dass man das Glück hatte so einen Moment erleben zu können und Zeuge eines einzigartigen Naturschauspiel sein durfte.Creux Du Van - Approaching Storm

Technische Details: Nikon D810, 14-24mm Objektiv (@14mm), ISO 64, f 11, 1/20 Sekunde, double processing (Dynamikumfang)

Spring Flow

Am 1.Mai verbrachte ich den Morgen wieder einmal in der Twannbachschlucht im Berner Jura. Perfekte Bedingungen erhoffte ich mir, als ich an diesem regnerischen Morgen von Solothurn Richtung Berner Jura unterwegs war. Tief hängende Wolken entlang der ersten Jurakette, es regnete seit Stunden schon wie aus Kübeln und ein leichter Wind wehte übers Land. Als ich eine halbe Stunde später oberhalb der Twannbachschlucht ankam, meine Fischerstiefel anzog und mich bereit machte für das „Abenteur“ Twannbachschlucht, verzogen sich leider die Nebelschwaden aus der Schlucht. Innerhalb wenigen Minuten war ich schon total durchnäasst, obwohl ich einen Regenanzug trug. Als ich dann den wilden rauschenden Twannbach an diesem Morgen das erste Mal erblickte, war ich überwätigt: „Wow, soviel Wasser habe ich dort noch nie gesehen“
Ich suchte zwei Spots auf: einer den ich schon immer lange fotografieren wollte, aber mangels Wasser nie so richtig wirkte und ein alter bekannter Ort in der Schlucht, welcher ich alle Jahre wieder einmal aufsuche. An beiden Standpunkten hatte ich grosse Erwartungen. Und ich wurde nicht enttäuscht.
Dieser Standpunkt hier, ist vielleicht dem einen oder dem anderen schon von meinen Bildern aus den letzten zwei Jahren bekannt! Doch soviel Wasser sah ich in der Twannbachschlucht noch nie. Es war einfach umwerfend, aber auch gefährlich. Das Wasser hatte so eine Kraft, dass es unmöglich war im Wasser zu stehen. Schweige dann das Stativ mit der Kamera noch ins Wasser zu stellen. Ich versuchte mich bestmöglich am Rande eine ansprechende Komposition zu finden und nach einer Weile fand ich dann auch eine neue für mich gute und schöne Komposition. Ein Stativ Bein war im Wasser sowie mein linker Fuss. Beide habe ich mit Steine beschwert, damit die Strömung sie nicht mitriss. Auch das Objektiv war innert Sekunden voll mit Wassertropfen wenn man es nicht schützte. Für solche Fälle habe ich einen Regenschirm in meinem Fotorucksack. Damit ich Vordergrund und Hintergrund perfekt Scharf abbilden konnte, verwendete ich die Fokus-Stacking-Technik mit welcher ich mich im vergangnen halben Jahr sehr intensiv beschäftigte. Ich brauchte 8 Einzelaufnahmen um alles Scharb abbilden zu können – das bedeutete aber auch nach jeder einzelnen Aufnahme wieder Objektiv reinigen. Soche Bedingungen sind perfekt um in einer Schlucht zu fotografieren, doch sie verlangen dem Material und dem Fotografen ziemlich viel ab. Man braucht viel Geduld bis man alle Aufnahmen perfekt auf dem Sensor hat. Ich war ca. gut eine Stunde an diesem Ort mit diser Aufnahme beschäftigt, als ich plötzlich ein Knall hörte und kurz darauf der Boden bebte. Fragte mich zuerst, was das wohl sein mag – doch machte ich weiter mit meiner Serie. Nicht einmal eine Minute später wieder ein riesen Knall und wieder bebte die Erde kurz darauf und anschliessend konnte ich beobachten wie ca. 50 – 100 Meter weiter unten eine Gerölllawine in die Schlucht donnerte. Ich machte noch schnell meine Serie fertig und packte dann meine Kamera und suchte Schutz unter einer überhängenden Felswand. Dort packte ich meine Kamera in den Rucksack und wollte mich gerade auf den Rückweg zum Auto machen als Tennisball-Grosse Steine in die Schlucht fielen – gerade dort wo ich vor wenigen Minuten noch gestanden bin. Perfekte Bedingungen zum Fotografieren, doch sehr gefährlich wie ich feststellen musste.Twannbachschlucht-Spring Flow

Blütenzauber

Jedes Bild hat seine eigene Geschichte. Manchmal abenteuerlicher, manchmal tiefgründiger, manchmal dauert es Jahre bis ein Bild entstanden ist und manchmal nur wenige Tage oder Stunden. Mancham ist es auch nur eine Frage von Sekunden. Diese zwei Bilder hier sind vor, während und nach einem Landschafts-Workshop entstanden. Adrian Wirz, ein befreundeter Landschaftsfotograf und ich waren in der Woche vor unserem “Blütenzauber-Workshop”, unterwegs im Baselbiet, für weitere interessante Locations zu finden für den vorher genannten Workshop. Eigentlich beabsichtigten wir den Workshop im Oberbaselbiet zu machen, doch weil die Blütenpracht dort noch nicht so weit fortgeschritten war, wie wir gehofft hatten, fuhren wir in dieser Woche das Baselbiet mehrmals rauf und wieder runter um verschiedene Spots mit Potential zu rekognoszieren. Schlussendlich mussten wir uns für ein paar Locations entscheiden! Unter anderem entschieden wir uns auch für diese Ansammlung von Kirschbäumen in der Umgebung von Hemmiken im Baselland. Die Blütenpracht sah gut aus, es hat ein paar hübsche Bäume, eine schöne Wiese und unzählige Kompositionsmöglichkeiten. Also gingen wir dann mit unserer Workshop-Gruppe am kommenden Samstag bei diesen Kirschbäumen vorbei. Die Teilnehmer hatten echt Spass sich in dieser Welt voller Kirschblüten und in einer saftigen und farbenfrohe Frühlingswiese fotografisch auszutoben. So hatten wir zwischendurch auch mal etwas Zeit uns etwas umzusehen und das eine oder andere Bild von unseren Teilnehmern beim fotografieren zu machen. Wenn ich eine Location neu erkunde oder zum ersten Mal dort bin, gibt es eigentlich fast immer ein Sujet welches mir gerade auf Anhieb ins Auge sticht – ob sich dann was daraus machen lässt sei noch dahingestellt. Doch öfters ruht dann eine solche Idee noch für eine Weile bis ich dann die zündende Idee habe. So vielen mir bei diesen Kirschbäumen in der Nähe von Hemmiken diese drei in einer Reihe stehenden Kirschbäume auf. Doch befasste ich mich nicht gross mit ihnen. Adrian rufte mich dann zu sich, als er mit einem Kollegen eine Komposition besprach und mich fragte, was ich hier für ein Bild sehen würde. Also machte ich schnell von Hand ein Aufnahme von diesen drei blühenden Kirschbäumen. Natürlich war dies nur so eine Probeaufnahme und lange nicht perfekt in der Komposition. Adrian sah das gleiche, aber nur mit einem etwas anderen Bildausschnitt. Ich befasste mich dann für ein paar Minuten mit diesem Motiv, doch wusste ich schnell, dass ich an einem anderen Abend vorbei kommen muss, um dies zu vollenden. Dieses Motiv liess mir keine Ruhe mehr und schon am nächsten Tag Abends war ich wieder vor Ort um mich damit in aller Ruhe zu befassen. Auch war ich zeitlich etwas später dort als am Tag zuvor, somit war das Licht und die Farben schon einwenig anders, was mir aber durchaus noch besser gefiel. Auch hatte die Lichtstimmung etwas träumerisches und das durch die Bäume scheinende diffuse Licht war igendwie ganz speziell. Ich versuchte verschiedene Kompositionen im Quer- sowie auch im Hochformat und nach einer guten Stunde hatte ich für mich zwei gute Bilder von diesem Motiv auf dem Sensor.Blütenzauber Baselland
Technische Details: Nikon D810, 70-200mm Objektiv (@175mm), ISO 64, f 13,1/50 sec, polarizerBluetenzauber-Baselbiet
Technische Details: Nikon D810, 70-200mm Objektiv (@200mm), ISO 64, f 11,1/50 sec, polarizer