Bild des Monats: Januar 2017

EISZEIT
Anfang Januar 2017 hat endlich auch der Winter 2016/2017 in unseren Breitengrade Einzug gehalten. So gab es diesen Monat einige Möglichkeiten Winterbildidee umzusetzen. Ich war einige Male unterwegs in den vergangenen 4 Wochen. Unvergessen bleibt der erste Tripp im 2017 mit Heiri Roth, ein Kollege von der Windhunderennbahn Rifferseil, der mir seine Heimat das Toggenburg zeigte. Dabei hatte ich die Möglichkeit „Schwarzes Eis* zu fotografieren. Danach gings nochmals ins Toggenburg mit einem Fotografen Kollegen. An diesem Tag hatten wir einen Bilderbuch-Wintertag: Bitterkalt aber schönstes Winterwetter. Die Autofahrt nach Liechtensteig bei andauerndem Schneefall eine gute Woche später bleibt wohl auch noch lange in meinen Erinnerungen haften. Ebenfalls der etwas abenteurliche Ausflug mit Adrian Wirz und Andreas Gerth in die Innerschweiz war ein tolles Erlebnis. Doch der eindrücklichste Moment im Januar erlebte ich bei meinem spontanen Kurzbesuch am Neuenburgersee. Es war eisig kalt die Tage zuvor und es wehte eine starke Bise. Ich dachte mir, gerade richtig um mal zu diesem Badehäusschen am Neuenburgersee zu gehe. Doch musste ich mein Vorhaben auf ein paar Tage später verschieben-zuerst wollte ich gar nicht mehr gehen, doch zum Glück konnte ich mich selber dennoch dazu bewegen zu gehen. Eindrücklich was das der Wind zusammen mit dem Wasser in diesen eisigen Temperaturen zauberte.
Technische Details: Nikon D810, 24-70/f2.8@31mm, Iso100, f11, 175 Sekunde

Colors of Dawn

Wie oft bin ich wohl schon am Ufer dieses Moorsees im Schweizer Jura gestanden? Unzählige Male! Müssen in den letzten Jahren sicher über 50 Besuche gewesen sein. Manchmal verbrachte ich viele Stunden dort und andere Male ging ich nur kurz vorbei und verliess den Ort nach wenigen Minuten schon wieder, da schon die Rahmenbedingungen für mein gewünschtes Bild nicht vorhanden waren. Das kann ich natürlich nur machen, da diese Oase nicht weit von meinem Wohnort weg ist. Dieser See ist bloss 45 Autominuten entfernt und oft kann ich es mit etwas Anderem verbinden.
Seit gut 10 Jahren wünschte ich mir diesen See im Winter mit Schnee, aber noch ohne Eis anzutreffen. Dies ist sehr schwer vorzufinden, da der See meistens zufriert bevor der erste Schnee fällt. Doch an diesem Morgen Mitte November sollte es endlich passen. Am Tag vorher begann es zu schneien und da die Wochen zuvor viel zu warm waren, war die Hoffnung sehr gross, dass es endlich passen würde. So war es auch. Zumindest zum Teil. Am Ufer war der See teilweise schon mit einer dünnen Eisschicht bedeckt, doch das fand ich noch interessant. Jetzt musst nur noch das Licht stimmen. Auch das sollte laut Wetterbericht heute Morgen passen, doch als ich an diesem Morgen so in den Himmel blickte, hatte ich nicht allzu viel Hoffnung. Doch wie man aus Erfahrung weiss, kann sich das schnell ändern.
Es hatte an diesem Morgen ungewohnt viele Fotografen am Etang de la Gruère. Es hatten scheinbar alle die gleicht Idee und Hoffnung wie ich! Ich war mit Thomas Hugi gekommen, ebenfalls ein Fotograf aus der Region. Auch er kennt der See wie kaum ein anderer – und auch er weiss wie schwer es ist diese Verhältnisse anzutreffen.
Auch Adrian Wirz, meinen langjährigeren Fotografenkollegen und Workshop-Partner, traf ich am See an, neben unzähligen anderen Fotografen.
Langsam begann es zu dämmern und trotz den unzähligen Fotografen war es ruhig und man spürte die Stimmung und die Magie von diesem Ort.
Ich suchte nach einer für mich passende Komposition, stellte die Kamera auf und dann begann wieder das warten und das Hoffen. Es ging scheinbar jedem gleich. Die Erwartungen waren hoch an diesem Morgen, doch irgendwie schob sich eine Hochnebeldecke vor die Sonne. Das Licht blieb aus. Es ist schon nach 8 Uhr und die Sonne sollte jeden Moment aufgehen, doch keine Lücke in der nebelartigen Wolkendecke zu finden.
Die Hoffnung schwindet, doch ich bin ein geduldiger Mensch. Auch aus Erfahrung weiss ich, dass man nie zu Früh resignieren sollte. Inzwischen standen wir sicher schon gute 90 Minuten in der Kälte an diesem See und es zeichnete sich immer noch keine interessante Stimmung ab. Doch ich warte weiter. Es braucht ja nur eine kleine Lücke wo das Sonnenlicht durchdringen kann. Ich hätte eigentlich wärmenden Kaffee in meiner Thermosflasche, doch an diesen dachte ich in diesem Moment nicht. Voll angespannt und trotzdem ruhig und gelassen beobachtete ich das Licht.
Doch plötzlich erkannte ich einen schwachen rötlichen Schimmer am Himmel! Kommt da noch mehr Farbe? Reicht es noch für ein klein mehr? Ich betätige das erste Mal den Auslöser. Ja und plötzlich öffnete sich am Horizont ein Fenster und die Wolkendecke leuchtete in den schönsten Farben. Geduld und Ausdauer zahlten sich wieder einmal aus. Ich glaube, keiner von uns Fotografen glaubte an diesem Morgen noch daran, dass es so gewaltig werden könnte, obwohl sicher jeder die Hoffnung bis zuletzt nicht ganz aufgegeben hat. Es war ein dramatischer und fantastischer Morgen an diesem kleinen See im Jura. Die Natur hat unsere Geduld strapaziert, doch uns alle schlussendlich mit einer atemberaubenden Stimmung belohnt. Es sind genau diese Momente, welche unbezahlbar sind.
Technische Details: Nikon D810, 14-24mm/f2.8 Objektiv (@15mm), ISO 64, f13, 1/13 sec, Nd Grad Filter 0.6

Bildbearbeitungs-Kurse (Private-Coachings)

BILDBEARBEITUNGSKURSE – LIGHTROOM/PHOTOSHOP
Bildbearbeitung ist keine Hexerei. Heutzutage kann man sich vieles selber beibringen oder es gibt für alles irgendwo Tutorials! Wieso denn noch Bildbearbeitungskurse besuchen? Viele Sachen macht man unbewusst falsch und kann im schlimmsten Fall das Bild zerstören.Was in Facebook und Co. noch gut ausschauen kann, sieht dann plötzlich ausgedruck nicht mehr so toll aus. Es gibt viele Wege ans Ziel – nicht nur ein Weg ist richtig. Aber es gibt Wege die liegen einem mehr als andere. Ich beschäftige mich jetzt seit gut 10 Jahren mit der digitalen Bildbearbeitung. Mein Ziel ist es nicht ein Bild zu manipulieren, sondern vielmehr aus den vorhandenen Daten das maximum heraus zu holen. In den letzten Jahren habe ich mich viel und lange damit befasst, die Bilder für Fine Art Prints zu optimieren. Dieses Erfahrung und Wissen möchte ich jetzt neu auch weitergeben. Ich gebe Privat-Kurse an Anfänger sowohl auch Fortgeschrittene.Falls der eine oder andere Interesse hat, sich weiter zu bilden, darf er mich gerne mit mir Kontakt aufnehmen. Würde mich freuen mein Wissen weiter zu geben

Best of 2016

Immer Anfang Jahr lasse ich das vergangene Jahr fotografisch Revue passieren indem ich mir Gedanken mache über meine Bilder, welches für mich die 12 besten Bilder des vergangenen Jahres sind. Somit beschäftigt man sich noch einmal mit seinen Bildern – und die Auswahl ist immer schwer. Man muss sich wirklich auf eine kleine Auswahl Bilder beschränken und wirklich die besten auswählen. Natürlich ist das meine persönliche Auswahl. Dieses Jahr fand ich es besonders schwer, sind doch viele Bilder welche ich dieses Jahr gemacht habe, immer noch nicht fertig, das heisst immer noch als Raw-Datei auf meinem Rechner.
Vielen Dank an alle Fotografen die mit mir im vergangenen Jahr unterwegs waren. Besonders an meinen langjährigen Fotografen Kollegen Adrian Wirz. Die Woche in den Dolomiten war sicher einer der Höhepunkte im vergangenen Jahr. Vielen Dank an alle Workshop-Teilnehmer und an diejenigen welche bei mir einen Bildbearbeitungskurs besucht waren.
Jetzt wünsche ich allen ein gutes und hoffentlich auch erfolgreiches 2017!
Untenstehend findet Ihr meine persönlichen Favoriten vom 2016. (Es fehlen die Bilder von Australien! Diese werden später mal hier gezeigt als separates Best of…)

Abyss

Einmal mehr war ich wieder mal am Creux Du Van. Wie ich schon öfters erwähnt habe, ist der Creux Du Van wettermässig immer eine Wundertüte – aber gerade deswegen auch immer wieder für Überraschungen gut. Der Besuch des Creux Du Van war aber diesmal nicht unbedingt vorgesehen gewesen. Doch zwei Tage vorher telefonierte mir Jamie Dormer, Fotograf aus Southport, Queensland/Australien, spezialisiert in Natur, Landschaft und Reise-Fotografie und fragte ob ich Zeit habe, er würde noch für ein paar Tage in die Schweiz kommen bevor er dann Mitte November wieder nach Hause fliegen würde. So sagte ich ihm er solle nach Solothurn kommen und wir würden dann zusammen verschiedene Spots im Schweizer Jura fotografieren gehen. Die Herbstfarben waren gerade auf dem Höhepunkt, Nebel war auch schon ein Thema und das Wetter schien gerade perfekt zu passen. So fuhren wir früh morgens Richtung Neuenburger Jura zum Creux Du Van. Bis kurz vor der Métairie Soliat sah noch alles perfekt aus, doch dann fuhren wir in eine Nebelwand hinein. Nun, für diese Gegend sind diese Wetterverhältnisse nichts Neues. Der Weg zum Creux Du Van war dann alles andere als einfach – wir sahen kaum ein paar Meter weit und wir mussten wirklich den Weg mehr oder weniger «abtasten». Doch schlussendlich standen wir an der Krete zum Creux Du Van.  Es wurde langsam heller und auch der Nebel lichtete sich, doch die Hoffnung für einen dramatischen Sonnenaufgang mussten wir begraben. Doch wir suchten andere Motive und fanden diese auch. Der Creux du Van war an diesem Morgen wieder eine fantastische Spielwiese für Fotografen. Etwas später lichtete sich der Nebel doch noch und der Creux Du Van kam zum Vorschein. Gefreut habe ich mich vor allem für Jaime, so konnte er doch auch noch ein paar stimmungsvolle Aufnahmen vom Creux du Van machen.
Die Entstehungsgeschichte vom Bild «Abyss» ist allerdings etwas länger her. Schon immer wollte ich eigentlich gerne einen Steinbock dort auf dem Felsen stehen haben, doch bis jetzt war das noch nie der Fall. Als Jaime dort ein paar Bilder machte, sah ich zum ersten Mal die «Welle vom Creux du Van». So versuchte ich dieses Ereignis zu fotografieren – doch eine klar definierte Welle gab es jeweils immer nur sehr kurz und die Nebelgrenze wechselte immer sehr schnell so dass ich da kein ansprechendes Bild machen konnte. Jaime fragte mich dann, ob er schnell für ein paar Aufnahmen auf den Felsvorsprung gehen könnte und als ich ihn da so stehen sah, kam mir dann diese Bildidee. Nun, habe ich Jaime Dormer anstatt einen Steinbock auf dem Felsen stehen. Als ich einige Tage späte die Bilder am PC begutachtete, musste ich sagen, dass dieses Bild eines meiner Favoriten von diesem Tag ist.
Technische Details: Nikon D810, 14-24/f2.8 @ 14mm, ISO 64, f 13, 1/400, Double Processing für Dynamikumfang

 

Wieso mache ich dieses Bild

Wieso haben wir dieses oder jenes Bild gemacht und wieso habe ich dies gerade in diesem Moment fotografiert?
War es eine Stimmung, eine Emotion, eine schöne Landschaft oder vielleicht auch eine interessante Stadtansicht – oder war es vielleicht wie das Licht mit der Landschaft zusammen spielte, Formen und Muster welche wir wahrnehmen oder war es der Farbkontrast? Es gibt auf diese Frage so viele Möglichkeiten und Antworten wie es auch Fotografen auf dieser Welt gibt!
Die Frage ist vielmehr warum ich gerade dieses bestimmte Bild in diesem bestimmten Moment machte und was möchte ich damit sagen und zeigen!
Es geht hier nicht um die Motivation wieso wir fotografieren sondern um die Motivation und das Warum eines bestimmten Bildes: Warum habe ich gerade dieses Bild gemacht!
Es muss ja einen Grund geben, wieso ich gerade dieses Bild in diesem Licht mit dieser Komposition als gut und fotogen empfunden habe!
Alles beginnt doch mit einer Vision oder einer Idee – diese Vision ist da bevor man eigentlich bei seiner Location ist und vorallem bevor man die Kamera aus der Kameratasche genommen hat. Zumindest ist das bei mir so! Ideen kommen mir beim erkunden einer Landschaft oder wenn ich vielleicht Bilder anderer Fotografen anschaue. Diese Ideen sind vielmehr Inspirationen welche ich mit einer meinen Visionen oder Ideen kombinieren kann und in meiner bevorzugten Landschaft oder einer Landschaft die ich gerade am erkunden bin umsetzen kann. Es ist auf eine Weise, ein Archiv mit Ideen, Informationen und Visionen welche ich aus meinem Gedächtnis abrufen kann – eine Vision kann aber nicht einfach so schnell entstehen.
Eine Vision ist nichts anderes als die Kunst des Sehens kombiniert mit der Fähigkeit dieses Subjekt logisch und harmonisch in einem bestimmten Licht in den von der Kamera vorgegebenen Rahmen zu komponieren und dementsprechend interessant darin zu platzieren.

Da ja ein Bild auch Kommunikation zwischen zwei oder mehreren Personen ist, ist es deshalb auch schon wichtig, dass man weiss bevor man fotografiert, was man dem zukünftigen Betrachter seines Bildes zeigen oder mitteilen möchte. Wenn man mit einem anderen Menschen ins Gespräch kommen will, überlegt man sich im Grunde zuerst auch vorher was man sagen will und reiht nicht einfach sinnlos ein Wort nach dem anderen zu einem Satz zusammen. Genau gleich ist es beim fotografiere!
Ansel Adams hat ja schon gesagt „Bei jedem Bild sind immer zwei Menschen beteiligt: Der Fotograf und der Betrachter“
Wenn wir also jetzt mit den Betrachter unserer Bilder kommunizieren möchten, müssen wir eine klare Sprache sprechen damit unser Gegenüber uns auch verstehen kann, uns zuhört und wir seine Aufmerksamkeit haben.
Ein Bild ist vielmehr als nur der Moment wo man den Auslöser betätigt, der Verschluss sich öffnet bis dieser sich wieder schliesst. Nein, ein Bild fängt viel früher an – mit einer Idee, Inspiration welche sich dann zu einer Vision bildet. Dann kommen unzählige Besuche der Location bis endlich die Bedingungen stimmen, die Komposition, das warten und schlussendlich der Moment wo man das Licht auf den Sensor bannt. Jetzt geht es aber noch zum nachbearbeiten, denn dass was man bis jetzt hat sind bloss Daten welche man jetzt noch verfeinern muss. So zu sagen man gibt dem Bild jetzt noch die Würze. Hier entscheidet sich, was man beim Betrachter auslöst und was man selber ausdrücken möchte.

Wieso ich gerade dieses Bild machte oder dies in diesem Licht fotografierte in dieser bestimmten Stimmung, lässt sich nicht in einem Satz beantworten. Grundsätzlich fängt dies, wie oben schon erwähnt mit einer Idee an welche zu einer Vision werden kann und schlussendlich einen Reifeprozess durchmacht. Vor Ort setze ich dann meine Vision um. Manchmal wird aus dieser Vision dann ein Bild und manchmal ergibt sich vor Ort eine unerwartete Situation und es ergibt sich spontan eine neue Bildidee, welche ich dann wieder bildlich umsetze. Ich möchte dem Betrachter nicht nur ein dokumentarisches Bild zeigen, sondern ihn mitnehmen auf eine Reise durch mein „Ich“ von diesem speziellen Moment. Ich möchte ihm zeigen was ich fühlte, wie ich diesen Moment erlebt habe und möchte ihm aber auch genug Freiraum lassen für eine eigene Interpretation.
Als Fotograf finde ich es wichtig, dass man sich bei jedem Bild für sich selber die Frage stellt „Wieso und warum mache ich dieses Bild?“ Hat man keine Antwort auf diese Frage, dann ist es so als ob man redet aber nicht weiss was man sagen möchte. Man redet einfach um des Redens willen! Jetzt liegt es an jedem einzelnen ob er einfach fotografiert damit man fotografiert hat, oder man mit dem Betrachter kommunizieren möchte – ihm was mitteilen möchte!Schäfler-Appenzell
Technische Details: Nikon D810, 14-24mm/f2.8 Objektiv (@14mm), ISO 200, f 14,
1/13 Sekunde, ND Grad Filter 0.6 Soft

 

 

 

 

 

 

Die Kraft eines Bildes

Diesen Ort kenne ich schon einige Zeit, doch ist dieser total in Vergessenheit geraten in den letzten paar Jahren bis ich vor wenigen Wochen im Internet nach neuen Locations suchte.
Ganz spontan besuchte ich dann diesen Ort ein paar Tage später und kombinierte diesen Spot noch mit einer anderen Location in der näheren Umgebung welche ich schon länger besuchen wollte.
Als ich dann Frühmorgens, noch vor Sonnenaufgang in stockfinstere Nacht, zu dieser Schlucht runter wanderte, hoffte ich doch sehr, dass es etwas neblig sein würde unten in der Schlucht und es schon ein wenig herbstlich angehaucht. Es war ja auch schon fast Ende September. Es herrschten keine schlechten Bedingungen an jenem Morgen, doch auch nicht gerade dass was ich erhoffte! Als sich der Himmel ober mir langsam Magenta zu färben begann, machte ich meine ersten Aufnahmen. Als ich das Bild auf dem Kameramonitor kontrollierte machte ich mir einige Gedanken – unter anderem auch ob die Bedingungen genug hergeben würden, für ein interessantes Bild. Mir gefiel es und wenn es mir gefällt, kann es durchaus auch sein, dass es jemand anderem gefallen könnte. Wir leben heute in einer Welt, wo jeden Tag x-millionen neue Bilder in der ganzen Welt gemacht werden. Jedes Mal, wenn wir den Auslöser betätigen, zeigen wir der Welt wie wir diesen Ort in diesem Moment wahrgenommen und gesehen haben. Oftmals machen wir das auch ganz unbewusst ohne uns gross Gedanken zu machen, wieso wir gerade dies in diesem Moment fotografieren. Manchmal habe ich auch schon gedacht, als ich die Bilder zu Hause am Monitor betrachtete, ob ich nicht was hätte besser machen können. Da erinnerte ich mich plötzlich an einen Artikel den ich vor knapp einem Jahr gelesen habe, geschrieben von einem australischen Fotografen. Er erzählte davon wie er vor Jahren an einer Ausstellung einen Verkaufsstand hatte und seine Bilder verkaufte, als eine ältere Dame, ungefähr Mitte achtzig, eines seiner Bilder sehr lange anschaute. Sie studierte das Bild mit einer Hingabe und Konzentration wie er noch nie jemand seine Bilder betrachten sah. Nach einer gefühlten Ewigkeit trat die ältere Dame zu ihm und fragte ob man das Bild kaufen könnte. Er antwortete mit «Ja» aber fragte die Dame «ob Sie sich wirklich sicher sei, dass Sie das Bild kaufen wolle», da solche Bilder nicht gerade günstig zu kaufen sind. Das entsprechende Bild kostete 2000.- Dollar. Die Dame antwortete ihm: «Wenn ich es nicht haben möchte, hätte ich Sie ja auch nicht gefragt!»
Die alte Dame schaute den Fotografen mit wässrigen Augen an und sagte ihm: «Ich weiss was sie jetzt denken! Für was will eine alte Frau so viel Geld ausgeben für ein einfaches Bild?» «Aber wissen» fuhr die Dame fort, «kein Geld auf der Welt kann das kaufen was dieses Bild mir bedeutet und es mir Wert ist!»
Der Fotograf war sehr berührt und die alte Dame begann zu erzählen warum das Bild ihr so viel bedeutet. Ihr verstobener Ehemann und sie campierten ihr ganzes Leben lang in dieser Gegend und dieser Spot von wo aus dieser Fotograf dieses Bild machte, war genau der Platz wo Sie ihr Auto immer parkten. Genau dieser Ort war es wo sie öfters auf ihren Auto sassen und die Landschaft vor ihren bewunderten. Von da aus bewunderten sie viele Sonnenaufgänge und genossen unzählige Abendstunden. Die alte Frau erzählte weiter: «Ich möchte diesen Print haben und diesen bei mir an die Wand hängen, damit ich jeden Abend bevor ich zu Bett gehe, diesen Ort wieder vor mir sehe und ihr Bild das letzte ist was ich abends sehe bevor ich einschlafe. Mit ihrem Bild, kommen alle diese schönen Erinnerungen wieder zurück und werden noch einmal lebendig in mir während ich langsam einschlafe. Kein Geld dieser Welt kann mir das kaufen! Ich bin so Dankbar dass ich dieses Bild entdeckt habe, denn dieser Ort ist mein zweites zu Hause.»
Eine sehr bewegende Geschichte. Und ja, es stimmt eben doch. Man sollte nie die Kraft eines Bildes unterschätzen. Vielleicht ist es nicht dein bestes Bild, aber für irgendjemand da draussen mag es eine grosse Bedeutung haben.
Es freut mich persönlich auch jedes Mal, wenn ein Bild, welches ich nur als «durchschnittlich» empfand, bei jemandem eine Erinnerung weckt oder diese Person sich mit dem Bild verbunden fühlt.
Was für dich oder mich vielleicht nur eine schöne Landschaft oder ein netter Sonnenuntergang ist, kann für jemand die Welt bedeuten und es beschwört schöne Erinnerungen hoch an eine längst vergangene Zeit.Maerchenwelt                                              Technische Details: Nikon D810, 24-70mm Objektiv (@24mm), ISO 64, f 11, 60 Sekunden, Polarizer

Landschaftsfotografie und Nahrung Unterwegs

Wenn man als Landschaftsfotograf über Nacht oder auch mehrere Tage unterwegs ist, steht man oft vor der Frage was muss ich alles mitnehmen! Was ist unbedingt nötig und auf was kann ich bei diesem Trip verzichten. Und bevor man dann abfährt geht man in Gedanken noch einmal durch, ob man tatsächlich alles eingepackt hat, denn nichts ist schlimmer als wenn man vor Ort ist und es wäre eigentlich alles perfekt, doch man stellt fest, dass man etwas Wichtiges vergessen hat. Das wichtigste ist natürlich die Fotoausrüstung, Outdoorbekleidung für jede Witterung (je nach Jahreszeit), Zelt, Schlafsack, Isoliermatte, Werkzeug, Apotheke und natürlich genügen zu trinken und zu essen. Nicht dass man mit der Fotoausrüstung, Kleider, Zelt usw. nicht schon genug dabei hat, ebenso wichtig und auch ziemlich viel Platz beansprucht die Nahrung und Wasser. Deshalb spart man öfters bei der Nahrung und aus diesem Grund nimmt man Esswaren mit, die wenig Platz brauchen und man nicht viel Zeit für die Zubereitung verliert. Denn man ist schliesslich nicht zum Essen diese Strapazen auf sich genommen, sondern um zu fotografieren. Aus diesem Grund, packe ich öfters «Müsli-Riegel»! Es gibt sie ja in allen verschiedenen Geschmacksrichtungen, Riegel mit Äpfel, Orangen, Bananen, Schokolade, Honig, usw.…..natürlich kann man diese Riegel bald schon einmal nicht mehr sehen. Diese Riegel eignen sich gerade wenn man für einen Tag unterwegs ist, doch auch schon für das brauche ich etwas mehr. Da packe ich dann noch Obst in den Rucksack, Landjäger oder Cervelat mit einem Stück Brot eignen sich auch hervorragend. Auch Studentenfutter ist ideal für Unterwegs. Öfters habe ich auch einen Gaskocher mit, damit ich mir am frühen Morgen einen frischen Kaffee machen kann oder am Abend auch etwas Warmes kochen kann. Dann braucht man allerdings schon ziemlich viel Platz und hat einiges an Mehrgewicht: doch bin ich dann schon froh, wenn ich abends noch etwas Warmes essen kann. Je nachdem wie und wo ich unterwegs bin, gibt es nur was Kleines aus dem Beutel oder man kocht sich etwas Grösseres. Wenn wir in Australien unterwegs sind, dann haben wir einen kleinen Kühlschrank mit im Off-Roader und wir kochen uns jeden Abend etwas. Wir grillierten im Outback auch schon mal ein feines Steak, doch meistens gibt’s Teigwaren an einer Sauce, Baked Beans aus der Büchse oder Hamburger. Morgens essen wir dann Toastbrot mit Spiegeleier und Speck.

Nicht immer hat man einen so gewaltigen Anblick beim Frühstück.

Nicht immer hat man einen so gewaltigen Anblick beim Frühstück.

Doch bin ich hier in der Schweiz unterwegs, gibt es natürlich einfachere Mahlzeiten. Letzthin am Lauenensee machten wir abends nach dem Fotografieren ein Feuer und machten einen Cervelat über dem Feuer.

Cervelat bräteln am Lauenensee

Cervelat bräteln am Lauenensee

Sich unterwegs gesund zu ernähren ist nicht gerade immer so einfach, deshalb versuche ich zumindest immer ein paar Früchte dabei zu haben. Letztes Jahr in den Tessiner Bergen hatten wir Teigwaren und Tomatensauce hochgeschleppt, doch mussten wir bedauerlicherweise am Abend als wir die Teigwaren kochen wollten feststellen, dass wir eine falsche Gaskartusche mithatten. So gab es anstelle von Teigwaren nur wieder «Müsli-Riegel». Es macht aber auch immer wieder Spass abends nach dem fotografieren draussen vor dem Zelt noch was zu essen und die Natur zu geniessen – dies gehört genauso dazu, wie das Fotografieren. Auch die Abenteur und Erlebnisse drumherum gehören dazu, wie die Gewitter die an uns vorbeizogen an der Nacht am Lauenensee und dann diese bombastische Lichtstimmung am anderen Morgen. Auch wenn sich nicht das erhoffte Licht ergab, es war eine einmalig schöne Lichtstimmung. Eine Stunde später gerieten wir dann in einen heftigen Regenguss. Zum Glük waren wir aber dann schon im Auto auf dem Weg nach Hause. Innerhalb weniger Minuten waren die Strassen „überflutet“.Sturmlicht
Technische Details: Nikon D810, 24-70/f2.8 Objektiv (@36mm), ISO 64, f 11, 1/5 Sekunde, ND Grad Filter 0.6 soft, Polarizer

Unterwegs im Bärlauchwald

Der Frühling hat auch aus Landschafts-fotografischer Sicht einiges zu bieten. Da werden zum Teil auch Regionen attraktiv welche für den Rest des Jahres dann wieder weniger fotogen sind; das sind die blühenden Obstbäume, die Wiesen mit den Frühlingsblumen, Rapsfelder und das frische, saftige Frühlingsgrün. Besonders reizvoll nach einem Regenguss oder während es regnet. Und dann wäre da noch der Bärlauch. Wir haben hier einige schöne Bärlauchwälder. Vor zwei Wochen besuchte ich einer der wohl bekanntesten „Bärlauchwälder“ im Mittelland: den Sihlwald. Das Wetter war gerade perfekt dazu. Es regnete die Tage zuvor wie aus Kübeln und auch an diesem Tag war Regen angesagt. Als ich dann von Mettmenstetten Richtung Rifferswil, Kappel am Albis nach Sihlbrugg fuhr, begann es zu regnen und es war dicker Nebel. Es schien alles perfekt aufzugehen. Doch leider war dann die Stimmung im Sihlwald selber nicht mehr so neblig, dennoch war es ideales Wetter für mein Vorhaben. Der Zeitpunkt war auch perfekt. Der Bärlauchblüte war auf dem Höhenpunkt – in den höheren Regionen des Sihlwalds blühten aber erst vereinzelte. Regen, bewölkter Himmel und etwas Sonnenschein wechselten sich immer wieder ab doch gegen den Abend fing es dann wieder an in Strömen zu regnen. Ich mag es im Frühling im Wald unterwegs zu sein – am besten während es regnet oder nach einem Regenguss. Erst recht wenn der Bärlauch gerade am blühen ist. Da wird dann nicht nur das frische Frühlingsgrün intensiver und der Kontrast von den weissen Bärlauchblüten zu den verschiedenen Grüntönen wird noch hervorgehoben, nein auch der Bärlauchduft ist so nach einem Regenguss viel intensiver. Wo wir jetzt beim Nachteil der Bärlauchfotografie wären. Von den Gummistiefeln, welche ich meistens träge wenn ich im Wald unterwegs bin, aufwärts riecht man sehr intensiv nach Knoblauch. Wenn man dann noch eine tiefe Perspektive für sein Bild wählt, kommt man dem Bärlauch nochmals näher und man kriegt eine extra Portion Knoblauchduft in die Nase. Nicht jedermanns Sache. Auch Tage danach riecht die Fotoausrüstung noch danach – doch das alles entschädigt wenn man dann die fertigen Bilder am PC betrachten kann. So ein Wald voller Bärlauch erinnert mich irgendwie auch immer wieder an einen Märchenwald.Baerlauchwald-Sihlwald
Technische Details: Nikon D810, 24-70mm/f2.8 Objektiv (@29mm), ISO 125, f 11,           1 Sekunde, Polarizer

Outback Light

Was für viele andere Landschafts-Fotografen Island, Patagonien, die Lofoten oder auch Schotland ist, ist für mich Australien. Es gibt hier noch nicht viele Bilder von Australien – und wenn man sie sieht, sind es meistens die bekannten Orte. Da es hier unter Fotografen nicht so bekannt ist – zum Glück – und viele hier in Europa keinen Bezug haben, ist es natürlich nicht gerade sehr attraktiv hier in den sozialen Medien. Dennoch ist gerade auch dies der Reiz für mich. Nun, da in letzter Zeit wieder mal die Frage herumgeht ob diese Bilder auch der Realität entsprechen und nicht in etwa in Photoshop entstanden sind hier ein kleiner Beitrag wie und wo ein Bild entsteht. Ich habe schon früher darüber mal einen Blog Artikel geschrieben.
Ein Bild entsteht nicht alleine in der Kamera. Ein Bild entsteht meiner Meinung nach vereinfacht gesagt in 3 Schritten; ich erkunde erstmal eine Location, finde einen Spot und dann wächst eine Bildidee in meinem Kopf. Diese Idee kann schnell und spontan vor Ort kommen oder auch langsam mit der Zeit entstehen. Danach erst kommt das eigentliche „Fotografieren“! Wenn das Licht und die Komposition stimmt, fange ich mit den technischen Möglichkeiten der Kamera und mit Hilfsmittel wie Polarizer, Filter usw. die Stimmung ein – ich ernte somit das Licht! Was ich da fotografiere ist kein Endprodukt! Ein Bild direkt aus der Kamera gibt es nicht! Ich fotografiere in RAW, was die meisten heute machen, zumindest in der Landschaftsfotografie, somit bedingt schon das, dass ich meine Bilder nachbearbeite. Doch das was wir als RAW in Lightroom oder Adobe Camera RAW sehen ist schon eine bearbeitete Datei – also nicht das ursprüngliche RAW. Diese Datei hat schon eine massive Bearbeitung hinter sich. Dazu kommt ein weiterer Aspekt wieso man Bilder „entwickeln“ sollte: die Kamera sieht anders als ich. Die Kamera nimmt Dinge anders wahr als ich. Also das was ich mit der Kamera fotografiere und auf den Sensor banne, sind Informationen und die müssen so perfekt wie möglich sein. Dafür ist es wichtig, dass man die Kamera beherrscht. Man kann auch heute nicht aus einem schlecht fotografierten Bild ein Meisterwerk machen!
So kommt dann im dritten Schritt für die Entstehung eines Bildes noch die „Digitale Dunkelkammer“ – die Bildbearbeitung oder wie man heute so schön auf Englisch sagt „Post Processing“ dazu. Dort entwickelt man das Bild so wie man die fotografierte Szene in diesem bestimmtenMoment gesehen und gefühlt hat. Man korrigiert Farben, Sättigung,Kontraste usw. undversucht die auch die bestmögliche Qualität aus der Datei herauszuholen – dazu verwendet man eben manchmal auch das Überblenden mehrerer Aufnahmen oder verwebdet das „Double Processing“. All dies ist kein Muss und muss nicht bei allen Bildern angewandt werden. Eigentlich macht man nichts anderes als früher zur analogen Zeit in der Dunkelkammer.
Natürlich hat man heutzutage mehr Möglichkeiten zur Verfügung um ein Bild zu bearbeiten und fast jeder hat Zugang du diesen Werkzeugen – sprich Software – somit kann man natürlich auch ein Bild in Photoshop erstellen. Das ist dann allerdings nicht mehr Fotografie im ursprünglichen Sinne – sondern vielmehr „Composing“.
Ich für mich nutze die technischen Möglichkeiten unserer Zeit aus damit ich das Bild so wiedergeben kann wie ich diesen Moment gesehen, erlebt und gefühlt habe. Um dies zu erreichen benutze ich die Technik in der Kamera und auch die digitale Bildbearbeitung. Die digitale Bildbearbeitung gehört zum fotografieren wie früher die Dunkelkammer!Outback-Light
Technische Details: Nikon D800e, 14-24mm/f2.8 Objektiv (@20mm), ISO 100, f 11, 1/60 Sekunde, Double Processing