The Leafer

Im US-Bundestaat Colorado gibt es eine kleine Stadt mit dem Namen Marble. Die Umgebung von Marble ist mit einer beeindruckenden Landschaft gesegnet, welche besonders im Herbst wenn sich die Blätter färben von vielen Landschaftsfotografen besucht wird. Dann wird die Gegend um Marble richtiggehend von Fotografen überflutet. Die Einheimischen nennen diese Fotografen „The Leafers“ abgeleitet vom englischen Wort „leaf“ was auf Deutsch „Blatt“ heisst. Mir gefiel der Ausdruck „The Leafers“ schon als ich ihn das erste Mal hörte und dachte dies werde ich für einen Bildtitel nutzen. Ich denke mal, die meisten Landschaftsfotografen werden im Herbst zu „Leafers“. Im September bis November werde ich auch jedes Jahr wieder zum „Leafer“. Und ich bin gerne ein „Leafer“. Ja, ich bin richtiggehend süchtig nach Herbstfarben.
Doch der Herbst 2012 war mehr oder weniger enttäuschend, zumindest hier in der Schweiz.
Mit dem frühen Wintereinbruch von Ende Oktober wo es bis ins Flachland runter schneite, neigte sich der Herbst mit seiner Farbenpracht dann noch schnell dem Ende zu. Grund genug, mich, bevor der Herbst endgültig zu Ende ist und dem Winter Platz machen muss, noch einmal ein „Leafer“ zu sein. Da es in der Belchen-Region zwischen 20 und 30 cm Schnee gegeben hatte, wollte ich die Gelegenheit nutzen das Herbstkleid des Juras mit dem winterlichen Weiss zu fotografieren. Doch irgendwie war die Farbenpracht schon vorbei und ich fand keine Komposition welche mich überzeugte. Also wanderte ich mehr oder weniger Ziellos herum. In einem kleinen Waldstück etwas unterhalb des Belchens in der Nähe des Kloster Schönthals wurde ich dann fündig. Zwar war es nicht das, was ich suchte, doch ein paar farbige Ahornblätter welche auf der weissen Schneedecke lagen inspirierten mich regelrecht. Diese farbigen Herbstblätter im Kontrast zum weissen Schnee gaben ein tolles Motiv her. Das schwierige war jetzt nur noch eine dementsprechend schön weisse strukturierte Schneefläche zu finden mit den geeignetsten Blätter. Ich wollte ein Blatt mit verschiedenen Farben, doch die meisten Blätter waren entweder schon Braun oder nur gelblich, hatten keine schöne Form mehr oder waren sonst irgendwie ungeeignet für mein vorhaben. Es sollte ein Blatt mit Charakter sein. Ich versuchte verschiedene Komposition aus an verschiedenen Stellen. Einmal mit einem Blatt, ein anderes Mal mit einem Teppich aus Blättern……irgendwie war ich aber nie so recht zufrieden. Plötzlich sah ich diese drei Blätter nebeneinander liegen. Das eine war grün- gelblich gefärbt, das andere war gelb mit einem grünen Farbtupfer und das dritte war in einem dunkleren orange-roten Farbton. Drei Blätter mit unterschiedlichen Charakteren. Das eine hatte zudem noch gefrorene Eiskristalle auf der Blattoberfläche. Das einzige was ich nur noch machen musste, war, die Blätter etwas harmonischer zueinander zu platzieren und dann den Bildausschnitt zu wählen.
Für diese Aufnahme benutzte ich mein 70-200mm Objektiv. Ein Makro-Objektiv wäre hier auch gegangen, doch ich musste ja nicht Nahe ran. So konnte ich von einem komfortablen Abstand von meinem Stativ aus fotografieren.
Beim „Entwickeln“ in Lightroom und Photoshop musste ich hier vorallem mit der Sättigung behutsam umgehen. Wollte ich doch in den Blätter die Farben hervorheben, der Schnee sollte aber keinen Farbstich erhalten. Ich erhöhte den Kontrast in den Blätter noch etwas und entfernte Unsauberkeiten im Schnee.
Obwohl ich mit einer ganz anderen Bildidee zum Belchen fuhr, ist dies einer meiner absoluten Favoriten vom vergangenen Herbst!Herbst Belchen
Technische Details: Nikon D700, 70-200mm Objektiv (@125mm), ISO 200, f 13, 1/5 Sekunde, polarizer